Automobilbranche: Unsicherheit als größter Belastungsfaktor

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Die Automobilindustrie in Deutschland litt zuletzt unter verschiedenen Belastungsfaktoren. Der größte Belastungsfaktor ist aber die Unsicherheit. (Foto: Semmick Photo / shutterstock.com)

Die für die deutsche Wirtschaft so wichtige Autoindustrie litt zuletzt unter verschiedenen Belastungsfaktoren. Da sind zum einen die Nachwehen des Diesel-Skandals und der neue Abgas-Prüfzyklus WLTP und zum anderen die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie die durch US-Präsident Donald Trump angedrohten Strafzölle in Richtung europäischer Autoexporte in die USA zu nennen.

Darüber hinaus steht ein harter Brexit (also ein Brexit ohne Austritts-Abkommen) im Raum und es belastet der technologische Wandel (die Autobauer müssen die Abhängigkeit von Verbrennungsmotoren reduzieren und vermehrt in neue Technologien investieren). Das unter dem Strich größte Problem der Autobauer ist aus meiner Sicht aber die Unsicherheit.

Und diese Unsicherheit ist auch der größte Belastungsfaktor für Aktien von europäischen Autobauern und ihrer Zulieferer. Weil die Börse nichts mehr hasst als Unsicherheit, sind die Aktien von Unternehmen, die eng mit der Autobranche verbunden sind, in den zurückliegenden Monaten deutlich unter die Räder gekommen. In sehr vielen Fällen auch deutlicher als der ohnehin schon schwache Gesamtmarkt.

Chinesische Zölle haben 2018 belastet

Die chinesischen Zölle auf Auto-Importe aus den USA haben bei BMW und Daimler im vergangenen Jahr zu Gewinnwarnungen geführt. BMW hat der Zollkrieg zwischen China und den USA im Jahr 2018 nach eigenen Angaben rund 300 Mio. Euro gekostet.

Die deutschen Premium-Autobauer bauen seit Jahren die lokale Produktion in der jeweiligen Absatzregion aus. Und doch schützt das BMW und Daimler derzeit nicht zu 100%. Denn die in China verkauften sportlichen Geländewagen (SUVs) von Daimler und BMW werden zu einem Großteil in den USA gebaut und unterliegen somit den chinesischen Importzöllen.

Möglicherweise wird die Produktion verlagert

Daher denken die Manager von BMW und Daimler jetzt auch darüber nach, die SUV-Produktion teilweise aus den USA nach China zu verlagern. Das würde genau das Gegenteil von dem bewirken, was US-Präsident Trump sich von dem Zollkrieg mit China verspricht. Denn eine Verlagerung der Produktion aus den USA nach China würde in den USA Tausende von Arbeitsplätzen vernichten.

Bisher sind es allerdings nur Gedankenspiele bei BMW und Daimler. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind die Produktionsnetzwerke nicht beliebig auf- und abbaubar. Zum anderen ist aktuell nicht absehbar, wie es in Sachen Strafzölle weitergeht. Aktuell sind die chinesischen Strafzölle auf Autos aus den USA ausgesetzt.

Ein weiterer Punkt: Wenn die deutschen Autobauer Investitionen in den USA streichen und dort Arbeitsplätze abbauen, könnte das dazu führen, dass Trump zum Gegenschlag ausholt und Autoimporte aus der EU in den USA mit Strafzöllen belegt. Das würde nach aktuellen Berechnungen das deutsche Bruttoinlandsprodukt mit 0,2% belasten.

Der US-amerikanische Automarkt und auch der chinesische Markt sind für deutsche Autobauer sehr wichtig. Daher ist es aus meiner Sicht besonders wichtig, dass die deutschen Autobauer es schaffen, alle Entscheidungsträger von den Vorteilen eines freien Handels zu überzeugen.

Ich sehe nicht nur Gewitterwolken

Ich gehe nach wie vor davon aus, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie den USA und der EU schlussendlich in einem Deal mündet und dass es keinen harten Brexit geben wird. Daher bin ich im Hinblick auf die Zukunft der deutschen Autoindustrie auch optimistischer als einige andere Beobachter.

Wenn Sie mittelfristig an eine weltweit schrumpfende Auto-Nachfrage glauben, sollten Sie Auto-Aktien meiden. Ansonsten ist meines Erachtens aktuell nicht der schlechteste Zeitpunkt, um dividendenstarke Auto-Aktien aus Käufersicht unter die Lupe zu nehmen. Denn es ist bereits nahezu alles denkbar schlechte eingepreist. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist also gut.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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