Autodesk: Anleger schmeißen nach gekappter Prognose das Handtuch

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Autodesk-Aktie: Bausoftwarespezialist senkt trotz starkem Quartal seine Jahresprognose. Aktie rutscht deutlich ab (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Reaktion der Anleger fiel harsch aus. Kurz nach Vorlage der Quartalszahlen sackte die Autodesk-Aktie um 12% in den Keller, auch wenn sich der Kurs im Verlauf des Handelstages wieder leicht erholte. Der Grund lag nicht etwa in den präsentierten Zahlen zur Geschäftsentwicklung. Diese lagen sogar über den Erwartungen des Marktes. Vielmehr trieb den Anlegern die gesenkte Jahresprognose die Sorgenfalten auf die Stirn.

Weltmarktführer für Bausoftware

Bevor ich auf das aktuelle Zahlenwerk der Firma eingehe, möchte ich Ihnen Autodesk erst einmal näher vorstellen. Die in San Rafael (Kalifornien) ansässige Autodesk ist mit der gleichnamigen Computer-Aided Design Software international bekannt geworden. Mit Hilfe der Software lassen sich via Computer Gebäude planen, visualisieren, konstruieren und errichten. Neben CAD-Software für Architekten und Bauunternehmen entwickelt Autodesk zunehmend auch 3D-Software für Animationen und Effekte. Das Unternehmen vertreibt zudem Software für Endverbraucher über das Internet.

Kunden von Autodesk sind insbesondere Architekten, Ingenieurbüros und Bauunternehmen. Darüber hinaus nutzen auch die Unterhaltungs- und Medienindustrie sowie Endverbraucher die Autodesk-Produkte.

30% Umsatzwachstum im zweiten Quartal

Im zweiten Quartal beeindruckte der Softwarespezialist mit kräftigen Zuwachsraten. So kletterte der Umsatz um 30,2% auf 779 Millionen Dollar. Besonders beeindruckend: 96% der gesamten Umsätze wurden in Form wiederkehrender Erlöse erzielt. Zugleich verbesserte sich die Gewinnkraft des Konzerns deutlich. Der operative Gewinn drehte von einem Verlust in Höhe von 24,7 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum auf 73,8 Millionen Dollar. Entsprechend erzielte Autodesk eine operative Gewinnspanne von 9%. Unter dem Strich blieb ein bereinigter Nettogewinn von 0,65 Dollar je Aktie übrig.

Cash Flow erreicht höchstes Niveau der Firmengeschichte

Auch beim Free Cash Flow erreichte der Softwarespezialist einen neuen Rekordwert. Im Jahresvergleich verbesserte sich der Wert auf 205 Millionen Dollar – ein satter Zuwachs um 754%. Ebenso stark zeigten sich die in der Softwarebranche viel beachteten Total Annualized Recurring Revenues (ARR), also der Teil der Umsätze, der wiederkehrend ist und mit dem die Firma auch in den nächsten Quartalen rechnen kann. Auf 12 Monate gerechnet erhöhten sich diese Umsätze auf 3,07 Milliarden Dollar und lagen damit 31% über dem Vorjahresniveau.

Umstellung des Geschäftsmodells macht sich bezahlt

Autodesk hat sein Geschäftsmodell seit dem Januar 2016 umgestellt. Vorher gab es ein Lizenzmodell, im Rahmen dessen für Softwareprodukte eine einmalige Gebühr kassiert wurde. Jetzt gibt es quasi nur noch ein Abo-Modell. Kunden zahlen eine Art Miete, die monatlich kassiert wird. Das spart den Kunden zunächst hohe Einmalzahlungen für die Lizenz, aber langfristig müssen die Kunden mehr bezahlen. Entsprechend drückte die Umstellung bei Autodesk erst einmal auf die Geschäftsentwicklung, sollte sich aber in den kommenden Jahren deutlich positiv bemerkbar machen.

Autodesk senkt den Ausblick

Kurzfristig zeigt sich die Konzernführung aber etwas zurückhaltender. Der Hersteller der AutoCAD-Software schraubte seine Prognose herab und begründete das mit den derzeitigen konjunkturellen Unsicherheiten. Auf Jahressicht rechnet Autodesk mit einem Umsatz zwischen 3,24 bis 3,27 Milliarden Dollar (alt: 3,25 – 3,3 Mrd. Dollar) sowie einem bereinigten Nettoergebnis von 2,69 bis 2,81 Dollar je Aktie (alt: 2,71-2,90 Dollar je Aktie). Der Free Cash-Flow soll in 2019 rund 1,35 Milliarden Dollar (alt: 1,3 Mrd. Dollar) betragen.

Unter dem Strich wurde die Prognose also nur minimal verändert. Vor dem Hintergrund der enormen Stabilität des Geschäftsmodells auf Grund der hohen wiederkehrenden Erlöse erscheint die Kursreaktion etwas übertrieben und dürfte vor allem auf die zuvor erreichte hohe Bewertung der Aktien zurückzuführen sein.

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Autodesk: Softwarekonzern übertrifft Erwartungen – Anleger gehen trotzdem an die SeitenlinieDer Bausoftwarespezialist Autodesk ist weiter auf dem Wachstumspfad. Das Cloud-Geschäftsmodell liefert eine hohe Planbarkeit der Erlöse. › mehr lesen


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.