Bargeld bleibt geprägte Freiheit

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In einer immer schneller digitaler werdenden Welt wird der Ruf nach der Abschaffung des Bargelds immer lauter. Noch regt sich hier aber massiver Widerstand. (Foto: Romolo Tavani / Shutterstock.com)

Weltweit wächst seit Jahren der Druck auf Politik und Notenbanken, das Bargeld in einer immer digitaler werdenden Welt abzuschaffen. In deutschen Landen macht sich ja hier speziell der Wirtschaftsweise Prof. Bofinger von der Universität Würzburg für die Abschaffung des Bargelds stark.

Bei den heutigen technischen Möglichkeiten seien Münzen und Geldscheine laut Bofinger ein Anachronismus. Würden diese wegfallen, könnten die Märkte für Schwarzarbeit und Drogen ausgetrocknet werden. Als weiteres Top-Argument nennt Bofinger, dass ohne Bargeld es die Notenbanker einfacher hätten, ihre Geldpolitik – Stichwort Negativzins – durchzusetzen.

Bundesbankvorstand gegen Abschaffung des Bargelds

Jüngst fand ja in Frankfurt am Main das vierte Bargeldsymposium der Deutschen Bundesbank statt. Und kein anderer als das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Carl-Ludwig Thiele, sprach sich auf der Veranstaltung klar gegen eine Abschaffung des Bargelds aus. Herr Thiele meinte, dass eine Abschaffung hohe Risiken bergen würde. Jedenfalls würden die Nachteile die Vorteile bei weitem überwiegen. Wörtlich merkte er an: „Ich bin felsenfest überzeugt davon: Bargeld wird auch in Zukunft seine Gültigkeit behalten.“

Deutsche zahlen weiter vorwiegend bar

Ferner betonte Herr Thiele auf dem Symposium, dass Bargeld in deutschen Landen weiterhin das meistgenutzte Zahlungsmittel sei. Der jüngsten Studie der Bundesbank zum Zahlungsverhalten in Deutschland zufolge zahlen die Verbraucher rund 74 Prozent ihrer Einkäufe bar. Fakt sei aber auch, dass bargeldlose Zahlungsmittel weiter an Bedeutung gewinnen; insbesondere bei größeren Beträgen ab 50 Euro.

Ja, liebe Leser, am Ende ist Bargeld ein Stück geprägte Freiheit. Höchst interessant ist auch, was die EU-Wettbewerbskommissarin, Margrethe Vestager, jüngst mit Blick auf die enormen Risiken der Digitalisierung gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte. Die Dänin sagte in dem Kontext wortwörtlich: „Überall, wo Du nicht mit Bargeld bezahlst, bezahlst Du auch mit Daten“, erklärte die EU-Kommissarin. Der Verbraucher werde auf diese Weise selbst Teil eines Produkts und seine Daten zu einer Ware, die weiterverkauft würden.

Last but not least darf an der Stelle nicht unerwähnt bleiben, welche Rolle Bargeld in einer extremen Krise hat. Auf dem Bargeldsymposium war es kein anderer als das EZB-Ratsmitglied Mersh, der die extrem wichtige Rolle des Euro-Bargelds in der extremen Krisenzeit in Griechenland betonte. Ohne Bargeld wäre es der Volkswirtschaft noch deutlich schlechter ergangen. Daher kann nicht oft genug betont und empfohlen werden, eine vernünftige Summe an Bargeld für den Krisenfall ständig griffbereit zu haben. Sicher ist sicher.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.