Bankenpleite möglich: Kaufen Sie keine Optionsscheine, Zertifikate etc

„Das Wort Investmentbanker ist nur ein Synonym für den Typus Finanzmanager, der uns alle, fast die ganze Welt, in die Scheiße geritten hat und jetzt schon wieder dabei ist, alles wieder genauso zu machen, wie er es bis zum Jahre 2007 gemacht hat.“

Ich würde diese Sprache nicht wählen, wenn es nicht ein Zitat aus renommiertem Munde wäre. Dieses Zitat, das ich hier erstmals erwähnt habe, stammt von Altbundeskanzler Helmut Schmidt.

Die „Sch….“ eskaliert

Im Jahr 2008 verzockte Jérôme Kerviel von der französischen Großbank Société Générale rund 5 Milliarden Euro. Das ist die Bank, die jetzt wieder in die Kritik geraten ist, weil sie „Notverkäufe plant, um ihre Kapitalbasis stärken“.

Eindrucksvoller, im negativen Sinne, konnte die Bank nicht darlegen, dass Sie aus der „Sch….“ (Zitat Helmut Schmidt) nicht gelernt hat.

2008 war dann auch das Jahr, in dem die Bankenkrise eskalierte und die US-Investmentbank Lehman Brothers insolvent wurde.

Die „Sch….“ geht weiter

Jetzt, nur 3 Jahre danach, zeigt sich, dass wohl fast die ganze Branche, „die fast die ganze Welt, in die Scheiße geritten hat“, nichts gelernt hat. Dieses Mal hat es die Schweizer Großbank UBS erwischt.

Dort hat ein junger Angestellter (es wird gesagt er sei 31 Jahre alt) mal eben 2 Milliarden USD verballert.

Komplettes Versagen bei Banken und Politik

2 Fragen:

1. Was ist das für ein lasches Risikomanagement bei Banken, die nichts, aber auch gar nichts aus den Vorgängen (ab hier spare ich es mir, den Altbundeskanzler zu zitieren, sonst trieft dieser Kommentar nur so von der „…….“) des Jahres 2008 gelernt haben?

2. Was waren das für alberne Stresstests der Banken, die uns beruhigen sollten? Die habe ich mehrfach kritisiert, letztmalig hier: „ Stresstest der Banken dient als Beruhigungspille fürs Volk“

Hier haben Banken und Politik in schöner Eintracht auf der ganzen Linie versagt.

Société Générale und USB: Welche Bank ist die nächste?

Derzeit zeigen die Société Générale und die UBS eindrucksvoll, dass sie nichts gelernt haben.

Preisfrage: „Welche Bank ist die nächste?“

Und mehr noch:

„Erwischt es wieder eine Bank so heftig, dass sie in die Pleite rutscht, so wie seinerzeit Lehman Brothers?“ Ausschließen lässt sich das nicht.

Es wird lasch kontrolliert – Wird auch kaschiert?

Dass schwach kontrolliert wird, ist ohne Zweifel gegeben. Bleibt die Frage: Hat wirklich niemand von den Vorgängen gewusst? Das wurde schon im Jahr 2008 in der Affäre des Jérôme Kerviel von der französischen Großbank Société Générale gefragt.

War es wirklich nur jeweils eine einzelne Person, die jeweils für das Desaster verantwortlich war? Ich wüsste garnicht, welche der beiden Antworten mich mehr schreckt:

1. Ja, ein einzelner Bankmitarbeiter kann „mal eben“ mehrere Milliarden verzocken. (Glaub ich eher nicht.)

2. Ja, es gab Vorgesetzte bei Banken, die informiert waren und kaschiert haben. (Meine Vermutung.)

Banken zocken unkontrolliert: Optionsscheine, Zertifikate etc. sind tabu

Meine Empfehlung: Vertrauen Sie einem Institut, das derart katastrophal arbeitet, nicht einen Euro mehr an als unbedingt nötig. Das gilt ganz besonders für alle Papiere, die Banken als Emittenten herausgeben.

Das sind z.B. Zertifikate, Bonus-Zertifikate, Waves, Optionsscheine, K.o.-Scheine und CFDs. Mit diesen Papieren spielen Sie Roulette.

Haben Sie diese Papiere im Depot und die emittierende Bank wird insolvent, ist Ihr Geld weg – Punkt, Ende, Aus.

Es geht um den Emittenten. Das bedeutet: Auch wenn Sie Ihr Depot bei einer sicheren Sparkasse oder Genossenschaftsbank haben, gilt:

Papiere, die von Emittenten herausgegeben wurden und in Ihrem Depot liegen, sind wertlos, wenn der Emittent (nicht die Depot führende Bank) insolvent wird.

Optionsscheine, Zertifikate: Ein Roulette-Spiel

Fragen: Welche Bank ist die nächste, die sich verzockt hat? Kippt diese Bank in die Insolvenz?

Wenn Sie mit Zertifikaten, Bonus-Zertifikaten, Waves, Optionsscheinen, K.o.-Scheinen, CFDs etc. handeln, spielen Sie Roulette. Trifft es die Bank, mit deren Papiere Sie handeln, ist Ihr Geld weg. Ihnen bleibt dann nur noch, Altbundeskanzler Helmut Schmidt zu zitieren.

Einfache Lösung: Optionen statt Emittenten-Papiere

Es geht auf und ab an den Märkten. Ist doch prima. Bewegung ist gut für Hebelprodukte, die nach oben und unten profitieren können. Machen Sie mit. Bleiben Sie am Ball.

Mein dringender Rat: Wechseln Sie auf jeden Fall von dem Roulette-Spiel mit Emittenten-Papieren zu Optionen. Optionen haben keine Emittenten. Das Totalausfallrisiko durch Insolvenz eines Emittenten ist nicht vorhanden.

Zum guten Schluss: Heute vor 121 Jahren, also am 16.09.1890, kam in Prag der Schauspieler Ernst Deutsch zur Welt. Er sagte:

„Wer vom Glück immer nur träumt, darf sich nicht wundern, wenn er es verschläft.“

Für uns Börsianer lässt sich das gut anpassen:

„Wer von Gewinnen nur träumt, aber nie handelt, darf sich nicht wundern, wenn er keine Gewinne erzielt.“

Ich wünsche Ihnen Gewinne an der Börse

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

16. September 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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