Banken-Krise: Last fauler Kredite reißt italienische Banken hinunter

Momentan dominieren in den Wirtschafts-Nachrichten optimistische Einschätzungen. Das Drama um die italienischen Banken aber wird ignoriert. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Neben dem politischen Chaos in Berlin stehen aktuell fast nur positive Daten zur wirtschaftlichen Lage auf der Agenda.

Es ist schon bezeichnend, dass die Banken-Krise, die ja keinesfalls beendet und gelöst ist, nur noch als Randnotiz erwähnt wird.

Drama in Italien

Und da wären wir wieder beim nach wie vor desaströs schlechten Zustand der Banken in Italien: Hier ist die Lage weiterhin extrem angespannt, ja: prekär.

Sie erinnern sich vielleicht, dass nicht vor allzu langer Zeit die älteste Bank der Welt, die Monte dei Paschi die Siena, vom italienischen Staat gerettet werden musste.

In diesen Spätherbst-Tagen geht es nun um die neuntgrößte Bank des Landes, die vor dem Zusammenbruch gerettet werden muss.

Faule Kredite im Fokus

Konkret geht es um die altehrwürdige Banca Carige, die 1483 gegründet wurde. Die Bank betreibt 600 Filialen und betreut sage und schreibe 1 Mio. Kunden.

Schockierend hoch ist allerdings die Lasten der faulen Kredite, die sich im Kreditbuch der Bank aus Genua angehäuft haben.

Hier reden wir über eine gigantische Verlust-Summe von 3 Mrd. €, die seit dem Jahr 2013 aufgelaufen ist.

Wenig verwunderlich, dass die Bank mit einer extremen Kapital-Erhöhung und einer Finanzspritze der Anleihen-Besitzer insges. 560 Mio. € einwerben muss, um nicht von der Bildfläche zu verschwinden.

In der Praxis heißt das, dass die Anteilseigner, die Aktionäre der Bank, durch die anstehende Mega-Kapital-Erhöhung gnadenlos kalt enteignet werden.

Die Aktionäre müssen nun bis zum 6.12.2017 neue Aktien im Gesamtwert von 500 Mio. € zeichnen – wohlgemerkt: Wir reden hier von einem Ausgabekurs der neuen Aktien von 1 Cent pro Aktie.

Dramatischer Kurssturz

Ja, Sie lesen richtig: Die Aktie der Banca Carige ist auf ein Niveau von nur noch 1 Cent verkommen.

Anders formuliert: Die Aktionäre haben ihren Kapital-Einsatz aufgrund des extremen Kursrückgangs schon fast komplett verloren.

Es wird spannend, ob insbesondere die vielen Kleinaktionäre der Bank weiteres frisches Geld zuschießen.

Immerhin hat sich ein internationales Banken-Konsortium aus der Deutschen Bank, Barclays und Credit Suisse dazu verpflichtet, die nicht platzierbaren neuen Aktien zu kaufen.

Womöglich ist das auch nicht die letzte Finanzspritze, welche die Bank braucht.

Im offiziellen Prospekt zur Kapital-Erhöhung räumt die Bank selbst ein, dass die Betriebsmittel nicht ausreichten, um den Bedarf für die nächsten 12 Monaten zu decken.

Zudem sei nicht ausgeschlossen, dass die EZB eine weitere Stärkung des Kapital-Polsters fordert.

Ja, liebe Leser: Das dramatische Beispiel der Banca Carige zeigt leider sehr klar auf, dass die Banken-Krise in Europa auch im Jahr 2017 im Hintergrund weiterschwelt und nicht gelöst ist.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.