Automobilbranche: Die deutschen Hersteller im Vergleich

Fünf Quartale ging es bei Daimler bergab. Doch jetzt gelang die Trendwende.

Im 3. Quartal stieg der Umsatz um 5% auf 30,1 Mrd € und der Gewinn um 62% auf 1,84 Mrd €. In der PKW-Sparte stiegen die Erlöse um 8% auf 16,5 Mrd €, das operative Ergebnis sogar um 23% auf 1,2 Mrd €.

Daimlers Absatz erreichte mit 595.000 Fahrzeugen einen neuen Rekordwert

Wachstumstreiber waren die neuen A- und B-Kompaktmodelle sowie die überarbeitete E-Klasse. Das Gesamtjahr will Daimler mit einem höheren Umsatz und einem bereinigten operativen Ergebnis von 7,5 Mrd € abschließen. Rund 4 Mrd € soll die PKW-Sparte beisteuern.

In der Prognose ist der Erlös aus dem Verkauf der EADS-Anteile nicht enthalten. Den Nettogewinn schätzen wir auf 6,1 Mrd €. Im kommenden Jahr soll dann die neue S-Klasse für einen kräftigen Umsatzschub sorgen. Diese ist zwar in Europa schon seit Juli erhältlich, in den wichtigen Absatzmärkten China und Nordamerika aber erst seit Ende September/Mitte Oktober.

Auch die LKW-Sparte dürfte sich angesichts der guten Auftragslage besser entwickeln als zuletzt. Mit dem laufenden Sparprogramm will Daimler zudem die Kosten bis Ende 2014 um mehr als 3 Mrd € senken.

Das ist auch dringend nötig. Denn bei der Profitabilität im PKW-Geschäft hinkt der Konzern der Konkurrenz aus Ingolstadt und München noch hinterher. Erste Erfolge sind bereits sichtbar: Im 3. Quartal verbesserte sich die operative Marge von 6,4 auf 7,3%. Audi und BMW kommen allerdings auf rund 10%.

Daimler ist auf dem richtigen Weg. Die Modellpalette ist attraktiver geworden, und die Kosten sinken.

Trotz der Rabattschlachten in Europa verdient BMW gut

Bei einem Umsatz auf Vorjahresniveau von 18,8 Mrd € stieg der Gewinn im 3. Quartal dank einer geringeren Steuerlast um 3,3% auf 1,32 Mrd €. Der Absatz kletterte um 10,7% auf den Rekordwert von 482.000 Fahrzeugen. Noch höhere Zuwächse gab es in Nordamerika und Asien. Selbst in Europa verkaufte der Konzern ein paar Autos mehr als vor einem Jahr.

Der Umsatz in der Autosparte stagnierte aber bei 17,2 Mrd €. Die operative Marge verringerte sich sogar von 9,6 auf 9%. BMW verkaufte mehr Kompaktwagen, die geringere Margen abwerfen.

Zudem investiert der Konzern viel Geld in die Entwicklung neuer Fahrzeugkonzepte und Antriebstechnologien, aber auch in den Ausbau der Produktionskapazitäten. In den ersten 9 Monaten stiegen die Forschungs- und Entwicklungskosten um 14% auf 3,2 Mrd €.

BMW investiert in Elektroautos

Besonders die Elektromobilität lässt sich BMW einiges kosten, was sich auf den ersten Blick auch zu rechnen scheint. Denn für den i3 liegen bereits 9.000 Vorbestellungen vor. Ob die Euphorie anhält, muss sich erst noch erweisen.

Die Preise für das Elektroauto beginnen immerhin bei 35.000 €. Für das Gesamtjahr stellte der Konzern unverändert ein Vorsteuerergebnis von 7,8 Mrd €, einen Fahrzeugabsatz auf Rekordniveau und eine operative Marge von 8 bis 10% in der Autosparte in Aussicht.

Die Quartalszahlen lagen über den Erwartungen des Marktes, der befürchtete Ergebniseinbruch blieb aus. Für einen Gewinnschub im kommenden Jahr würde ein Freihandelsabkommen mit den USA sorgen, weil BMW dann bei den Zöllen sparen würde.

Die Absatzkrise in Europa trifft VW kaum

Dank der anhaltend hohen Nachfrage in China stieg der Absatz in den ersten 9 Monaten um 3,8% auf 7,24 Mio Fahrzeuge und der Umsatz um 1% 145,6 Mrd €. Der Gewinn brach jedoch um zwei Drittel auf 6,7 Mrd € ein. Im Vorjahr beflügelte noch ein Sondereffekt im Zusammenhang mit der Porsche-Übernahme.

Bis auf Seat schrieben alle Marken schwarze Zahlen

Regional überzeugte China mit einem Ergebniszuwachs von 26% auf 3,53 Mrd €. Insgesamt aber ging das operative Ergebnis um 3,4% auf 8,56 Mrd € zurück. Ausgezeichnet lief es bei der Sportwagen-Tochter Porsche, die 1,9 Mrd € zum Ergebnis beitrug. Die Massenmarken VW, Audi und Skoda warfen dagegen angesichts des harten Wettbewerbs weniger Gewinn ab. Enttäuscht hat vor allem Audi.

Trotz höherer Absatzzahlen schrumpften der Umsatz um 1,9% und das operative Ergebnis um 10,8%. Die Marge liegt aber immer noch bei sehr guten 10,1%. Auf das Ergebnis gedrückt hat zudem die Umstellung der Produktion auf ein neues Baukastensystem, auf dem bereits fast alle Modelle basieren. Die Kostenvorteile werden ab 2014 sichtbar.

Mittelfristig will VW mit diesem System die Stückkosten um ein Fünftel senken. Ziel ist es, die operative Rendite im Fahrzeuggeschäft bis 2018 von aktuell 5,6 auf 8% zu verbessern. Der Nachteil: Im Fall einer Rückrufaktion könnten deutlich mehr Fahrzeuge betroffen sein. Im laufenden Jahr will der Konzern Umsatz und Absatz steigern und wie im Vorjahr ein operatives Ergebnis von 11,5 Mrd € erzielen.

Trotz der guten Kursentwicklung ist VW immer noch günstig bewertet.

29. November 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Volker Gelfarth. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt