Baubranche verliert an Dynamik

Im Bauhauptgewerbe gehen Umsatz und Auftragseingänge zurück, der Öffentliche Bau entwickelt sich am schlechtesten. Deutlich besser läuft es im Wirtschaftsbau. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Die deutsche Bauindustrie rechnet in diesem Jahr mit 4,5% Umsatzwachstum. Doch hinter diesem Ziel stehen Fragezeichen.

Denn die Branche hatte einen verhaltenen Start ins 2. Halbjahr. Die Juni-Schwäche hat sich im Juli fortgesetzt. Im Bauhauptgewerbe gingen der Umsatz um 1,9% und der Auftragseingang um 4,1% zurück. Aufgrund der starken ersten Jahreshälfte errechnet sich für den Zeitraum Januar bis Juli aber immer noch ein Plus von 9,7% beim Umsatz und 1,7% beim Auftragseingang.

Allerdings wächst die Angst, dass sich der Abwärtstrend nicht nur fortsetzt, sondern sogar noch beschleunigt. Jedenfalls melden immer mehr Unternehmen Auftragsstornierungen.

Uneinheitliche Entwicklung

Am schlechtesten entwickelte sich der Öffentliche Bau. Denn die Investitionszurückhaltung von Bund, Ländern und Gemeinden hält an. Besonders in die notwendige Sanierung von Brücken und Straßen wird zu wenig investiert. Deutlich besser läuft es im Wirtschaftsbau.

Vor allem die Nachfrage nach Fabrik- und Werkstattgebäuden zieht an. Auch der Wohnungsbau entwickelt sich noch robust. Allerdings betrifft dies im Wesentlichen den Bau von Mehrfamilienhäusern. Die Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhäusern lässt dagegen etwas nach.

Die Gründe für die insgesamt rege Bautätigkeit sind das historisch niedrige Zinsniveau, die Attraktivität von Immobilien als Anlageobjekte, die Rekordbeschäftigung sowie die vergleichsweise sicheren Einkommen. Es besteht aber die Gefahr, dass höhere Grunderwerbssteuern die gute Konjunktur im Wohnungsbau abwürgen. Schon jetzt halten sich die Investoren in Großstädten wie Hamburg und Frankfurt zurück.

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Gewaltiger Infrastrukturbedarf in Asien

Auch in Asien gibt es einen Investitionsstau. Zwar ist genug Geld vorhanden, doch scheuen sich Banken und Versicherungen davor, den dringend notwendigen Bau von Straßen, Häfen, Eisenbahnlinien oder Kraftwerken zu finanzieren. Bürokratische Hemmnisse, Bestechung, unsichere Rechtslage und unzuverlässige Regierungen sind die Gründe.

Um sein Wachstum aufrechtzuerhalten, braucht Asien schnell gewaltige Investitionen. Experten gehen davon aus, dass Asien bis 2020 rund 8 Bio $ braucht, um den derzeitigen Stand der Infrastruktur zu sichern. Zusätzlich sind bis 2020 jährlich 800 Mrd $ für neue Infrastrukturprojekte erforderlich.

Den Regierungen ist zwar klar, dass es irgendwann zum Kollaps kommt, wenn sie nicht handeln. Sie schaffen es oftmals aber nicht, die von den Privatinvestoren geforderten Rahmenbedingungen zu schaffen.

Unsere Favoriten

Vom robusten privaten Wohnungs- und Wirtschaftsbau profitieren Ausstatter wie Forbo und Geberit. Dagegen kann sich für Sto die Gebäudesanierung zum Wachstumstreiber entwickeln, wenn deren öffentliche Förderung gesichert ist. Noch sind viele Hausbesitzer verunsichert und verzichten auf eine Gebäudesanierung. Vor allem das Geschäft mit Fassadendämmung ist zuletzt deutlich zurückgegangen.

Eine Sondersituation ist bei Bilfinger entstanden. Der Abschied vom zyklischen Baugeschäft und die Konzentration auf margenstarke Dienstleistungen für die Industrie ist zwar die richtige Strategie. Sie birgt aber auch Risiken, wie drei Gewinnwarnungen innerhalb kurzer Zeit gezeigt haben. Nach dem Führungswechsel scheint aber das Vertrauen zurückzukehren.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.