Autobranche in der Krise – wie Phönix aus der Asche?

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Die „Detroit Motor Show“ 2019 ist symptomatisch für die Automobil-Branche. Eine aktuelle Einschätzung. (Foto: Gubin Yury / shutterstock.com)

Heute beginnt in den USA die „Detroit Motor Show“. Früher galt die schon legendäre Automobilmesse als das wohl größte Highlight der Branche im gesamten Kalenderjahr.

Heute ist das Event nur noch ein Schatten seiner selbst: Gleich 4 deutsche Autohersteller (Audi, BMW, Mercedes, Porsche) bleiben der Messe in diesem Jahr komplett fern!

Das deutet darauf hin: Die Branche der Fahrzeugproduzenten steckt in einer gewaltigen Krise. Indes:

Oftmals sind Krisen genau das Fundament, von dem aus an den Aktienmärkten neue und nicht selten grandiose Aufwärtsbewegungen starten. Wir werfen heute einen Blick auf die Branche und ihre Charttechnik.

Morgen checken wir dann gemeinsam die Charts einzelner Aktien des Sektors.

US-Autosektor steckt tief in der Krise

Einst galt die „Motor-City“, wie Detroit auch liebevoll genannt wurde / wird, als Nabel der Autowelt: Die drei großen US-Hersteller General Motors, Ford Motors und Chrysler waren / sind im Einzugsbereich des riesigen Lake Michigan, USA angesiedelt.

Chrysler ist inzwischen in italienischer Hand (Fiat). General Motors verkündete vor 2 Monaten rigorose Sparpläne mit dem Abbau von 15% der Belegschaft sowie der Stilllegung von 5 Werken.

Ford Motors folgte dem vor wenigen Tagen mit ähnlichen Ambitionen: Aufgrund von Verlusten sollen vor allem in Europa Arbeitsplätze gestrichen werden.

Und Deutschland?

Und was machen die deutschen Autohersteller? Dort sieht es nicht viel besser aus:

Seit September 2015 hat die ursprünglich von Volkswagen offenbarte Abgasmogelei die Branche fest im Würgegriff: Inzwischen weiß man schon nicht mehr zu sagen, wer denn eigentlich nicht in diese Farce verwickelt war.

Hinzu kommt: Den meisten Autoherstellern, allen voran den deutschen, fehlt schlichtweg eine Perspektive bezüglich der Zukunft der Branche – Stichwort Elektromobilität! Diese Entwicklung haben VW & Co. in der Vergangenheit komplett verschlafen oder womöglich noch schlimmer: Vehement ignoriert!

Spätestens seit dem Einbruch der Fahrzeug-Absatzzahlen um fast ein Drittel im Oktober des vergangenen Jahres dürfte auch dem Letzten klar sein: Die Branche steckt in einem gewaltigen Loch.

Autos: Die Zykliker schlechthin

Privatanleger vergessen gerne: Die Autobranche unterliegt einem Absatzzyklus. Mit den daraus folgenden Begleitumständen für die Aktienkurse der Branche: Auf Hui folgt regelmäßig das Pfui!

Zuletzt steckten die Autohersteller während der Finanzkrise im Loch: Erst mit staatlicher Hilfe – Stichwort: Abwrackprämie – kam die Branche allmählich wieder in Tritt.

Von einer vergleichbaren Initiative sind wir derzeit noch weit entfernt. Man könnte auch sagen: Den Autobauern geht es noch nicht schlecht genug.

Deutsche Autobranche im Charttechnik-Check

Das dokumentiert Ihnen auch der Langfrist-Chart des DAXsectors Automobile:

Deutsche Autobranche in der Krise: Es ist noch nicht vorbei!

Der Branchenindex toppte bereits im März 2015 – also 6 Monate VOR dem Beginn des Abgasskandals. Die Erholung vom Sommer 2016 bis Januar des vergangenen Jahres war ein letzter Versuch des Aufbäumens:

Das alte Top wurde nicht mehr erreicht oder gar überboten. Ein weiterer, ernst zu nehmender Warnhinweis der Charttechnik.

Der Relative Stärke Index vermittelt Ihnen derzeit ein trügerisches Bild: Ein Bruch des scharfen Abwärtstrends seit Anfang 2018 scheint in Kürze möglich (gelber Kreis). Allerdings:

Der Indexverlauf zeigt Ihnen, dass davor wohl erst noch ein Aufsetzen auf die seit 2003 bestehende Aufwärtstrendlinie steht. Das wären noch einmal rund -30% Kursverlust, bevor das von mir mit dem blauen Pfadpfeil eingezeichnete, mögliche Szenario Gestalt annehmen kann:

Hier treffen sich der Aufwärtstrend und ein bis ins Jahr 2007 zurückreichender ehemaliger Widerstand, die dann zu einer charttechnisch sehr wahrscheinlichen Kreuz-Unterstützung verschmelzen dürften.

Die Charttechnik des US-Autosektors

Lassen Sie uns nun zusammen auf einen langfristigen Chart der US-amerikanischen Autobranche blicken:

US-Autobranche: Im sechsten Jahr seitwärts!

Sie sehen es selbst: Gemessen am Trendintensitäts-Indikator, dem Relative Stärke Index, geht es den Aktien der US-Autobauer noch vergleichsweise Gold!

Der Branchenindex Dow Jones US-Automobiles pendelt nun bereits im sechsten (!) Jahr in Folge in einer engen Handelsspanne zwischen 230 Punkten auf der Ober- und 170 Zählern auf der Unterseite.

Auch wenn noch völlig offen ist, in welche Richtung das Sektor-Barometer irgendwann einmal ausschlagen wird: Wenn das geschieht, wird die nachfolgende Bewegung – aufgrund der extrem langen Dauer der vorangegangenen Seitwärts-Bewegung – explosiv sein!

Fazit

Zusammengefasst bedeutet das:

Schlechte Aussichten für die deutsche Automobilbranche. Und nicht unbedingt gute, wenngleich offene, Perspektiven für die „Kollegen“ aus den USA.

Wir schauen morgen, ob wir in einzelnen Autoaktien charttechnische Bestätigung für die heutigen Analyseergebnisse finden.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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