Ausverkauf im Cannabis-Sektor – Das steckt dahinter

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: Selbst die großen Cannabis-Aktien erleben aktuell einen massiven Absturz. In nur einer Woche haben so die Marktführer um die 30% verloren. (Foto: Yarygin / shutterstock.com)

Aktuell läuft im Cannabis-Sektor ein massiver Ausverkauf – anders ist die Lage nicht mehr zu benennen. Die großen Marktführer brechen ein -und mit ihnen auch die Werte aus der zweiten und dritten Reihe.

Die Stimmung ist schon seit einigen Wochen schlecht. Doch in der vergangenen Woche wirkten die schwachen Bilanzdaten der Marktführer von Canopy Growth und Aurora Cannabis noch wie Brandbeschleuniger. Stellen Sie sich vor: Die Aktie von Aurora Cannabis hat in nur einer Woche 36% und auf Sicht von 6 Monaten sogar 73% verloren. Ähnlich sieht es bei Copy Growth aus mit einem Wochenverlust von 28% und einem Einbruch in den vergangenen 6 Monaten von rund 68%.

Was sind die Gründe für den Absturz? Im Endeffekt werden die Hoffnungen der Investoren in diesen Sektor massiv enttäuscht – und nur teilweise sind die Firmen dafür verantwortlich. Sicherlich tragen die Unternehmen eine Schuld am aktuellen Überangebot auf dem Markt – speziell in Kanada. Das hat das eigentlich erwartete dynamische Wachstum auch eingeengt.

Es gibt viel zu viel Cannabis in Kanada

Aber dazu müssen Sie auch wissen, dass 2019 deutlich weniger Cannabis-Shops in Kanada eröffnet haben, als eigentlich erwartet worden waren. Oft dauern die Genehmigungsverfahren doch länger. Und wenn es nicht genügend Shops gibt, in denen legal Cannabis verkauft werden kann, dann ist auch die Gesamtmenge nicht so groß – oder die Konsumenten weichen auf den Schwarzmarkt aus.

Dennoch zeigt sich aber auch in diesem Sektor, dass größere Mengen an frischem Kapital notwendig sind, um neue Produktionsanlagen auch wirklich zu bauen. Nun gehen etliche Firmen den Weg und passen die eigenen Produktionsplanungen den veränderten Marktbedingungen an.

Ein Beispiel ist hier The Green Organic Dutchman (TGOD). Das kanadische Unternehmen fokussiert sich auf den hochpreisigen Markt mit Bio-Cannabis. Doch aktuell bleibt die Firma klar hinter den eigenen Umsatzplanungen für2019 zurück. Und erst durch eine ganz frische Finanzierung über rund 100 Mio. CAD ist wohl das Überleben des Unternehmens für die nächsten Monate gesichert. Schon vor wenigen Wochen hat TGOD die eigenen Produktionspläne massiv zurückgefahren.

Aber das ist ja nur ein Aspekt bei vielen Cannabis-Firmen. Um sich von der Konkurrenz abzusetzen, wird eben auch viel Geld in Marketingmaßnahmen gesteckt. Wenn aber die Marketingausgaben in den ersten 9 Monaten 2019 bei rund 10,3 Mio. CAD liegen und dem gegenüber nur ein Umsatz von gerade einmal rund 7,9 Mio. CAD steht, dann passt das nicht zusammen. Gleichzeitig hat sich das Management aktienbasierte Vergütungen von 11,36 Mio. CAD genehmigt.

Viele Cannabis-Firmen geben mit vollen Händen Geld aus

Hier wird erst einmal massiv Geld aus dem Fenster geschmissen – bevor überhaupt ordentliche Umsätze erzielt werden. Bei diesen Vorzeichen ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Sektor eine massive Pleitewelle sehen wird – denn den Firmen wird schlicht und einfach das Geld ausgehen. Bei TGOD ist ja das finanzielle Überleben erst einmal gesichert, doch wie es nach 6 Monaten aussieht ist noch nicht klar. Bei den Marktführern wie Canopy Growth und Aurora ist immerhin die finanzielle Basis noch gut.


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Heiko Böhmer
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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