Balda AG – Sonderdividende und Spannung vor den Zahlen

Die Spannung steigt, morgen Vormittag stellt die Balda AG ihre Quartalszahlen vor und legt offen, was sie nach der Umstellung des Geschäftsjahres (neu vom 01.07. bis 30.06.) in ihrem ersten Quartal 2013/2014 verdient hat. Nicht nur die Analysten erhoffen sich Aufschluss darüber, ob die hohen Erwartungen der Geschäftsleitung erfüllt werden konnten, oder ob die Gesellschaft weiter vor sich hindümpelt.

An der Zeit jedenfalls wäre es, dass das Unternehmen wieder einmal durch geschäftliche Erfolge glänzt anstatt wie in den vergangenen Monaten durch eine mediale Schlammschlacht, die der neue Großaktionär van Aubel angezettelt hatte und die den Vorstand und Teile des Aufsichts-rates ihre Jobs kostete.

Sonderausschüttung von 1,50 Euro lässt den Aktienkurs explodieren

Van Aubel, mit 30% größter Einzelaktionär des Unternehmens, ist es nach mehreren ver-geblichen Anläufen gelungen, seine Interessen zu wahren und den Vorstandsposten neu zu besetzen. Wie groß sein Einfluss ist, zeigt sich mit der jüngsten Unternehmensmeldung. Auf Beschluss der Hauptversammlung am 28. Januar kommenden Jahres sollen die Aktionäre der Ausschüttung einer Sonderdividende in Höhe von 1,50 € je Aktie zustimmen.

Die Börse ist verzückt und katapultierte den Kurse am Tag der Ankündigung um 19% nach oben. Bei stolzen 4,67 € notiert die Balda AG heute Morgen. Stolz deswegen, weil der derzeitige Aktienkurs und das ausgewiesene Unternehmensziel für 2013/2014 momentan nicht so recht zueinander passen wollen.

Denn auf Vorstandsseite geht man von einem Umsatz von max. 80 Mio. Euro aus, der ange-steuerte Gewinn soll bei max. 10%, als 8 Mio. Euro liegen. Unter Berücksichtigung der Zahl der ausgegeben 60 Mio. Aktien errechnet sich damit ein geplanter (!) Gewinn je Aktie von 13 Cent.

Zieht man jetzt vom aktuellen Kurs die Sonderdividende ab, verbleiben als Wert 3,17 €. Geteilt durch den geplanten Gewinn je Aktie ergibt sich somit ein theoretisches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 24,3!

KGV von 24, dennoch 100%ige Kurschance?

Heftig, oder? Und mit diesem KGV wird in mehr oder weniger bekannten Internetforen die Balda AG als 100%ige Gewinnchance herumgereicht, man sieht den Wert bei knapp unter 10,00 €!

Gut, die Optimisten unter den Balda-Jüngern wenden nun ein, dass das Unternehmen ja schließlich noch auf 270 Mio. Euro Barmittel sitzt. Doch erstens werden hiervon ja bereits 90 Mio. Euro in Form der Sonderdividende ausgeschüttet und zweitens kann man sicher sein, dass der neue Großaktionär auch für den verbleibenden Rest eine Verwendung im Sinne der Aktionäre finden wird. Ob dies dann auch im Interesse des Unternehmens liegt, ist eine andere Frage.

Doch ganz egal wie Morgen die Zahlen ausfallen werden und wie emotional und teilweise radikal die Diskussionen um den inneren Wert des Unternehmens geführt werden, es gibt ein Hilfsmittel, dass uns ganz emotionslos sagt, wie es um die künftige Kursentwicklung bei Balda bestellt ist. Logisch, wie soll es an dieser Stelle auch anders sein, wir schauen auf den Point&Figure-Chart der Balda AG.

Balda-Chart 18-12-2013

(anklicken zum Vergrößern)

Doch zum großen Erstaunen gibt es auch hier keine klar erkennbare Tendenz, so ohne weiteres lässt sich nicht herauslesen, ob Balda-Aktionäre ihre Aktien nun halten sollen oder ob man sogar noch einen Kauf in Erwägung ziehen sollte.

Denn, wir sehen zwar ein Point&Figure-Kaufsignal (fetter grüner Kreis) welches mit der letzten roten O-Säule sogar bestätigt wurde, doch sind Zweifel angebracht, ob der Chart im Falle der Balda AG wirklich so einfach interpretiert werden darf. Denn, auch das habe ich Ihnen im Chartbild einmal kenntlich gemacht, beim Aktienkurs geht es ständig auf und ab, ein Point&Figure-Kaufsignal wird nahezu umgehend von einem gegenläufigen Point&Figure-Verkaufssignal abgelöst, eine klare, übergeordnete Tendenz ist nicht erkennbar.

Was nötig ist, damit Gewissheit über den zukünftigen Trend herrscht, sehen Sie ebenfalls im Chart. Ein Aufwärtstrend würde sich erst mit dem Überwinden des Widerstandes (grüne waage-rechte Linie) bilden, wohingegen der Abwärtstrend mit Unterschreiten der Unterstützung (rote waagerechte Linie) eingeleitet werden würde.

Mein Fazit also: Sind Sie Aktienzocker und lieben das Risiko, können Sie gerne bei Balda mitspielen. Sie kennen nun die Risiken und wissen, dass mit einer einzigen Unternehmens-meldung ein Großteil ihres Einsatzes verloren sein kann.

Sind Sie kein Zocker, sondern ein besonnener Point&Figure-Trader, wissen Sie auch, was zu tun ist. Nämlich die Füße stillhalten und auf echte Signale warten, ob es nun Point&Figure-Kauf-signale oder Point&Figure-Verkaufssignale sind.

18. Dezember 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.

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