Aus die Maut!

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Die deutsche Pkw-Maut verstößt gegen geltendes Recht. Das wird Konsequenzen auf die Aktienkurse von CTS Eventim haben (Foto: bbernard/Shutterstock)

Nun ist also doch passiert, was aus Sicht des Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer nicht hätte passieren dürfen: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat sich den Empfehlungen des Generalanwalts entgegengestellt und die umstrittene Pkw-Maut in letzter Sekunde gekippt. Eine Niederlage der deutschen Politik auf der ganzen Linie.

Auch in Österreich gab es einen Verlierer

Während das Urteil von etwa 1,8 Millionen österreichischen Autofahrern, die pro Jahr auf deutschen Autobahnen unterwegs sind, mit Freude aufgenommen wurde, gibt es auch einen Verlierer in der Alpenrepublik: Kapsch TrafficCom, das gemeinsam mit CTS Eventim vom Bundesverkehrsministerium recht voreilig den milliardenschweren Zuschlag für die Errichtung und den Betrieb des deutschen Mautsystems erhalten hatte.

Die reagierten denn auch überrascht. So erklärte der Marketingchef von Kapsch TrafficCom, dass er das Urteil zunächst analysieren müssen und Gespräche mit dem deutschen Staat führen werde. In der gemeinsamen Presseerklärung war dann wenig aufschlussreich zu lesen, dass die abgeschlossenen Verträge Schutzbestimmungen enthalten, die „Vermögensschäden“ für die Betreibergesellschaft und ihre Aktionäre vorbeugen. Dies soll auch für den Fall gelten, dass die Infrastrukturabgabe nicht eingeführt werden sollte.

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Kein finanzieller Schaden also?

Diesen Beschwichtigungen war es zu verdanken, dass die Aktien der beiden Partnerunternehmen nicht unter die Räder gekommen sind. Zwar drehten die Papiere von CTS Eventim nach der Urteilsverkündung zunächst ins erwartete Minus, gingen letztlich aber mit einem Gewinn von 1,7% aus dem Handel. Doch sind die Kurse von CTS Eventim auch zu Recht gestiegen?

Laut den Angaben, die zu Beginn des Jahres veröffentlicht worden waren, hätte es sich bei dem Maut-Projekt um einen Auftrag im Volumen von 1,6 Milliarden Euro gehandelt, der über die kommenden zehn Jahre abgearbeitet werden sollen. Unterstellt man eine handelsübliche Marge von 10% – was deutlich unter der im Vorjahr erreichten EBIT-Marge von 14,5% liegt – dann ergäbe sich über die Vertragslaufzeit ein Ergebnisbeitrag von 160 Millionen Euro – was in etwa dem operativen Gewinn des Jahres 2017 entspricht.

Prognoseanpassungen wahrscheinlich

Zwar wurde in der Pressemeldung nicht genannt, um welche Regressforderungen es sich handelt, die den beiden Unternehmen beglichen werden. Doch es dürfte außer Frage stehen, dass die entgangenen Gewinne von der Klausel nicht abgedeckt werden. Lediglich die von den beiden Unternehmen bereits gelieferten Leistungen dürften sich CTS Eventim und Kapsch TrafficCom bezahlen lassen. Was wiederum bedeutet, dass deren Prognosen zur Umsatz- und Gewinnentwicklung in den kommenden Wochen doch nach unten angepasst werden. Was sich dann sicherlich nicht positiv auf die Aktienkurse auswirken dürfte.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.