Bauer schockiert mit Gewinnwarnung

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Bauer schockiert die Anleger mit Gewinnwarnung. Aktie verliert daraufhin mehr als ein Viertel ihres Wertes. Wie geht es jetzt weiter? (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Zum Wochenausklang hat der Tiefbauspezialist und Baumaschinenhersteller Bauer AG seine Anleger mit einer dicken Gewinnwarnung schockiert. So informierte das Unternehmen aus dem bayerischen Schrobenhausen, den Gourmets unter Ihnen durch seinen hervorragenden Spargel ein Begriff, die Anleger in einer Ad-hoc-Pflichtmitteilung darüber, dass für das laufende Jahr die Prognose für das EBIT, also das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, auf 70 Millionen Euro reduziert werden müsse.

Erklärungsbedürftige Begründung

Nicht nur, dass ursprünglich ein EBIT von 95 Millionen Euro angepeilt wurde und auch nicht, dass der Vorstand noch im August bei der Vorlage der Halbjahreszahlen zuversichtlich war, diese Ziele zu erreichen. Nein, was den Kapitalmarkt wirklich beschäftigt, ist, dass die Gründe für die Gewinnwarnung nicht hinreichend und nachvollziehbar erläutert wurden.

Das beginnt schon damit, dass der Vorstand in der Pflichtmitteilung die Gewinnwarnung mit „unter den Planungen liegenden Erwartungen“ verargumentiert, dann aber seine Prognosen für die Gesamtleistung in Höhe von 1,7 Milliarden Euro beibehält. Dies wäre gegenüber dem Vorjahr, als Bauer eine Gesamtleistung von 1,686 Milliarden erwirtschaftet hatte, sogar noch ein leichtes Wachstum. An der Auftragslage kann es also nicht liegen. Schuld an der Gewinnwarnung sind die über den Erwartungen liegenden Kosten.

Belastungen durch Projektverschiebungen und Niedrigzinsen

Genauer an den zuletzt deutlich gesunkenen Marktzinsen. Denn die aktuelle Niedrigzinsphase, so die Konzernleitung, hat bei den Pensionsrückstellungen und Zinssicherungsgeschäften erhebliche bilanzielle Belastungen zur Folge.

Auch eine schlechte Auslastung, die sich wiederum durch Projektverschiebungen in einigen Ländern des Auslandsbaugeschäfts erklären lässt, muss als Begründung der Gewinnwarnung herhalten. Im Gegensatz zum Zinsumfeld, für das der Vorstand nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann, fällt dieses Argument jedoch auf die Konzernleitung zurück. Denn eine schlechte Auslastung ist auf eine mangelhafte Finanzplanung zurückzuführen und in den kritischeren Forumsbeitragen wurde sogar die Frage in den Raum gestellt, ob die Konzernführung bei einigen ausländischen Bauaufträgen in Bezug auf die Risiken nicht den Überblick verloren hat.

Vorstand ist in der Pflicht

Denn für das Kostenmanagement und die Konzernplanung ist unmittelbar der Vorstand zuständig. Und hier dokumentieren sich bereits seit einigen Jahren erhebliche Schwächen. Schließlich hat der Vorstand seine Jahresprognose nicht zum ersten Mal kassiert. Der Investmentbank Kepler zufolge hat das Unternehmen zwischen 2009 und 2017 mindestens einmal pro Jahr vor rückläufigen Gewinnen gewarnt.

Selbst wenn der jetzige Vorstandsvorsitzende erst seit November letzten Jahres im Amt ist und standhaft behauptet, dass die Gründe für die Ergebnisverschlechterung aus heutiger Sicht keine wesentlichen Auswirkungen auf die zukünftige Entwicklung hätten, darf bezweifelt werden, dass sich die Aktie diesmal so schnell wieder erholt.

Aktie bricht ein

Nach Veröffentlichung der Gewinnwarnung kam die Bauer-Aktie massiv unter die Räder. Insgesamt verloren die Papiere in den letzten beiden Handelstagen mehr als 26 % ihres Wertes. Mehr als 90 Millionen Euro haben sich in Luft aufgelöst. Damit bringt die Aktie, die bis vor kurzem noch Mitglied im Kleinstwerteindex SDAX war, aktuell nur noch 265,5 Millionen Euro auf die Waage. Zu Recht, denn wer mit solcher Regelmäßigkeit seine Anleger vergrätzt, hat auch nichts anderes verdient.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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