Australische Regierung verbietet GrainCorp-Verkauf

Der US-Agrarkonzern Archer Daniels Midland (ADM) wird sich ein neues Objekt der Begierde suchen müssen. Der geplante Kauf des australischen Getreide-Händlers GrainCorp  für 2,2 Mrd. Austral-$ wurde von der Australischen Regierung untersagt.

Der australische Finanz-Minister Joe Hockey sagte zu den Medien, es „sei nicht im nationalen Interesse“ den wichtigsten Getreidehändler Australiens an ein ausländisches Unternehmen zu verkaufen.

Damit platzt auch der dritte Übernahme-Versuch von ADM. Die bisherigen wurden jeweils vom GrainCorp-Management abgelehnt. Das dritte Angebot in Höhe von 12,20 A-$ empfand das Management als angemessen und hat den Aktionären empfohlen, das Angebot anzunehmen.

GrainCorp-Übernahme sollte Geschäft in Asien und Afrika stärken

Der australische Getreidehändler betreibt über 280 Getreide-Silos in Australien. Sieben der zehn größten Getreidehäfen in Australien und fast 85% des Getreidehandels in Ostaustralien laufen über GrainCorp. Fast 30.000 Landwirte in Australien arbeiten mit GrainCorp zusammen.

90% des Getreides und anderer Agrarrohstoffe exportiert der australische Getreidehändler. Die größten Abnehmer sind in Afrika und Asien. Der asiatische Markt hat es ADM angetan. Die ständig wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln in Asien macht den Kontinent zum Wachstumsmarkt.

Analysten erwarten bis 2050 einen Anstieg von 50% bei der Getreide-Nachfrage.

Amerikaner wollen 20% Anteil  trotz Übernahme-Aus halten

ADM ist der zweitgrößte Agrar-Konzern der Welt. Schon im vergangenen Jahr hat der Konzern sein Interesse an GrainCorp signalisiert. Nach zwei zurückgewiesenen Übernahme-Angeboten, wurde das dritte vom GrainCorp-Management angenommen.

Auch die Wettbewerbshüter haben dem Deal grünes Licht signalisiert. Doch das australische Foreign Investment Review Board (FIRB), eine Agentur für ausländische Investitionen, hat dem Deal noch zustimmen müssen.

Im FIRB hat der Finanzminister Hockey das letzte Wort. Obwohl die Entscheidung knapp war, stimmte Hockey gegen den Deal.

ADM hält bereits 19,8% an GrainCorp. Die Amerikaner haben mitteilen lassen, die Anteile am australischen Unternehmen nicht verkaufen zu wollen.

Hockey unter Druck :Trotz Zustimmung vom Kartellamt kein Deal

Verschiedene Medien berichten, dass Hockey der starken Agrarlobby nachgegeben hat, die aus Angst vor Geschäftseinbußen gegen den Deal war.

Die australische Agrarlobby ist sehr eng mit der National Party verbunden. Die National Party ist der Koalitionspartner von Hockeys Liberalen Partei, die momentan regiert. Der Verdacht, dass Hockey daher auf politischen und Lobby-Druck den Deal untersagte, ist naheliegend.

Um genau diesen Verdacht zu entkräften, sagte Hockey, dass von 130 Anträgen für die Übernahme eines australischen Unternehmens, er nur diesen abgelehnt habe. Die Regierung sperre sich nicht grundsätzlich gegen Auslands-Investitionen.

Saputo-Warrnambool-Deal dürfte wettbewerbsrechtlich nicht gefährdet sein (eigentlich)

Das jetzige Votum Hockeys sorgt trotz aller Beteuerungen auch bei einem anderen Deal für Unbehagen. Aktuell kämpfen 2 australische und ein kanadisches Unternehmen um die Molkerei Warrnambool Cheese and Butter.

Der australische Bieter Murray Goulburn argumentiert dabei ebenfalls mit „nationalem Interesse“. Da dieser Deal um Welten kleiner ist, dürfte dies eigentlich keine Konsequenzen nach sich ziehen, doch wenn die Lobbies erst mal aktiv werden, dann können unter Druck auch wenig stichhaltige Argumente greifen.

2. Dezember 2013

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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