Bank-Aktien: Historisch niedrige Zinsen hemmen das Wachstum

Niedrige Zinsen belasten die Banken. Wegen der hohen Bedeutung der Zins-Einnahmen sind die deutschen Kredit-Institute besonders betroffen. (Foto: Slava2009 / shutterstock.com)

Neben den Anstrengungen, die neuen regulatorischen Vorgaben umzusetzen, sind die niedrigen Zinsen eine Belastung – nicht nur für Sparer und Anleger, sondern auch für die Banken.

Aufgrund der hohen Bedeutung der Zins-Einnahmen sind die deutschen Kredit-Institute von den niedrigen Zinsen besonders betroffen.

Beim Branchen-Primus Deutsche Bank ist der Zins-Überschuss um über 7% zurückgegangen. Bei der Commerzbank fiel der Rückgang um 11,4% sogar noch deutlicher aus.

Die sinkende Risiko-Aversion vieler Anleger hinterlässt auch Spuren bei den Provisions-Einnahmen.

Geringere Ertrags-Möglichkeiten auf der einen und regulierungsbedingt höhere Kosten auf der anderen Seite sind problematisch für die Geldinstitute.

Es ist also kein Wunder, dass die beiden deutschen Großbanken auch mit rückläufigen Provisions-Einnahmen zu kämpfen hatten.

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen

In einem schwierigen Marktumfeld trennt sich die Spreu vom Weizen:

Banken, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, ihre Kundenbasis stärken konnten und neue Märkte erschließen, trotzen dem schwierigen Branchen-Umfeld.

So wird das schwierige Marktumfeld oft zum Gradmesser für die Leistungen des Managements.

Alles richtig gemacht haben offensichtlich die Macher von JPM: Gegen den Trend steigerte die Bank kräftig den Zins-Überschuss.

Auch unterm Strich sah es hervorragend aus: Insgesamt hat das Institut rund 17% mehr verdient.

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Deutsche Bank: Die Rückkehr zur ProfitabiliitätDass Chefs sich für Verfehlungen ihrer Unternehmen entschuldigen, kommt vor. In erster Linie aber im asiatischen Raum. John Cryan, der Chef der Deutschen Bank, übernahm diese Tradition jetzt aus Anlass… › mehr lesen

Allein im Investment-Banking erwirtschaftete JPM einen Gewinn von 3,2 Mrd. $, rund 64% mehr als im Vorjahr.

Dabei profitierte das Geldhaus von seiner starken Position im M&A-Geschäft, also der Beratung bei Fusionen und Übernahmen.

Auch der Online-Broker comdirect hat ein gutes Ergebnis vorgelegt: Die Einnahmen lagen bei 90,1 Mio. € und damit 1,6% über dem Wert des Vorjahres-Quartals.

Geprägt waren die Einnahmen durch den Provisions-Überschuss, der den Vorjahreswert um 7,8% übertraf.

Die Bank profitierte davon, dass ihre Kunden wieder häufiger mit Wertpapieren handelten. Die comdirect entwickelt sich dynamisch weiter und hat den Erwerb von OnVista erfolgreich abgeschlossen.

Wells Fargo greift im Scheinkonten-Skandal hart durch

Mit weitreichenden Maßnahmen reagierte Wells Fargo auf den Scheinkonten-Skandal; die Vergütungs-Strukturen der Vertriebs-Mitarbeiter wurden inzwischen angepasst.

Auch vor dem Top-Management wurde nicht Halt gemacht; einige Manager wurden bereits entlassen.

Darüber hinaus hat Wells Fargo eine Abteilung für Ethik ins Leben gerufen, um die Integrität der Geschäfts-Prozesse sicherzustellen.

Die Maßnahmen zeigen, dass Wells Fargo bemüht ist den Skandal zu bewältigen.

Im Zahlenwerk der Bank hat der Skandal bislang keine nennenswerten Spuren hinterlassen.

Allerdings werden noch Rechtskosten auf das Unternehmen zukommen, deren Ausmaß sich noch nicht abschätzen lässt.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.