BAT übernimmt Reynolds komplett

Milliarden-Übernahme in der Zigaretten-Branche:

Nach über 10 Jahren Mehrheits-Beteiligung will der britische Tabak-Riese British American Tobacco (BAT) jetzt den Rest des kleineren US-Konkurrenten Reynolds erwerben.

Die beiden Parteien saßen seit Oktober am Verhandlungstisch und rangen um einen angemessenen Preis.

Heute Morgen dann konnte eine Einigung bekannt gegeben werden: Für 57,8% der Reynolds-Anteile legt BAT 49,4 Mrd. Dollar auf den Tisch.

Übernahme-Prämie von rund 26%

Aktionäre des Übernahme-Kandidaten erhalten ein Angebot aus Cash und Aktien.

Je Reynolds-Anteilschein bietet BAT 29,44 Dollar in bar und 0,53 Aktien. Umgerechnet entspricht das etwa 59,60 Dollar und liegt damit nicht einmal 7% über dem Reynolds-Schlusskurs von gestern.

Dennoch ist die Offerte attraktiv. Vor Aufkommen der Übernahme-Gerüchte notierte die Reynolds-Aktie über 20% tiefer.

Und das Management des Übernahme-Kandidaten hat durch die Verhandlungen eine Aufstockung von mehr als 2 Mrd. Dollar erreicht. Ursprünglich trat BAT mit einer 47 Mrd. Dollar-Offerte an Reynolds heran.

Dass die Übernahme-Prämie jetzt niedrig ist, trügt also.

Auch BAT-Aktionäre mit Gewinn

An der Börse legt die Reynolds-Aktie im europäischen Handel um 4,5% auf 58,50 Dollar zu. Die geringe Lücke zum Angebots-Preis signalisiert, dass der Markt einen reibungslosen Deal erwartet.

Die Aktie des Bieters verliert heute mit dem Markt etwa 1%. Dies ist allerdings kein Votum der Anleger gegen den Deal. Die von BAT notwendige Angebots-Aufstockung wurde in der Größenordnung erwartet.

Seit Bekanntgabe der Übernahme-Pläne hat die BAT-Aktie 10% hinzugewonnen. Aktionäre können dem Vorhaben des Managements also durchaus etwas Positives abgewinnen.

BAT und Reynolds – Eine neue Nr. 1 entsteht

BAT – bekannt für Marken wie Lucky Strike oder Dunhill – wird zusammen mit Reynolds – bekannt für die Marken Camel oder Newport – zum größten börsennotierten Tabak-Konzern aufsteigen.

Und so wird man am bisherigen Branchen-Führer Phillip Morris (Marlboro) vorbei ziehen. Noch größer ist lediglich China National Tobacco, doch der Konzern ist nicht börsennotiert.

Von dem transatlantischen Bündnis erhofft sich BAT eine stärkere Position auf dem attraktiven US-Markt, innovative Produkte (NGPs) sowie Kosten-Ersparnisse von mind. 400 Mio. Dollar jährlich.

Wachsender Druck als Auslöser für breite Konsolidierungs-Welle

Während der Deal eine hohe industrielle Logik besitzt, verwundert die Passage aus der BAT-Pressemitteilung, nach der die Übernahme für langfristiges nachhaltiges Gewinn-Wachstum sorgen wird.

Die Branche steht in den westlichen Ländern unter Druck und ob das klassische Geschäft mit Tabakwaren nachhaltig ist, darf auch von Rauchern angezweifelt werden.

Gesundheitliche Aufklärung, Werbe-Verbote und Warnhinweise auf Zigarettenschachteln dürften eher zu weiter rückläufigen Umsätzen führen.

Ob E-Zigaretten-Raucher, von denen ein wesentlicher Teil ehemalige „normale“ Raucher sind, die Umsatz-Rückgänge auffangen können oder gar für nachhaltiges Gewinn-Wachstum sorgen werden, ist unwahrscheinlich.

Dieser Deal kommt nicht aus einer Position der Stärke, sondern ist eine notwendige Reaktion aufgrund der Marktveränderung.

Genau aus diesem Grund kam es erst zu der Branchen-Konsolidierung, die womöglich 2017 mit einer Wiedervereinigung von Philip Morris International und Altria zu Ende geht.

17. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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