Bauwirtschaft weiterhin im Aufwind

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Der Wohnungsbau ist der Wachstumstreiber der Bauwirtschaft, aber auch im öffentlichen Bau wird wieder investiert. Hier lesen Sie Näheres: (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Die deutsche Bauwirtschaft steht vor dem besten Jahr seit 1995.

Mit einem Rekord-Auftragsbestand von 34,7 Mrd. € im Rücken rechnet die Branche mit einem Umsatz-Anstieg von 5% auf 112,2 Mrd. €.

Wachstumstreiber Nr. 1 mit einem erwarteten Plus von 7% wird erneut der Wohnungsbau sein.

Darum steht die Branche derzeit so gut da

Gründe sind die steigende Nachfrage in den Ballungsräumen und Universitätsstädten, der anhaltend hohe Bedarf an Wohnraum für Flüchtlinge und nicht zuletzt die niedrigen Zinsen.

Auch im öffentlichen Bau wird es angesichts steigender Investitionen der Bundesregierung in die Infrastruktur weiter aufwärtsgehen.

Schon 2016 stieg die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen um 21,6% auf 375.400.

Entscheidend für die Lage am Wohnungsmarkt sind aber nicht die Genehmigungen, sondern die Fertigstellungen. Hier gab es ebenfalls ein Plus von 21% auf rund 300.000.

Im laufenden Jahr werden 320.000 Fertigstellungen erwartet. Diese Zahl reicht aber bei Weitem nicht aus, um die prekäre Situation zu entspannen.

Nach Auffassung des Bundesbauministeriums und des Branchen-Verbands GdW müssten vielmehr 350.000 – 400.000 Wohnungen jährlich fertiggestellt werden.

Immer mehr Auflagen und fehlende steuerliche Anreize bremsen jedoch die Neubautätigkeit.

In Asien und den USA wird kräftig in die Infrastruktur investiert

Fast 70.000 Brücken sind in den USA sanierungsbedürftig, und auf den Straßen in den Ballungsgebieten stehen die Autos regelmäßig im Stau.

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Der deutsche Wohnungsbau boomtAuch wenn im vergangenen Jahr so viele Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt wurden wie lange nicht mehr, so reicht das Angebot immer noch nicht aus. › mehr lesen

Der volkswirtschaftliche Schaden durch verlorene Arbeitszeit wird auf 100 Mrd. $ pro Jahr geschätzt.

Entsprechend will die US-Regierung in den kommenden 10 Jahren rund 1 Bio. $ in die Infrastruktur investieren.

Um das Programm zu finanzieren, muss der Staat in anderen Bereichen sparen; u. a. sollen die Ausgaben für Umweltschutz und Gesundheits-Versorgung gekürzt werden.

Diese Pläne stoßen aber auf Widerstand – selbst in den Reihen der Republikaner.

Auch in Asien muss kräftig in den Ausbau der Infrastruktur investiert werden, um das Wachstums-Tempo zu halten.

Schätzungen der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) zufolge muss die Region bis 2030 rund 26 Bio. $ für den Bau von Brücken, Straßen, Flughäfen, Eisenbahnlinien und Kraftwerken ausgeben.

Weil aber in vielen Ländern die Steuer-Einnahmen zu gering sind, müssten private Investoren etwa 60% dieser gewaltigen Summe tragen.

Versicherungen und Pensionsfonds, die in Zeiten niedriger Zinsen attraktive Kapitalanlagen suchen, sollten sich eigentlich um die Großprojekte reißen, werden aber von der Rechtsunsicherheit in vielen Ländern abgehalten.

Unsere Favoriten

Trotz einiger Unwägbarkeiten sind die Aussichten in der Baubranche hervorragend. Von den Investitions-Plänen der US-Regierung sollten u. a. auch deutsche Konzerne profitieren:

  • Für Heidelbergcement ist Nordamerika schon jetzt der wichtigste Markt. Dort werden gut ein Viertel des Umsatzes und ein Drittel des operativen Ergebnisses erwirtschaftet.
  • Auch Hochtief ist dort mit seinen Töchtern Flatiron und Turner stark vertreten.
  • Der österreichischen Strabag spielen dagegen der vom deutschen Bundestag verabschiedete Bundesverkehrswegeplan sowie die EU-Fördermittel für Osteuropa in die Karten.
  • Weitere Branchen-Favoriten sind die Schweizer Konzerne Forbo und Geberit.
  • Eine Turnaround-Spekulation wert ist Bilfinger. Sobald sich abzeichnet, dass die neue Strategie aufgeht, rechnen wir mit einem kräftigen Kursschub.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.