Aurelius erwägt Ausstieg bei HanseYachts

Aurelius erwägt offenbar einen Ausstieg beim Greifswalder Yachthersteller HanseYachts. Davon könnte die Aktie nachhaltig profitieren. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Derzeit findet in Frankfurt die 9. Frühjahrskonferenz der DVFA (Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management) statt. Rund 90 Small Caps präsentieren auf der dreitägigen Veranstaltung ihr Geschäftsmodell, ihre Unternehmenskennzahlen und (meist) auch einen Ausblick auf das laufende Gesamtjahr. Daneben stehen die Vorstände auch für Einzelgespräche zur Verfügung.

Die Nummer 2 unter den Segelyachtherstellern

Gestern hat sich auch der Vorstand von HanseYachts den Finanzanalysten und institutionellen Investoren gestellt. Gemessen an der Zahl verkaufter Yachten ist HanseYachts mit mehr als 1.000 Mitarbeitern der weltweit zweitgrößte Serienhersteller hochseetüchtiger Segel- und Motoryachten mit einer Rumpflänge von zehn bis 21 Metern.

Neben der Kernmarke Hanse umfasst die Produktpalette auch die Traditionsmarken Dehler, Moody und Varianta sowie die Motorbootmarke Fjord. Das Unternehmen hat modernste Produktionsstätten in Deutschland und Polen und ist über Vertriebsgesellschaften und Vertriebspartner in knapp 100 Ländern vertreten. Die Exportquote liegt bei etwa 80% und der Marktanteil in den Kernländern in Nordeuropa und Australien bei über 30%.

Zurück auf Wachstumskurs

Das Unternehmen ist seit 2007 börsennotiert. Der Free Float, also der Anteil von Aktien, der sich nicht im Besitz strategischer Investoren befindet, liegt bei 24,7%. Die restlichen Aktien werden von der Münchener Aurelius Equity Opportunities SE & Co. KGaA gehalten, einem Finanzinvestor, der sich auf die Übernahme von Unternehmen in Umbruchsituationen mit Verbesserungspotential spezialisiert hat.

Das Geschäftsmodell dieser beiden Beteiligungs-Gesellschaften geht aufDie Deutsche Beteiligungs AG und Aurelius investieren in angeschlagene Unternehmen und machen sie wieder fit – und das sehr erfolgreich. › mehr lesen

Verbesserungspotenziale waren in der Tat gegeben, als sich Aurelius im November 2011 an HanseYachts beteiligte. Das Unternehmen war hochdefizitär. Seither ist einiges passiert. Zum einen konnten die Umsätze um rund 50% gesteigert werden, und auch die Profitabilität hat sich sukzessive verbessert: Im vergangenen Geschäftsjahr 2016/17 wurde ein operativer Gewinn von 5,1 Mio. Euro erwirtschaftet. Dabei sind die Auftragsbücher prall gefüllt und der Auftragsbestand mit 87 Mio. Euro so hoch wie nie zuvor in der nunmehr 28-jährigen Unternehmensgeschichte.

Auf der Erfolgswelle mitsegeln

Auf der Frühjahrskonferenz hat Jens Gerhardt, Vorstandssprecher von HanseYachts, die Kapitalmärkte denn auch auf einen baldigen Ausstieg des Hauptaktionärs eingestimmt: „Typischerweise verkauft Aurelius ihre Beteiligungen nach sechs bis acht Jahren, vorausgesetzt sie sind restrukturiert und gut aufgestellt“, meinte Gerhardt auf seiner gut besuchten Präsentation. Damit sieht er die Arbeit von Aurelius als abgeschlossen an. Seiner Meinung nach wird die Aktie in ein bis zwei Jahren vollständig liquide sein.

Für eine Aufnahme in den SDAX dürfte die Marktkapitalisierung von derzeit knapp 93 Mio. Euro nicht ausreichen. Doch die Aktie eines gut aufgestellten, profitablen Unternehmens in marktführender Stellung kann vom Verkauf des Mehrheitsaktionärs nur profitieren. Schließlich ist eine Free Float-Marktkapitalisierung von 100 Mio. Euro für viele Investoren eine Schallgrenze, unter der sie sich mit Unternehmen gar nicht erst beschäftigen. Bis zu deren Erreichen ist nun nicht mehr weit hin.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.