Auswege aus der Krise: nach dem Franken-Schock in der Schweiz

Wer jetzt in der Schweiz investieren möchte, kann dies aus verschiedensten Gründen machen – nur: als Fluchtburg ist die Schweiz wie hier mehrfach beschrieben nicht mehr geeignet.

Die Zinsen sind auf einem Rekordtief, Sie verdienen mit hoher Sicherheit noch nicht einmal die Kosten für Ihren Wechselaufwand. Zudem aber wird der Franken jetzt weiter abwerten, da auch die Schweiz Auswege aus der Krise sucht. Wenngleich aus ganz anderem Blickwinkel. Die Konsequenz: Sie wählen eine andere Fluchtburg.

Angeblich geht es gegen Spekulanten

Die Schweizer Nationalbank greift in den Wirtschaftskreisluaf ein. Sie will wie mehrfach auf GeVestor.de berichtet den Franken gegenüber dem Euro faktisch abwerten. Weniger als 1,20 Franken pro Euro soll die Relation nicht mehr betragen.

Denn: die Schweizer Exportwirtschaft leidet darunter. Dies ist der offizielle Grund, inoffiziell ging es darum, „Spekulanten“ zu vertreiben. So kommentieren Andere diesen Schritt. Ich nenne es Harakiri und muss Ihnen etliche Konsequenzen nennen. Diese werden nicht neu sein, wenn Sie diesen Dienst bereits seit längerer Zeit beziehen, aber:

halten Sie sich an die Leitplanken, die Sie hier erfahren werden. Denn: die Krise spitzt sich jetzt überall zu.

Schweiz: Inflation steht bevor

Die Schweizer Notenbank SNB hat nicht allzu viele Methoden, um die Ankündigung wahr zu machen. Entweder sie kauft den Euro auf, wie sie ankündigte, oder sie schmeißt die Notenpresse an. Auf Letzteres wird es hinauslaufen. Dies heißt dann auch für die Schweiz: die Inflation steht vor der Tür.

Doch zunächst mein Argument für diesen Weg: wollte die Schweiz ernsthaft den Euro stärken und den Franken durch eine Euro-Aufkauf schwächen, kostet dies nach Berechnungen von „Wall Street Journal“ bis zu einer Billion Euro. Oder:

„Die Übernahme des US-Finanzministeriums durch China wäre dagegen Peanuts“. Mit anderen Worten: so geht es nicht. Ich rechne sogar damit, dass die Schweizer Nationalbank noch nicht einmal aus kosmetischen Gründen diesen Weg einschlagen wird.

Notenpresse läuft ohne Pause

Die Zukunft wird nach diesen Ankündigungen also ganz anders aussehen: Die Schweizer Nationalbank lässt die Notenpresse laufen. Im übertragenen Sinn ohne Pause.

Sie wird Anleihen für den Staat an den Markt bringen und am besten gleich selbst aufkaufen. Damit gibt sie dem Staat „mehr Geld“ an die Hand, denn das kann und wird sie gleich selbst produzieren. In der Bilanz der Notenbank ist das ohne weiteres möglich: dem „Mehrgeld“ stehen Forderungen – die Anleihen – gegenüber.

Das hat zwei Effekte, beide bedeutsam für Sie: zum einen entwertet das jetzt bereits Geldbestände auf Schweizer Konten. Sollten Sie für Ihre Vorsorge hohe Bestände in der Schweiz haben, sichern Sie zumindest einen Teil und investieren in Konten außerhalb der Schweiz. Auch diese Empfehlung hatte ich bereits vor einiger Zeit ausgesprochen.

Geld aus der Schweiz abziehen..

Da ich gleichzeitig bereits seit langem empfehle, möglichst wenig Geld-Bestände zu halten, können Sie das Geld auch in Schweizer Aktien investieren. Dazu lesen Sie etwas weiter unten mehr.

Achtung: wenn Sie das Geld aus der Schweiz zurück nach Deutschland transferieren, ist dies nicht(!) gefährlich. Die Steuerdebatte in der Schweiz, das Steuerabkommen ist nicht abhängig davon, wann Sie wo etwas abheben. Entscheidend ist, dass die Schweiz für die zurückliegenden Jahre eine Steuer an Deutschland zahlt und sich diese zurückholt.

Eine zweite Konsequenz aus der Politik mit der Notenpresse aber ist die schlechte Zukunft in der Schweiz. Wer sein Geld in einer Fluchtburg unterbringen möchte, wird dort nicht nur der Inflation wegen keine Chance haben. Die Zinsen sind jetzt schon auf einem Rekordtief. Sie erhalten vielerorts 0,2%. Viel zu wenig, um Ihr Vermögen dauerhaft zu schützen…

… und gar nicht erst dort investieren

Wohlgemerkt: ich spreche von Geldkonten in der Schweiz. Wenn Sie diese bedienen, vernichten Sie künftig systematisch Geld. Nicht viel, denken viele Investoren. Falsch, meine ich.

Vergessen Sie die Zinsen, bleibt nicht mehr viel übrig als hohe Kosten: Transfer, am besten noch eine Überwachung vor Ort, Inflationsdruck und Gebühren sowie Steuern auf die Minizinsen werden schnell 5% Gesamtbelastung für Ihr Vermögen fällig.

5% jährlich aber summieren sich in 5 Jahren – aufgrund des in diesem Fall positiv wirkenden Zins- und Zinseszinseffektes – auf einen Gesamtverlust in Höhe von 22,4%. Vermögensschutz und Vorsorge sehen anders aus.

Alternative? Immobilien in der Schweiz

Doch es bleibt die Frage, wohin mit dem Geld? Erste Stimmen schlagen vor, in Immobilien in der Schweiz zu investieren. Nachvollziehbar, denn die Wirtschaft funktioniert dort immer noch gut. Und damit werden die meisten Immobilienpreise steigen.

Nur: maßgeblich für Ihre Rendite ist der bis jetzt schon erreichte Preis für die Immobilien in der Schweiz. Kürzlich schrieb ich hier und an anderer Stelle aber, dass Immobilien in der Schweiz bereits  recht teuer geworden sind. Mit anderen Worten: als Alternative für Franken-Bestände sind Immobilien im Durchschnitt ungeeignet.

Für einen gewissen Zeitraum werden die Immobilienpreise weiter steigen. Alleine die Inflationierung durch die Notenbank sorgt schon dafür. Nur: Sie laufen Gefahr, in einen überhitzten Markt hinein zu kaufen. Wie substanzstark die einzelnen Immobilien sind, lässt sich jetzt kaum sagen.

Zudem wird im schlimmsten Fall eine kleine Immobilienlblase entstehen, die eines Tages platzen kann. Angefeuert durch billiges Geld sehe ich in Schweizer Immobilien mehr Risiken als Chancen.

Nächste Alternative: Goldfonds

Wer ganz sicher in der Schweiz investieren möchte, kann eher zu Goldfonds greifen. Diese sind ebenfalls Sachwerte, bieten aber einen Schutz ganz eigener Art: der Goldpreis richtet sich nicht nach den Euro- und Frankenrelationen.

Sinkt der Frankenwert, wird sich der Goldpreis automatisch höher und schneller entwickeln als die analoge Notierung in Euro. Daher können Sie Frankenbestände auch in Gold tauschen.

Ihr Vorteil: die Goldfonds in der Schweiz sind über die Börse handelbar. Geichzeitig aber gehören die Bestände Ihnen als Investor. Selbst wenn eine Bank Konkurs anmeldet, kann Ihnen weder der Schweizer Staat noch eine Bankenaufsicht die Bestände entreißen.

Die Bundesrepublik Deutschland hat ebenfalls keinen Zugriff auf die Goldkonten in der Schweiz. Dies ist daher die einzige Chance, dauerhaft jenseits von Deutschland und der Eurozone, gleichwohl aber in Europa in einen Sachwert zu investieren.

Passende Fonds in Zürich

Sie finden die Fonds in der Bankenmetropole von Zürich. Die dortige Zürcher Kantonalbank hat einen Fonds aufgelegt, der sowohl in Euro als auch im Franken und im US-Dollar notiert. Den Kursverlauf selbst können Sie sich über diese Adresse ansehen:

http://www.zkb.ch/de/startseite/privatkunden/anlagen_und_boerse/fonds/rohstoff_fonds/zkb_gold_etf/uebersicht.html?Popup=1

Dies ist ein möglicher Ausweg aus der Krise, die jetzt auch den Franken und die Schweiz insgesamt erfasst. Achtung: mehr als 15% des Vermögens werden allerdings auch beim Gold zum Risikoinvestment.

PS: Andere Währungen als der Franken sind meiner Meinung nach noch gefährlicher, weil sie international kaum anerkannt sind (die Nordeuropäer) oder auch untergehen können (wie die australischen Dollar). Bleiben Sie zur Vorsorge im Euroraum – und investieren dann in die richtigen Sachwerte.

8. September 2011

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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

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