Automobil-Industrie steht vor großen Herausforderungen

Trotz des sich verlangsamenden Wachstums-Tempos steuert die Automobil-Industrie erneut auf einen Absatzrekord zu. Hier alles Weitere dazu: (Foto: Semmick Photo / shutterstock.com)

In diesem Jahr steuert die Auto-Industrie erneut auf einen Absatz-Rekord zu.

Zwar wird sich das etwas verlangsamen. Experten-Schätzungen zufolge wird der Weltmarkt aber mind. um 3% auf 85 Mio. Fahrzeuge wachsen.

Branche vor neuen Herausforderungen

Allerdings nehmen die Herausforderungen zu:

Ging es früher darum, Modell-Paletten zu erweitern und die Kunden mit technischen Verbesserungen zu überzeugen, lauten die Themen heute:

  • Elektromobilität,
  • autonomes Fahren,
  • Carsharing
  • und schärfere Abgas-Grenzwerte.

Die traditionellen Autobauer müssen daher kräftig in neue Technologien investieren, um nicht von Tesla, Google und Apple abgehängt zu werden.

Besonders in China müssen die deutschen Hersteller die Elektrifizierung ihrer Fahrzeugflotte vorantreiben, um den Anschluss nicht zu verpassen.

Auf dem größten Absatzmarkt der Welt werden bereits Absatzquoten für Elektro-Autos diskutiert. Wer sie nicht erfüllt, dem drohen Strafzahlungen.

Wann die Quote kommt und wie hoch sie sein wird, ist zwar noch offen. Dass die Quote kommt, ist aber ausgemachte Sache.

Aber auch der herkömmliche Verbrennungsmotor ist noch nicht abgeschrieben.

In 4 Jahren dürfen die Neuwagen der Hersteller in der EU im Durchschnitt nur noch 95 g CO2 / km ausstoßen. Diese Emissions-Vorgabe der EU ist ohne den Dieselmotor gar nicht zu erfüllen.

Elektrofahrzeuge führen weiterhin ein Schattendasein

Die Reichweiten sind immer noch zu gering und die Preise trotz staatlicher Zuschüsse zu hoch.

Um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen, müssen v. a. mehr Ladestellen installiert und die Ladegeschwindigkeit deutlich erhöht werden.

Bis die Probleme behoben sind, werden die Kunden vermutlich eher auf Plug-in-Hybride setzen, die sowohl über einen Verbrennungs- als auch über einen Elektromotor verfügen.

In den USA droht Protektionismus

Noch läuft es in den USA für die deutschen Hersteller rund, das belegen die jüngsten Absatzzahlen von Daimler, BMW und VW.

Doch es droht Ungemach: Präsident Trump hat den Autobauern Strafzölle von 35% angedroht, wenn sie Fahrzeuge in die USA einführen wollen.

Im Visier hat Trump in erster Linie die europäischen und japanischen Hersteller.

Aber auch Ford und General Motors werden nicht verschont:

Ford verzichtet deshalb auf den Bau eines neuen Werks in Mexiko. Und General Motors hat eine Investitions-Offensive an den US-Standorten angekündigt.

BMW und Daimler bleiben aber gelassen, denn bei ihnen halten sich Produktion und Verkauf in den USA halbwegs die Waage.

VW und seine Tochter Audi produzieren dagegen den größten Teil der in den USA verkauften Fahrzeuge in Mexiko.

Der Konzern wird daher entweder die Mexiko-Produktion einstellen oder sich neue Absatzmärkte suchen müssen.

Branchen-Konsolidierung scheint abgeschlossen

Nach der Übernahme von Opel kommt Peugeot in Europa auf einen Marktanteil von 16,7% und festigt damit seine Position als Nr. 2 hinter VW (24%).

Andererseits haben die Franzosen jetzt 3 Marken unter einem Dach, die sich gegenseitig Konkurrenz machen. An weitere Übernahmen größeren Umfangs in der Branche glaube ich nicht.

Die Hersteller werden eher auf Investitionen in gemeinsame Projekte setzen, z. B. in den Aufbau einer europäischen Lade-Infrastruktur, wie sie VW, Daimler und BMW beabsichtigen.

Fiat-Chef Marchionne geht allerdings davon aus, dass VW irgendwann ein Auge auf seinen Konzern werfen wird.

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.