Bank Aktien im Höhenrausch – jetzt noch zuschlagen?

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Die Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank haben in den vergangenen Wochen kräftig zugelegt. Geht ihnen jetzt die Puste aus? (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Commerzbank und Deutsche Bank feiern in diesem Jahr beide ihr 150jähriges Bestehen, doch bei vielen Anlegern herrscht Katerstimmung statt Sektlaune.

Deutschlands größte Geldhäuser, über deren Zusammenschluss vor einem Jahr wieder einmal spekuliert worden war, sind nach wie vor beide eigenständig – und kämpfen weiterhin mit einer ganzen Reihe von Problemen.

Deutsche Bank: Sewing räumt auf

Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank, hat inzwischen angefangen durchzugreifen und das Institut auf seine Wurzeln zurückzubesinnen – mehr deutscher Mittelstand, weniger internationales Investmentbanking, so die Devise. Nach mehreren exzessiven und skandalträchtigen Jahren soll die Bank nun Vertrauen bei Kunden und Anlegern zurückgewinnen. Es ist ein Vorhaben, das schon länger theoretisch im Raum steht, an dem Sewings Vorgänger von Anshu Jain über Jürgen Fitschen bis hin zu John Cryan jedoch allesamt gescheitert sind.

Sewing räumt auf, was frühere Chefs hinterlassen haben, und agiert dabei durchaus erfolgreich. Nach Jahren des Niedergangs hat die Deutsche Bank Aktie – in jüngerer Vergangenheit als einer der größten Kapitalvernichter im Dax verschrien – inzwischen wieder Fahrt aufgenommen. Innerhalb von nur drei Monaten hat sie um mehr als 50 Prozentpunkte zugelegt und notierte zuletzt wieder oberhalb von 10 Euro.

Trotz Gewinneinbruch: Commerzbank Aktie legt zu

Etwas anders gelagert sind die Probleme der Commerzbank. Sie kämpft weiterhin darum, auf der einen Seite ihre Altlasten abzuschütteln und auf der anderen Seite für die Zukunft agiler aufgestellt zu sein. Mehr Digitalisierung, mehr Onlinebanking, weniger Filialen und weniger Arbeitsplätze lautet hier das Credo.

Bis 2023 sollen weitere 2.300 Vollzeitstellen wegfallen. Doch der Personalabbau kostet. Das schlägt sich auch in der Bilanz für 2019 nieder, die das Unternehmen in dieser Woche vorgelegt hat. Demnach verzeichnete die Commerzbank im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch um ein Viertel auf nur noch 644 Millionen Euro.

Die Commerzbank Aktie konnte dennoch kräftig zulegen, denn Analysten hatten mit einem noch schlechteren Ergebnis gerechnet. Zudem konnte das Tagesgeschäft die Erwartungen übertreffen: Sowohl die Anzahl der Kunden als auch der operative Gewinn verzeichneten Zuwächse. Dass die Dividende je Aktie von 20 Cent im Vorjahr auf 15 Cent zurückgeht, erscheint vielen angesichts der Perspektiven verkraftbar. Die im vergangenen Herbst in den MDax abgestiegene Commerzbank Aktie verzeichnete in den letzten 3 Monaten ein Plus von immerhin rund 20 Prozent.

Analysten warnen: Kaum Luft nach oben

Sowohl für die Deutsche Bank wie auch für die Commerzbank kann also festgehalten werden: Die Probleme sind noch längst nicht ausgestanden und werden auch weiterhin Kosten verursachen. Dennoch befinden sich beide Geldhäuser in ihrem jeweiligen Jubiläumsjahr auf einem guten Kurs in eine hoffentlich bessere Zukunft.

Dennoch sollten Anleger Vorsicht walten lassen: Mit ihren jüngsten Höhenflügen haben die Aktien beider Banken die durchschnittlichen Kursziele der Analysten bereits überschritten, die zudem mit großer Mehrheit zum Halten oder zum Verkauf der Papiere raten. Gewinnmitnahmen scheinen in nächster Zeit wahrscheinlich, auf einen weiteren Anstieg im Tempo der vergangenen Wochen sollte man sich nicht unbedingt verlassen.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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