Barnes & Noble prüft Übernahme-Interesse

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Barnes & Noble ist in das Visier von Private Equity-Käufer geraten. Ein Deal scheint nah und die Auszahlung könnte üppig ausfallen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die angeschlagene US-amerikanische Buchhandelskette Barnes & Noble hat Übernahme-Interesse auf sich gezogen. Das Unternehmen teilte mit, dass „von verschiedenen Seiten Angebote zum Kauf des Buchhändlers eingegangen sei“ – unter anderem vom Unternehmensboss Leonard Riggio.

Damit es nicht zu einem Interessenskonflikt kommt, hat Barnes & Noble ein unabhängiges Komitee gegründet, dass jetzt das beste Ergebnis für das Unternehmen und die Aktionäre erzielen soll. CEO Riggio teilte mit, dass er das Ergebnis des Komitees unabhängig vom Ausgang unterstützen wird und seine Aktien abgeben würde, falls es zu einem Verkauf an einen Übernahme-Interessenten kommt.

Online-Zeitalter löst Pleitewelle unter den Buchhändlern aus: Geschäfte für Barnes &Noble werden schwierig bleiben

Barnes & Noble ist die größte US-amerikanische Buchhandelskette und inzwischen auch die Älteste. Viele Konkurrenten mussten in den vergangenen Jahren aufgrund des Internets die Segel streichen. Ebooks statt Bücher und Online-Nachrichten statt Zeitung sorgten für Kundenschwund.

Das Unternehmen hielt sich zwar in den vergangenen Jahren trotz rückläufiger Umsätze dank guter Kostenkontrolle mit einem kleinen Gewinn über Wasser und hat auch eine gute Bilanzstruktur, doch das Geschäftsjahr 2017/2018 musste dennoch mit einem satten Verlust beendet werden.

Besserung ist auch nicht wirklich in Sicht. Nachdem Barnes & Noble in den vergangenen 4 Quartalen die Markterwartungen nicht erreichen konnte, hinterfragen Analysten auch die weiter reduzierten Erwartungen an das laufende Quartal.

Wie es im kommenden Jahr weitergeht, ist schwierig abzuschätzen, doch die Umsatzentwicklung dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter nach unten zeigen und ein operativer Turnaround erscheint weit weg. 

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Günstige Bewertung mach Unternehmen zum erstklassigen Kandidaten für schuldenfinanzierten Deal

Finanzinvestoren sind offenbar dennoch der Ansicht, dass bei Barnes & Noble etwas zu holen ist. Ohne zu wissen, welchen Plan die potenziellen Käufer hegen, ist ein schuldenfinanzierter Deal mit Blick auf die hohen Kassenzuflüsse bei der aktuellen Bewertung nicht verwunderlich.

Nach einer steilen Talfahrt der Aktie wurde das Unternehmen bei einem Cashflow von 175 Mio. Dollar und einem Umsatz von 3,6 Mrd. Dollar an der Börse zuletzt nur noch mit gut 400 Mio. Dollar bewertet. Es wundert also nicht, dass hier noch Potenzial gesehen wird – auch wenn der hohe Risikoabschlag der Aktie auch zeigt, dass der Markt für die weitere Barnes & Noble-Zukunft nicht sehr optimistisch ist.

High Risk/High Reward-Situation bei Barnes &Noble nichts für konservative Anleger

Ob es einen Deal gibt ist ungewiss. Als die Buchhandelskette im Vorjahr mit Übernahme-Interesse konfrontiert wurde, entschied man sich noch für einen Alleingang. Kommt es nicht zu einem Deal, dürfte die Aktie die 20% Kursgewinn der vergangenen Tage schnell wieder abgeben.

Dieses Mal könnte es jedoch eine Übernahme geben, denn Versuche zur Geschäftsstabilisierung brachten in den vergangenen 12 Monaten nicht den gewünschten Erfolg und die Investoren sind zunehmend ungeduldig.

Unter Wert wird sich Barnes & Noble dann jedoch nicht verkaufen. Und um das sicher ausschließen zu können, hat das Management die Giftpille gezückt (shareholder rights plan). Ein akzeptabler Preis dürfte dabei trotz des ersten Kurssprungs von 20% mindestens noch einmal 20% höher liegen. Risikobewusste Leser sollten einen genaueren Blick auf die Situation werfen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.