Bayer AG: Aktionäre verweigern wegen Monsanto-Übernahme Entlastung

Bayer RED – shutterstock_638062990 g0d4ather

Die Monsanto-Übernahme könnte dem Bayer-Chef seinen Job kosten. Womöglich wird das Unternehmen sogar bald selbst zum Übernahme-Kandidaten. (Foto: g0d4ather / Shutterstock.com)

Auf der Hauptversammlung des Leverkusener Agrar- und Pharmakonzern Bayer kam es am vergangenen Freitag zu einer Revolte: 55,5 % der anwesenden Aktionäre verweigerten dem Vorstand die Entlastung – eine derbe Klatsche, insbesondere für den Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann.  Hauptgrund für den Aufstand der Anteilseigner war der umstrittene Kauf des US-Saatgutkonzerns Monsanto im vergangenen Jahr.

Vorstandschef angeschlagen

Zum ersten Mal wurde dem Vorstand eines DAX-Konzern die Entlastung verweigert. Trotz dieser von den Anteilseignern erteilte Ohrfeige muss Bayer-Chef Baumann seinen Posten jedoch nicht räumen, denn das negative Aktionärsvotum hat rechtlich keine bindenden Folgen. Dennoch: Der Druck auf die Firmenspitze ist natürlich immens.

Aufsichtsrat stützt Vorstand

In einer am frühen Samstagmorgen einberufenen Sitzung stellte sich der Bayer-Aufsichtsrat geschlossen hinter den Vorstandsvorsitzenden. „Wir nehmen das Abstimmungsergebnis der Hauptversammlung sehr ernst“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning.

„Gleichzeitig steht der Bayer-Aufsichtsrat geschlossen hinter dem Vorstand“, betonte er. „Der Aufsichtsrat wird dieses Votum zum Anlass nehmen, den Bayer-Vorstand dabei zu unterstützen, das Vertrauen der Aktionäre und weiterer Stakeholder in das Unternehmen und seine Strategie schnellstmöglich und vollständig wieder zurückzugewinnen“, so Wenning weiter. 

Deutliche Kursverluste nach Monsanto-Übernahme

Seit der Übernahme des US-amerikanischen Saatgut- und Chemiekonzerns Monsanto im vergangenen Jahr hat die Bayer-Aktien fast 40 Prozent an Wert verloren. Der Bayer-Konzern – einst wertvollster DAX-Wert – ist im Marktkapitalisierungs-Ranking der 30 DAX-Unternehmen auf Platz 9 abgestürzt.

Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 56 Mrd. Euro ist Bayer an der Börse weniger wert, als Monsanto zum Zeitpunkt der Übernahme kostete. Verlieren die Leverkusener noch weiter an Boden, wird befürchtet, dass der Chemie- und Pharma-Konzern selbst zu einem Übernahmekandidaten wird. 

Imageverlust und hohe Schadenersatzforderungen

Monsanto steht als Hersteller des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat in der Öffentlichkeit und auch bei vielen Bayer-Aktionären in der Kritik. In zwei Fällen wurde Bayer in den USA bereits zu hohen Schadenersatzzahlungen verurteilt. Mehr als 13.400 weitere Glyphosat-Verfahren stehen noch aus.

Die damit einhergehende Unsicherheit überlagert derzeit ein operativ gut laufendes Geschäft. Der Umsatz erhöhte sich 2018 währungs- und portfoliobereinigt um 4,5 Prozent auf rund 39,6 Milliarden Euro. Der um Sondereinflüsse bereinigte Gewinn (EBITDA) legte – trotz negativer Währungseffekte – um 2,8 Prozent auf rund 9,5 Milliarden Euro zu. Das bereinigte Ergebnis je Aktie aus fortzuführendem Geschäft übertraf mit 5,94 Euro die Erwartung.

Auch der Jahresauftakt 2019 ist geglückt. Kurz vor der Hauptversammlung präsentierten die Leverkusener über den Schätzungen liegenden Ergebnisse. Über 35% fehlen aktuell bis zum durchschnittlichen Analysten-Kursziel, was die Aktie innerhalb des DAX zu einem der aussichtsreichsten Titel macht.

Fraglich ist jedoch, ob die Aktie deswegen heute schon ein zwingender Kauf ist. Es ist durchaus möglich, dass der juristische Newsflow negativ bleibt und die operative Stärke auch weiterhin wenig Beachtung findet.

Bayer Logo RED_shutterstock_520111798_ricochet64

Die Chemie-Branche – ein Spielball der Weltwirtschaft?Die Chemie-Unternehmen befinden sich in einer Krise, denn die Chemie-Branche zählt zu den konjunkturanfälligsten der Welt. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.