Bahnt sich ein Übernahmegefecht um Moncler an?

LVMH Symbolbild Louis Vitton Laden RED_shutterstock_197901746_TonyF3112

Bahnt sich ein Übernahmegefecht um Moncler an? Kering will sich möglicherweise den italienischen Daunenjackenhersteller einverleiben. (Foto: TonyF3112 / shutterstock.com)

Anleger können sich bald warm anziehen. Zumindest jene, die Aktien von Kering ihr Eigen nennen. Die französische Mutter der Luxusmodemarken Gucci, Bottega Veneta, Saint Laurent, Balenciaga und Brioni streckt nämlich ihre Fühler für eine Übernahme des italienischen Daunenjackenherstellers Moncler aus.

Mit 13 Milliarden Euro kein Schnäppchen

Das haben Ende der vergangenen Woche in bemerkenswerter Übereinstimmung mehrere Finanzinformationsdienstleister verlauten lassen. Legt man eine typischen Übernahmeprämie von 30 % an, würde die Transaktion ein Gesamtvolumen von etwa 13 Milliarden Euro erreichen. Die Aktien von Moncler – das Unternehmen ist trotz seines französisch klingenden Namens in Italien beheimatet –, zogen daraufhin bei hohen Börsenumsätzen deutlich an und beendete die Woche mit einem Plus von knapp 6% auf einem neuen Allzeithöchststand.

Was nicht allein auf das verlockende Übernahmeangebot zurückzuführen ist. Moncler hat sich in den vergangenen Jahren zu einem veritablen Bestseller entwickelt: Julianne Moore, Gwyneth Paltrow oder Bradley Cooper – vor allem Schauspieler zählen zu den Fans der Marke. Kein Wunder, dass Kering nun ein Auge auf die Italiener geworfen hat.

Doch nicht nur wegen der prominenten Befürworter der Marke wäre Moncler ein idealer Übernahmekandidat für Kering. Durch den Erwerb würde sich auch die Abhängigkeit des französischen Konzerns von Gucci deutlich verringern, das aktuell für mehr als 60% des Konzernumsatzes und rund 80% des Betriebsergebnisses im Konzern verantwortlich ist.

Seltenes Phänomen: Beide Aktien ziehen an

Dementsprechend war in der vergangenen Woche ein eher seltenes Phänomen zu beobachten: Auch die Aktie von Kering lag nach Aufkommen der Gerüchte im Plus. Wohl auch, weil die Wachstums-Story von Moncler noch lange nicht beendet ist. Nach der Übernahme könnten weitere Flagship-Stores, vor allem in China, eröffnet oder die Produktpalette von Daunenjacken und Strickwaren um Taschen und Accessoires erweitert werden. Auch die digitale Marketingkompetenz von Kering und der Fokus auf Nachhaltigkeit könnten für Moncler nützlich sein.

Kering kann sich die Übernahme leisten

Doch wie es sich für einen Luxushersteller ziemt: Moncler würde nicht billig sein. Bei einem um die geschätzten Nettoliquidität von 550 Millionen Euro bereinigten Kaufpreis würde Kering nicht weniger als das 20,5-fache des diesjährigen EBITDAs (Ergebnis vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern) bezahlen, ein Vielfaches von dem, was der französische Erzrivale LVMH kürzlich für die legendäre Schmuckmarke Tiffany geboten hat.

Leisten kann sich Kering, die hierzulande mit 16% am Sportartikelhersteller Puma beteiligt ist, die Übernahme allemal. Selbst wenn wir einen reinen Cash-Deal unterstellen, für den keine eigenen Aktien angeboten werden müssten, würde sich die Nettoverschuldung von Kering bezogen auf das EBITDA von 2,0 auf 2,4 erhöhen. Das ist nicht nur im Luxusgütersegment ein überschaubarer Wert.

Steht ein Übernahmepoker bevor?

Dass die Aktie von Moncler auf die Gerüchte gleich ansprang, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass es bei der letzten größeren Übernahme, an der Kering beteiligt war, zu einem wahren Bietergefecht kam. Damals ging es um Gucci, die sich sowohl Kering als auch der LVMH einverleiben wollten. Und wie es so ist am Kapitalmarkt: Plötzlich sehen die Spekulanten überall Übernahmekandidaten: So gewannen die Aktien der italienischen Modeanbieter Salvatore Ferragamo und Tod’s deutlich, und selbst die Aktien von Hugo Boss, die nur mit viel gutem Zureden als Luxusgüteranbieter eingestuft werden kann, konnten zulegen.

Auf den fahrenden Zug einzusteigen ist daher reine Spekulation. Anleger sollten sich die Lage eher von der Seitenlinie ansehen.

LVMH Symbolbild Louis Vitton Laden RED_shutterstock_197901746_TonyF3112

Tiffany: Milliardenübernahme droht zu platzenTiffany-Deal droht auf der Zielgerade zu scheitern: Edel-Juwelier will Übernahme gerichtlich erzwingen. Anleger fliehen aus der Aktie › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
thilo-hassler-experte
Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Peter Thilo Hasler. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz