Avaya und Mitel: Übernahmegerüchte nehmen Fahrt auf

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Avaya: Spekulation ranken sich um Mega-Deal mit Wettbewerber Mitel. Investmentbank soll Verkaufsprozess aktiv begleiten. Offenbar stehen weitere Bieter in den Startlöchern. (Foto: jejim / shutterstock.com)

Spekulationen gibt es am Aktienmarkt zuhauf. Oftmals entpuppen sich die Gerüchte als heiße Luft. Doch immer wieder sickern vor großen Deals Neuigkeiten durch, die sich im Nachgang bewahrheiten. Jetzt hat das renommierte Wallstreet Journal von einer möglichen Milliarden Dollar schweren Fusion auf dem US-Telekommunikationsmarkt berichtet. Laut dem Finanzmagazin plant der Kommunikationsspezialist Mitel die Übernahme des Rivalen Avaya. Der Deal könnte eine neue Konsolidierungswelle im weitläufigen Kommunikationsmarkt in Gang setzen.

Mögliches Deal-Volumen von 2,4 Milliarden Dollar

Den Berichten zufolge könnten Mite und Searchlight Capital (Anm: Die Investorengruppe, die im April 2018 Mitel gekauft hat) für Avaya 20 bis 22 Dollar je Avaya-Aktie bieten. Damit läge der Unternehmenswert bei 2,4 Milliarden Dollar. Die Aktien des US-Konzerns zogen seit Ende März bereits kräftig an (+45%) und notieren inzwischen mit leicht über 19 Dollar knapp unter dem kolportierten Übernahmepreis.

Zusammenschluss könnte zeitnah kommen

Glaubt man den Zeitungsberichten, dann könnte die Übernahme bereits im Mai über die Bühne gehen. Dabei könnte es aber auch durchaus noch zu einem Bieterstreit um den Konzern kommen. Sie müssen wissen: Bereits vor einigen Wochen machten Gerüchte über weitere Interessenten die Runde. Damals handelte es sich bei den Spekulationen allerdings nicht um direkte Konkurrenten.

Mitel auf dem M&A Markt kein Unbekannter

Mit dem Deal würde Mitel seine Einkaufstour ungebremst fortsetzen. Seit Jahren setzt der UCC-Spezialist bereits auf Wachstum durch Zukäufe. So haben die Kanadier beispielsweise im Februar 2014 den Wettbewerber Aastra übernommen, im Oktober folgte dann die Umbenennung in Mitel. Wenige Monate vorher hatte Aastra noch den skandinavischen Cloud-Anbieter Telepo gekauft. Im April 2016 gab Mitel bekannt, das Unternehmen wolle für knapp zwei Milliarden Dollar Polycom kaufen, der Deal platzte allerdings. Im zweiten Anlauf hatte Mitel zudem im Sommer 2017 Shoretel übernommen.

Mitel ist ein UCC-Spezialist mit Hauptsitz in Kanada. Das komplette Lösungsangebot setzt sich aus Cloud-Diensten, Kommunikationsservern, Telefonanlagen, Telefonen und Applikationen zusammen.

Wettbewerbsbehörde dürfte Transaktion genau prüfen

Auch wenn es eine Offerte gibt, ist noch lange nicht klar, ob der Deal auch reibungslos durchläuft. Denn zusammen kommen beide Firmen auf einen nicht unerheblichen Marktanteil. Für Avaya würde der Zusammenschluss unruhige Zeiten beenden.

Anfang 2017 musste das Unternehmen in den USA nämlich einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 beantragen. Avaya hatte laut Medienberichten zu diesem Zeitpunkt Schulden in Höhe von 6 Milliarden Euro angehäuft. Nach der abgeschlossenen Restrukturierung feierte Netzwerk-Spezialist schließlich im Januar 2018 sein Comeback an der Börse. Seit dem Neustart konzentriert sich Avaya zunehmend auf Cloud-basierende Dienste.

Deal schafft neues Schwergewicht

Ein Zusammenschluss von Mitel und Avaya würde ein neues UC-(Unified Communication) Schwergewicht schaffen und für einigen Rückenwind im Wettbewerb sorgen. Gleichzeitig dürfte die Übernahme aber auch eine Herausforderung darstellen. Denn trotz aller Synergien gibt es in den Produktsortimenten beider Unternehmen zahlreiche Überschneidungen, die im Zuge einer Zusammenlegung einen langwierigen Integrationsprozess nach sich ziehen könnten.

Hohe Transaktionstätigkeit erwartet

Nicht nur Avaya hat mit schweren Zeiten zu kämpfen, der komplette UC- und Telekommunikationsmarkt ist von Umwälzungen betroffen, weil die IT immer stärker mit den Telekommunikationslösungen verschmilzt. So gab es in den letzten Jahren zahlreiche Deals. Bereits 2016 wurde Unify von Atos erworben, ein Jahr später ging Braodsoft an Cisco. Auch kleinere UC-Anbieter verschwanden vom Markt.

Für Avaya könnte der Deal nach schwierigen Jahren durchaus Vorteile bringen. Seit 2015 schmolzen bei Avaya die Umsätze von 4,08 auf 2,85 Milliarden Dollar zusammen. Seit nunmehr drei Jahren verharrt der US-Konzern in der Verlustzone. Zuletzt musste Avaya einen Fehlbetrag in Höhe von 168 Millionen Dollar ausweisen. Für den Käufer dürfte eine Übernahme aber vor dem Hintergrund der Geschäfts- und der Marktentwicklung kein Selbstläufer sein.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.