Barrick Gold: Kooperation mit Newmont statt feindlicher Übernahme

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Aus Feinden werden Freunde: Barrick und Newmont gehen zwar auf Konzernebene weiterhin getrennte Wege, doch zumindest in Nevada kreuzen sich die Wege. (Foto: Billion Photos / Shutterstock.com)

Im Übernahme-Poker zwischen Barrick Gold und Newmont Mining gibt es eine Kehrtwende um 180 Grad: Barrick Gold zieht sein feindliches Übernahmeangebot zurück und gründet stattdessen mit Newmont in Nevada ein neues Gemeinschaftsunternehmen.

Erst vor zwei Wochen hatte der kanadische Goldminenbetreiber Barrick Gold den Aktionären des schärfsten Konkurrenten auf dem Goldmarkt – der amerikanischen Newmont Mining Corporation – ein Übernahmeangebot unterbreitet.

Dieses Angebot wäre aber für die Newmont-Aktionäre nach Auffassung des Managements ein schlechtes Geschäft gewesen. Denn anstatt des üblichen Übernahmeaufschlag beinhaltete die Barrick-Offerte einen 8-prozentigem Abschlag zum damaligen Börsenkurs.

Die Überlegung: Da das Angebot zu großen Teilen in Barrick Gold-Aktien gezahlt worden wäre, würden die Newmont-Aktionäre aufgrund der höheren Profitabilität über steigende Aktienkurse des neuen Konzerns profitieren.

Absage mit Hintertürchen von Newmont

In einem ersten Statement bezeichnete Newmont-CEO Gary Goldberg das Übernahmeangebot jedoch als sinnlos. Vor einer Woche folgte dann auch die offizielle Absage: Newmont machte deutlich, dass es wertsteigernder ist, wenn der eigene Unternehmensplan, der auf eine Übernahme des kleineren Rivalen Goldcorp beruht,  festgehalten wird.

“Unsere gründliche Überprüfung des unaufgeforderten Vorschlags von Barrick und den damit verbundenen Risiken hat unsere Schlussfolgerung bestätigt, dass die Kombination von Newmont und Goldcorp die beste Lösung für die Aktionäre von Newmont ist”, so Newmont-CEO Goldberg.

Auch wenn Newmont damit der Barrick-Offerte eine deutliche Absage erteilte, beinhaltete das Ablehnungsschreiben doch ein Hintertürchen, wie die beiden Unternehmen zumindest teilweise einen gemeinsamen Weg gehen könnten.

Denn im gleichen Schreiben bot Newmont Barrick eine Zusammenarbeit in Nevada an: „Die Aktivitäten beider Unternehmen in Nevada könnten zu einem Joint-Venture fusionieren, an dem Barrick mit 55 und Newmont mit 45 Prozent beteiligt sein sollten“.

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Joint-Venture statt Übernahme

Gestern erklärte Barrick schließlich, dass es das Übernahmeangebot zurückziehe und dass beide Firmen vereinbart haben, einen Großteil ihrer Minen in Nevada zu einem Joint-Venture zusammen zu schließen.

Barrick wird einen Anteil von 61,5 und Newmont 38.5 Prozent an diesem neuen Gemeinschaftsunternehmen besitzen. Nach Schätzung beider Unternehmen wird das Joint Venture in den ersten fünf Jahren circa 500 Millionen US-Dollar an jährlichen Vorsteuersynergien einsparen.

Über einen Zeitraum von 20 Jahren sollen sich die Synergien auf insgesamt 5 Milliarden US-Dollar summieren. Das Joint Venture in Nevada wird mit einer Fördermenge von vier Millionen Unzen im Jahr der weltweit größte Einzelgoldproduzent sein. Auch die in den Minen des Joint-Ventures geschätzten Goldreserven von mindestens 48 Millionen Unzen sind enorm.

Ende gut, alles gut

Der Übernahmekampf zwischen Barrick und Newmont zeigt, dass feindliche Übernahmeversuche häufig zu einem guten Ende für beide Parteien führen. Zunächst wird ein Übernahmeangebot als unzureichend abgelehnt und nach einer Nachbesserung oder wie hier – einem interessanten Gegenangebot – kommt es dann doch zu einer zufriedenstellenden Einigung.

So verkündeten Mark Bristow (CEO von Barrick) und Gary Goldberg (CEO von Newmont) unisono, dass das vereinbarte Joint-Venture „der beste, innovativste und effektivste Weg“ für beide Unternehmen und deren Aktionäre sei.

Dass im Hintergrund auch andere Faktoren eine wichtige Rolle für die gütliche Einigung gespielt haben, wird von den Firmen allerdings nicht erwähnt. So sind Zusammenschlüsse im Goldbergbau aufgrund des enormen Kostendrucks an der Tagesordnung.

Gerade in Nevada gab es schon seit mehr als 20 Jahren immer wieder Kooperationsansätze zwischen Barrick und Newmont, die aber nie realisiert wurden. Aber auch Großinvestoren, wie z.B. van Eck Global und Flossbach von Storch, haben Druck auf die Minenunternehmen ausgeübt, in dem sie sich öffentlich für das Joint-Venture in Nevada ausgesprochen hatten.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.