Automobilbranche: Neues von der Shanghai Auto Show

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Auf der China International Auto Industry Exhibition in Shanghai werden die neuesten Automobil-Trends vorgestellt. (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

In den vergangenen Wochen hatte ich Ihnen hier im Schlussgong mehrfach über die Themen Elektromobilität und Wasserstoffantriebe berichtet. Heute möchte ich mich, während in Shanghai derzeit die dortige Auto Show läuft, noch einmal zu den jüngsten Entwicklungen und zu neuen Trends in der Automobilbranche äußern.

Zunächst ein Blick in den Rückspiegel: Während im globalen Automarkt im Jahr 2018 die Erlöse erneut anstiegen, waren Absatz und kumulierter Gewinn rückläufig. Dies stellte das Beratungsunternehmen Ernst & Young (EY) kürzlich in einer aktuellen Studie fest. Höhere Umsätze bei gleichzeitig niedrigeren Gewinnen bedeuten niedrigere Gewinnmargen. Diese Tendenz war auch bei den deutschen Autobauern zu sehen.

Globale Handelskonflikte, höhere Zölle, steigende Innovationsausgaben und Probleme bei der Umstellung auf das neue Abgasprüfverfahren WLTP führten im vergangenen Jahr zum Teil zu erheblichen Belastungen für die Automobilindustrie, erklärte Constantin Gall, Leiter des Bereichs Automotive & Transportation bei EY.

Es waren also einige externe Belastungen vorhanden. Daneben sorgte aber auch die strategische Ausrichtung (u.a. Investitionen in neue Antriebstechnologien) dafür, dass die Gewinnmargen deutscher Autobauer zuletzt schwächer ausfielen. So sind die Ausgaben für Forschung & Entwicklung (F&E) bei den deutschen Autobauern höher ausgefallen als bei der internationalen Konkurrenz.

Man kann den deutschen Autobauern im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz daher keinesfalls vorwerfen, zu wenig Geld in neue Technologien zu investieren bzw. investiert zu haben. Die höchsten F&E-Ausgaben tätigte übrigens VW mit 12,1 Mrd. Euro und die höchste Quote wies BMW mit 5,5% aus.

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China als Wachstumschance für deutsche Autobauer

Während der chinesische PKW-Markt insgesamt im zurückliegenden Jahr und auch im 1. Quartal 2019 schwächelte, machen sich die deutschen Autobauer um die weitere Entwicklung im wichtigsten Automarkt der Welt keine größeren Sorgen.

Im Gegenteil: Die deutschen Autobauer sehen sogar gute Chancen, ihre Marktanteile in China weiter auszubauen. Dabei können sie auf die anhaltend robuste Nachfrage im Segment Premiumfahrzeuge vertrauen, das sich von den konjunkturellen und handelspolitischen Faktoren relativ unbeeindruckt zeigt.

Insbesondere bei BMW laufen die China-Geschäfte mit einem Anstieg der Auslieferungen um zuletzt 10% überdurchschnittlich gut. BMW-Finanzchef Nicolas Peter sagte gegenüber der Börsen-Zeitung, dass BMW für das Jahr 2019 mit einer Steigerung der Verkäufe in China um 5 bis 10% rechne.

Hinzu kommt: Während sich einige ausländische Autobauer in China auf Rabattschlachten eingelassen haben, betont man bei BMW, dass die Margen gut gehalten werden konnten. Auch insgesamt stimmen die Margen bei BMW. Das Unternehmen lag im vergangenen Jahr beim Margenranking unter allen Autobauern weltweit auf dem 2. Platz.

Die anderen deutschen Premium-Autobauer VW, Audi und Daimler, wollen in diesem Jahr im Reich der Mitte ebenfalls weiter wachsen. Dabei sollen unter anderem die immer stärker nachgefragten Elektro-SUVs helfen. Unter dem Strich ist es damit um die deutschen Autobauer und Zulieferer meines Erachtens nach wie vor besser bestellt als ein Blick auf die Aktienkurse dieser Unternehmen vermuten ließe.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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