Autozulieferer im Umbruch

Was macht ein Unternehmen, das Autoherstellern bei Motoren und Fahrwerken unterstützt angesichts der Mobilitätswende? (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Unternehmen, die ihr Geld damit verdienen, Dinge zu vereinfachen und einen Mehrwert zu schaffen, haben meist gute Karten. Wenn eine Dienstleistung mehr bringt als sie kostet, schauen Kunden nicht so genau auf den Preis. Nach diesem Prinzip hat sich auch der Automobilzulieferer Bertrandt positioniert. Das Unternehmen will es den großen Autokonzernen leichter machen und so bares Geld sparen. Doch wie geht dieses Konzept in der heutigen Zeit auf?

Bertrandt bietet als Ingenieurdienstleister für Fahrzeug- und Verkehrssysteme der internationalen Autoindustrie umfassende und innovative Entwicklungslösungen in den Bereichen Karosserie, Innenraum, Fahrwerk, Motor und Aggregate bis hin zur Serienanlaufbetreuung an. Hierdurch werden die Entwicklungszeiten der Autoproduzenten erheblich verkürzt. Porsche ist mit einer Sperrminorität (25% + 1 Aktie) an Bertrandt beteiligt.

Autobauer und Zulieferer unter Zugzwang

In einem anspruchsvollen Marktumfeld konnte Bertrandt in den ersten 9 Monaten den Umsatz zwar leicht auf 734,8 Mio € steigern. Das operative Ergebnis und der Gewinn nach Steuern brachen jedoch um 36% bzw. um 33,5% ein. Mit einer Eigenkapitalquote von 47% gehört Bertrandt aber zu den substanzstärksten Unternehmen der Branche. Um sich für aktuelle und zukünftige technologische Anforderungen erfolgreich aufzustellen, setzte Bertrandt seine Investitionstätigkeit fort.

Die Anzahl der Beschäftigten nahm um 297 auf 12.996 zu. Alternative Antriebe sowie vernetztes und automatisiertes Fahren sind die Treiber für den Transformationsprozess in der Automobilindustrie. Sie befindet sich damit inmitten des größten Umbruchs ihrer Geschichte, wie auch der Verband der Automobilindustrie feststellte. Die Entwicklungen verlaufen überwiegend parallel, und Automobilhersteller wie auch Zulieferer müssen gleichzeitig wichtige erfolgskritische Entscheidungen treffen.

Bertrandt ist ein sehr gutes Unternehmen

In einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld ist auch der steigende Preisdruck deutlich zu spüren. Die wesentlichen Grundlagen für eine mittelfristig positive Geschäftsentwicklung sind vor dem Hintergrund der aktuellen Technologietrends bei Bertrandt intakt. Auf dieser Basis setzt das Unternehmen den Aus- und Aufbau seiner Kompetenzen und Infrastruktur fort und optimiert das Leistungsspektrum kundenorientiert. Bertrandt ist ein starkes Unternehmen mit Substanz.

Nutzen Sie das Timing

Neben der guten Zahlen, den erstklassigen Geschäftsaussichten und eine attraktiven Bewertung weist Bertrandt zudem noch ein einmaliges Timing auf. Seit dem Abgasskandal (2015) hat Bertrandt kräftig verloren. Diese Kursverluste wurden bis heute nicht aufgeholt. Der Markt hat die schützende Stellung der Automobilhersteller völlig verkannt.

Die Zahlen von Bertrandt sprechen dagegen eine ganz andere Sprache. Bertrandt hat im Zeitraum von 2013 bis 2016 seinen Gewinn Jahr für Jahr gesteigert. Der Abgasskandal taucht also nicht Mals in den Bilanzen auf. Doch so langsam dreht sich das Blatt. Am 25. August 2017 hat Aktienkurs seinen Tiefpunkt von 70 € pro Aktie erreicht. Seitdem kennt die Aktie nur eine Richtung: steil nach oben. Allein die Rendite im letzten Quartal betrug 40%!

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.