Automobil-Aktien: Der Gegenwind wird immer stärker

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Auch wenn in diesem Jahr wohl noch Absatzrekorde erzielt werden, an der Börse wird die Zukunft gehandelt und die sieht alles andere als rosig aus. (Foto: Gubin Yury / shutterstock.com)

Branchenexperten rechnen im laufenden Jahr mit einem neuen Absatzrekord von weltweit 88,3 Mio. Fahrzeugen.

Viele Hersteller werden das Jahr auch mit Rekordgewinnen abschließen. Aber an der Börse wird die Zukunft gehandelt. Und die sieht für die europäische, vor allem aber für die deutsche Autoindustrie nicht gerade rosig aus. Denn die Branche steht vor großen Problemen: Handelsstreitigkeiten, Brexit, Dieselkrise, Elektromobilität, autonomes Fahren, Reduktion der CO2-Emission und der neue Abgastest WLTP sind Herausforderungen, die mit hohen Investitionen verbunden sind und nicht auf die Schnelle bewältigt werden können.

Daimler und BMW mussten sogar ihre Ziele für 2018 zurückschrauben, weil sie die Kosten für WLTP unterschätzt haben.

Dem Elektroauto gehört die Zukunft

Angesichts drohender Fahrverbote und staatlicher finanzieller Förderung entscheiden sich immer mehr Kunden für ein Elektroauto. Nahezu alle Hersteller reagieren auf den Sinneswandel und haben eine Elektro-Offensive angekündigt. Branchenexperten gehen davon aus, dass 2025 bereits 6% aller Autos rein elektrisch fahren. 2030 könnten es bereits 15% sein. Die E-Mobilität wird aber nur dann ein Erfolg, wenn auch die Ladeinfrastruktur deutlich ausgebaut wird. Zudem müssen die Ladesysteme vereinheitlicht werden. Noch ist nicht jede Säule für jedes Auto nutzbar. Und auch an der Kostentransparenz hapert es noch.

Eine Alternative ist die Brennstoffzellentechnik. Während die deutschen Hersteller noch tüfteln, haben Toyota und Hyundai ihre Modelle schon auf den Markt gebracht. In Deutschland allerdings mit überschaubarem Erfolg. Denn die Tankstellendichte ist noch viel zu gering. Zudem ist die Technik nicht billig: Für den Toyota Mirai werden 79.000 € fällig und für den Hyundai ix35 rund 69.000 €. Der Diesel ist dagegen ein Auslaufmodell.

Zwar sind die neuen Modelle, die die Euro-6-Norm erfüllen, nicht von Fahrverboten betroffen. Dennoch haben die Kunden das Vertrauen in den Diesel verloren, zumal eine Ausweitung von Fahrverboten in Zukunft nicht ausgeschlossen ist. Ihr schlechtes Image könnten die Hersteller aufpolieren, wenn sie Hardware-Nachrüstungen anbieten würden. Die Kosten für die gesamte Branche halten sich mit geschätzt 5 Mrd. € in Grenzen.

Elektroautos brauchen Batterien

Parallel zum Elektro-Boom wird die Nachfrage nach Batterien steigen. Allerdings gibt es in Deutschland noch keine Fertigung von Batteriezellen für Elektroautos. Die Herstellung in Eigenregie sei zu teuer, sagt die Autoindustrie und überlässt das Feld den Asiaten. Eine gefährliche Entwicklung, denn die Konzerne aus Fernost werden irgendwann ihre Marktmacht ausspielen und die Preise diktieren.

Fazit

Einen echten Branchenfavoriten gibt es derzeit nicht. Nahezu alle Hersteller stehen vor den gleichen Herausforderungen. Die Autoindustrie hat aber erkannt, dass sie nur mit einer radikalen Strategieänderung profitables Wachstum langfristig sichern kann. Volkswagen zum Beispiel will bis 2022 mehr als 34 Mrd. € in Elektroautos, autonomes Fahren und in die Digitalisierung investieren. Ziel ist es, bis 2025 mindestens 80 elektrifizierte Modelle auf den Markt zu bringen: 50 reine Stromer und 30 Plug-in-Hybride.

Eine riskante Wette bleibt Tesla. Trotz der Unruhen und Produktionsschwierigkeiten notiert die Aktie nur knapp unter Rekordniveau. Nach den überzeugenden Quartalszahlen muss der Konzern jetzt beweisen, dass er auch dauerhaft profitabel arbeiten kann.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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