BASF mit DuPont-Offerte? – Immer schön langsam

Es war die Meldung des Wochenendes: BASF könnte einem Bloomberg-Bericht zufolge die geplante Fusion von DuPont und DowChemical durchkreuzen. Der Nachrichten- und Informationsanbieter schreibt, dass BASF zusammen mit seinen Beratern und Banken die Abgabe eines Gegenangebots prüft.

BASF, aktuell der weltgrößte Chemie-Konzern, will mit dem Angebot verhindern, dass die Krone an die US-Amerikaner geht. Zudem würde eine Übernahme auch strategisch sinnvoll sein, da die Ludwigshafener das DuPont Saatgut-Geschäft erhalten würden.

Dass es bei einem Zusammenschluss der beiden Branchengrößen etliches an Synergien zu heben gibt, dürfte klar sein. Für einen Deal spricht auch, dass es eine kräftige Branchenrotation im Bereich Agrar-Chemikalien gibt.

BASF könnte einen Deal wollen, damit die Position im Agrarchemi-Bereich am Ende der Rotation nicht schwächer ist, weil man sich nicht an der Konsolidierung beteiligt hat.

Regelmäßige Leser des Übernahme-Sensors wissen aber: Was strategisch sinnvoll ist, führt nicht immer gleich zu einem Deal!

Angebots-Abgabe nach Wochen des „Nichts-Tun“?

Dem Bericht zufolge haben BASF und DuPont Ende vergangenen Jahres miteinander gesprochen. Die Gespräche führten aber zu nichts und DuPont entschied sich für einen Zusammenschluss mit DowChemical.

Die Fusions-Ankündigung ist schon sehr lange her und in dem Geschäft zählt auch Geschwindigkeit. Dass BASF die ganzen Wochen nichts mach, nachdem es schon Gespräche gab und sich quasi kurz vor Abschluss doch plötzlich dazu entscheidet, eine Konkurrenz-Offerte abzugeben, ist ziemlich ungewöhnlich.

Es sieht eher danach aus, als wenn es sich um eine Standard-Prüfung handelt. Vielleicht ist die Prüfung sogar schon einige Wochen alt – nur jetzt erst durchgesickert – bzw. nach außen getragen worden. Vielleicht wurde auch nach erster Prüfung noch intensiver geprüft, aber die Abgabe einer Konkurrenz-Offerte wäre vermutlich schon gekommen.

Synergie-Potenzial häufig Deal-entscheidend: DowChemical bietet mehr als BASF

Neben Geschwindigkeit zählt bei Übernahme-Deals auch das Synergie-Potenzial. Transatlantische Bündnisse haben selten größeres Potenzial als nationale Zusammenschlüsse.

Auch in diesem Fall ist das Synergie-Potenzial deutlich geringer. Wenn BASF auf der Zielgeraden die Fusion sprengen will, dann wird es richtig teuer. Dass die Ludwigshafener das machen, weil ansonsten die Position zu sehr geschwächt wird, hält der Übernahme-Sensor für ziemlich fragwürdig.

BASF-Chef Kurt Bock: Brauchen keine Großakquisition

BASF steht nicht mit dem Rücken zur Wand. DuPont und DowChemical werden voraussichtlich nach einem Zusammenschluss Unternehmensbereiche abstoßen. Ein Teil dürfte ausschließlich Agrarchemikalien und Saatgut beinhalten – vielleicht sogar nur Saatgut.

BASF würde dann eine strategische „Lücke“ für weniger Geld und mit geringerem Widerstand durch Wettbewerbsbehörden schließen.

Bis es zu so einem hypothetischen Deal kommt, wird es noch dauern – doch es ist nicht lange her, dass die Führungsspitze mitteilte, dass man aktuell keine Großakquisitionen brauche. Es gibt keinen Zeitdruck.

Übernahme-Sensor setzt eher auf Monsanto als auf DuPont

An der Börse geriet die BASF-Aktie nach der Meldung zunächst unter Druck, kann sich am Mittag jedoch bereits wieder aus dem Keller vorarbeiten. Investoren wurden also nur kurz aufgeschreckt.

Der Übernahme-Sensor hält die Abgabe eines Angebots für unwahrscheinlich. Sollte BASF entgegen den Ankündigungen doch einen Milliarden-Deal vagen, dann wäre es strategisch sinnvoller, bei Monsanto anzuklopfen.

7. März 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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