Aus Göppingen in die Welt. TeamViewer zieht es an die Börse

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Aus Göppingen in die Welt. Mit TeamViewer geht ein deutsche Technologieunternehmen an die Börse. (Foto: MaximP / shutterstock.com)

Nicht nur in den USA, auch hierzulande gehen wieder ausgemachte IT-Unternehmen an die Börse. TeamViewer, ein kleines Unternehmen aus Göppingen in der Nähe von Stuttgart, plant Gerüchten zufolge diesen Schritt. Und würde damit den Preis für den größten Börsengang des Jahres bekommen.

Auf 2 Milliarden Geräten installiert

Was als unscheinbares Software-Tool begonnen hat, hat sich inzwischen als de facto-Industriestandard etabliert. Und zwar im Bereich der Fernwartungssoftware für Screen-Sharing, Videokonferenzen, Webkonferenzen, Dateitransfer und VPN, also virtuelle private Netzwerke. Und das weltweit. Denn die Software ist nicht nur auf geschätzt 2 Milliarden Geräte installiert, sondern wird auch von mehr als 300.000 Nutzern in einem Abonnement genutzt. Womit TeamViewer gutes Geld verdient.

Daher kursierten schon seit geraumer Zeit Spekulationen, dass das schwäbische Unternehmen den Gang aufs Börsenparkett wagen könnte. Befeuert wurden die Gerüchte auch vom Management, das einen IPO unlängst als “sehr attraktiv” bezeichnet hatte.

Verkauf nach fünf Jahren

Sinn würde der Börsengang auch von Seiten der Anteilseigner machen. Denn das Unternehmen gehört seit 2014 dem britischen Finanzinvestor Permira, der das Unternehmen damals für 870 Millionen Euro übernommen hatte. Und nach einer fünfjährigen Haltedauer, so die Regel für Private Equity-Investoren, wird für gewöhnlich ein Exit angestrebt. Dieser soll nun im Herbst dieses Jahres am Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse durchgeführt werden. Delikat dabei ist, dass das Göppinger Unternehmen selbst keine neuen Aktien verkaufen will.

Medienberichten zufolge sollen nämlich ausschließlich Aktien von Permira zur Zeichnung angeboten werden. Von einer Kapitalerhöhung, deren Liquidität direkt ins Unternehmen fließt und für Investitionen oder Übernahmen zur Verfügung steht, ist bislang nicht die Rede. Damit bleibt der britische Finanzinvestor zwar auch nach dem Börsengang als Großaktionär weiterhin im Unternehmen engagiert, doch wird „Kasse machen“ beim Börsengang von den Investoren für gewöhnlich mit einem Abschlag versehen.

Aktie hoch bewertet

Ob das jedoch die betreuenden Banken – dem Vernehmen nach sind Goldman Sachs und Morgan Stanley beim Börsengang in der Führungsposition – auch so sehen, bleibt abzuwarten. So ist von einer strammen Unternehmensbewertung zwischen vier bis fünf Milliarden Euro die Rede. Woraus sich bei Umsätzen von etwa 300 Millionen Euro nicht gerade eine Multiplikatorbewertung errechnet, die eine Zeichnung unumgänglich macht. Eher scheint sich Permira einen Großteil der Zukunftsperspektiven von TeamViewer selbst einverleibt zu haben.

Daher muss das Wachstum weiter angefacht werden. So eröffnete das Unternehmen, das derzeit weltweit etwa 800 Mitarbeiter beschäftigt, im vergangenen Jahr Büros in China, Japan, Indien und Singapur. Angabe gemäß hat TeamViewer allein in China dutzende Millionen Nutzer, die das Produkt bislang kostenlos nutzen, von TeamViewer jedoch in zahlende Kunden umgewandelt werden sollen. Ob das jedoch reicht, um aus TeamViewer eine attraktiv bewertete Aktie zu machen, bleibt abzuwarten.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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