Barry Callebaut-Aktie: Schokoladengigant schlägt in Russland zu

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Barry Callebaut: Schokoladengigant schlägt in Russland zu. Deal stärkt Präsenz im zweitgrößten Schokoladenmarkt der Welt (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Die Übernahmewelle rollt ungebremst weiter. Jetzt hat der Schokoladenriese Barry Callebaut aus der Schweiz in Russland zugeschlagen. Kein Wunder, ist Russland doch der zweitgrößte Absatzmarkt für Schokolade weltweit. Mit dem Deal soll die Präsenz in Russland deutlich ausgebaut werden.

Barry Callebaut im Portrait

Bevor ich auf die jüngste Übernahme eingehe, möchte ich Ihnen den Schweizer Konzern noch näher vorstellen. Denn vielen in Deutschland ist das Unternehmen überhaupt kein Begriff. Dabei ist Barry Callebaut mit seinen rund 11.000 Mitarbeitern einer der größten Schokoladenhersteller der Welt.

Das Unternehmen stellt Schokolade, Kakaoprodukte, Füllungen, Glasuren und Dekorationen her. Die 55 Produktionsstätten liegen in Europa, Afrika, Amerika und Asien in insgesamt 34 Ländern. Zu den bekanntesten Marken des Konzerns gehören Callebaut, Cacao Barry und Carma.

Das Unternehmen beliefert die gesamte Lebensmittelbranche – von industriellen Nahrungsmittelherstellern über gewerbliche Anwender von Schokolade wie Chocolatiers, Confiseure oder Bäcker bis hin zu den internationalen Einzelhandelskonzernen. Barry Callebaut bietet auch umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Produktentwicklung, Verarbeitung, Schulung und Marketing an.

Höchste Gewinnmarge seit fünf Jahren

Mit seinen Schokoladenprodukten gingen bei Barry Callebaut im zurückliegenden Geschäftsjahr immerhin 6,8 Milliarden Schweizer Franken an Umsatz durch die Bücher. Dabei blieb unter dem Strich ein Gewinn von 302 Millionen Schweizer Franken hängen. Das entspricht einer Gewinnspanne von 4,44% und war damit das höchste Niveau seit 2013.

Russland ist ein Riesenmarkt

Jetzt haben die Schweizer ihre Fühler nach Russland ausgestreckt und werden sich dort mit der Übernahme von Inforum verstärken. Sie müssen wissen: Barry Callebaut ist seit Ende der 1990er-Jahre in Russland tätig, zunächst allerdings nur als Importeur. Seit 2007 betreibt der Konzern eine Schokoladenfabrik im 60 Kilometer von Moskau entfernten Tschechow. In Moskau hat Barry Callebaut zudem ein Ausbildungszentrum für gewerbliche Anwender. Insgesamt arbeiten in Russland momentan rund 80 Mitarbeitende für den Schokoladenhersteller.

Mit dem Zukauf wollen die Schweizer ihre Präsenz und die Produktionskapazitäten in Russland ausbauen. Das könnte sich lohnen: Russland ist  gemessen am Volumen der weltweit zweitgrößte Markt für Schokolade. Die Russen essen gemäß der Analyse von Euromonitor jährlich 4,8 Kilogramm Schokolade. Zugleich liegt das Wachstum deutlich über dem globalen Wachstum.

Mehr als 300 Mitarbeiter wechseln zu Barry Callebaut

Das Objekt der Begierde, Inforum, feiert nächstes Jahr 30-jähriges Firmenjubiläum. Das russische Unternehmen produziert mit mehr als 300 Mitarbeiter vor allem Schokolade, Füllungen und Glasuren und beliefert damit zahlreiche bekannte Konsumentenmarken. Der Jahresumsatz liegt bei umgerechnet etwa 86 Millionen Schweizer Franken. Über den Kaufpreis der Firma wurde allerdings Stillschweigen vereinbart.

Mittelfristziele bestätigt – Schwellenländer sorgen für Rückenwind

Zuletzt konnte der Züricher Konzern seine Verkaufsmenge weiter steigern. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres legte das Verkaufsvolumen auf Grund der starken Nachfrage aus den Schwellenländern um immerhin 6,9% zu. Allerdings sank der Umsatz wechselkursbereinigt um 2,4% auf 5,4 Milliarden Schweizer Franken. Das lag vor allem daran, dass der Konzern die niedrigeren Rohstoffkosten an seine Kunden weitergereicht hat.

Seine Mittelfristziele hat Barry Callebaut unterdessen bestätigt: Der Konzern peilt ein durchschnittliches Wachstum der Verkaufsmenge von 4 bis 6% Prozent pro Jahr an. Der Betriebsgewinn soll dabei währungsbereinigt stärker wachsen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.