Autonomes Fahren – profitiert dieses Unternehmen?

Jedes moderne Auto steckt voller Kabel – Tendenz steigend. Leoni bringt vieles mit, um auch künftig erfolgreich zu sein. Doch reicht das? (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Trauen Sie sich noch selbst an den Motor Ihres PKW?

Selbst ausgebildete KFZ-Mechaniker, die seit vielen Jahren aus dem Beruf sind, lassen heute die Finger von ihren Autos und beschränken sich auf Ölstand, Scheibenreiniger und Kühlflüssigkeit.

Der Grund: In modernen Autos steckt immer mehr Elektronik. Fallen zentrale Steuerelemente aus oder sitzt ein Kabel locker, ist der Fahrspaß schnell getrübt.

Anders als noch vor einigen Jahrzehnten, als kleinere Probleme mit dem Verlust von Beschleunigung oder seltsamen Geräuschen einhergingen, heißt es bei Problemen mit der Bord-Elektronik heute schnell „nichts geht mehr“.

Verantwortlich für die Elektronik bei modernen PKW ist oft ein Zulieferer aus Deutschland. Leoni hat sich einen guten Namen gemacht. Doch hält die Aktie, was der Name verspricht?

Gute Auftragslage macht Lust auf mehr

Der international führende Lieferant von Drähten, Kabeln und kompletten Bordnetz-Systemen hat sich in den letzten 30 Jahren vom mittelständischen Betrieb zu einem global agierenden Konzern entwickelt.

Hauptabnehmer der Produkte sind die Auto-, Elektrogeräte-, Kommunikations- und Investitionsgüter-Industrie. Der lukrative Bereich Bordnetz-Systeme steht für rund 40% der Gesamt-Erlöse.

Schwankungen beim Kupferpreis, Kosten für die Restrukturierung und nicht zuletzt 40 Mio. €, die durch einen Betrug verloren gegangen sind, machten das Jahr 2016 für Leoni nicht einfach.

Am Ende stand ein operatives Ergebnis von 78,1 Mio. €. Das sind zwar knapp 70 Mio. € weniger als im Vorjahr, aber immer noch mehr, als die prognostizierten 65 Mio. €.

Der Umsatz blieb aufgrund von Kursschwankungen weitgehend stabil bei 4,43 Mrd. €. Der größte prozentuale Zuwachs gelang Leoni im Bereich der Elektromobilität:

In diesem Segment lag der Auftrags-Eingang bei 400 Mio. €. Im 1. Quartal 2017 ist Leoni in die Erfolgsspur zurückgekehrt.

Der Umsatz stieg um knapp 11%. Mehr als die Hälfte des Zuwachses erzielte Leoni aus eigener Kraft.

Die Grundlage dafür bildete die gute Auftragslage und die starke Nachfrage der weltweiten Fahrzeugindustrie. Unterm Strich hat sich der Gewinn nahezu verdreifacht.

Wachstumstreiber autonomes Fahren?

Leoni hat mit dem Bau des Kompetenz-Zentrums am Standort Roth begonnen. Dieser Schritt bedeutet neben der Ausweitung der Produktions-Kapazitäten auch eine Investition in die Zukunft.

Als Labor- und Entwicklungs-Zentrum für innovative Produkte sollen Tätigkeiten mit hoher Wertschöpfung ausgebaut und Arbeits- sowie Logistik-Abläufe optimiert werden.

So will Leoni etwa die Entwicklung und Fertigung von Datenleitungen für das autonome Fahren vorantreiben.

Im neuen Werk sollen jährlich 400.000 km Kabel produziert werden, darunter auch Glasfaserkabel für Telekommunikation sowie Ladeleitungen für Elektro-Fahrzeuge.

Zwar ist Leoni gut positioniert, doch ist die Aktie aktuell nicht mehr als Durchschnitt. Also: Finger weg!

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.