Bayer-Aktie: Günstig, aber Klagerisiken belasten

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DAX-Schwergewicht Bayer legt Zahlen vor, die an der Börse gut ankommen. Klagerisiken sind aber nach wie vor ein großer Belastungsfaktor. (Foto: Alfred Sonsalla / Shutterstock.com)

Das DAX-Schwergewicht Bayer hat heute Zahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr 2018 vorgelegt. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern hat deutlich weniger verdient als im Jahr zuvor. An der Börse kamen die Zahlen jedoch gut an. Warum? Dazu gleich mehr.

Auch werden Sie die Zahlen im Detail kennenlernen und erfahren, wie es bei Bayer weitergeht und warum die Bayer-Aktie für mich trotz des deutlichen Abschlags zu den Höchstständen derzeit kein Kauf-Kandidat ist.

Bayer 2018: Deutlich weniger Gewinn

Kommen wir zunächst zu den Zahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr 2018: Der Gewinn von Bayer brach unter dem Strich um 77% auf 1,7 Mrd. Euro ein.

Neben den Kosten im Zusammenhang mit der höchst umstrittenen Übernahme des US-amerikanischen Saatgutkonzerns Monsanto belasteten zuletzt nach Unternehmensangaben Abschreibungen auf Unternehmenswerte im Geschäft mit frei verkäuflichen Medikamenten. Bayer will sich hier von weniger gut laufenden Bereichen trennen. Zudem floss die ehemalige Tochter Covestro nicht mehr in das Zahlenwerk mit ein.

Umsatzseitig profitierte Bayer hingegen von der Monsanto-Übernahme und konnte im abgelaufenen Jahr um rund 13% auf 39,6 Mrd. Euro zulegen. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) stieg unterproportional zum Umsatz um 2,8% auf 9,5 Mrd. Euro.

Für das laufende Jahr rechnet Bayer mit einem währungsbereinigten Umsatzanstieg um etwa 4% auf rund 46 Mrd. Euro. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll bei etwa 12,2 Mrd. Euro liegen.

An der Börse kamen die Zahlen gut an. Die Bayer-Aktie legte in der Spitze um rund 5% zu und war damit am heutigen Tag der Top-Performer im DAX. Ein Analyst von der Investmentbank JP Morgan sprach einem Bericht zufolge von sehr starken Ergebnissen im Schlussquartal 2018.

Und tatsächlich: Operativ hat Bayer im zurückliegenden Quartal ein Gewinnwachstum von fast 16% auf 2,1 Mrd. Euro verzeichnen können. Unter dem Strich stand jedoch ein Minus von satten 3,9 Mrd. Euro. Ursächlich dafür waren eine ganze Reihe von außergewöhnlichen Lasten, die Bayer im Schlussquartal 2018 zu schultern hatte.

Dividende bleibt unverändert bei 2,80 Euro

Obwohl Bayer im Geschäftsjahr 2018 nur einen Gewinn je Aktie in Höhe von 1,80 Euro erwirtschaften konnte, soll die Dividende in diesem Jahr bei 2,80 Euro liegen und damit dem Vorjahreswert entsprechen. Das bedeutet: Bayer zahlt die Dividende in diesem Jahr zu einem guten Teil aus der Substanz.

Größere Sorgen sollten den Bayer-Aktionären aber die rechtlichen Risiken im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter Glyphosat bereiten. Zwar ist nach Angaben von Bayer-Chef Werner Baumann Geld für Verteidigungskosten zurückgelegt worden, doch allein bis Ende Januar dieses Jahres lagen Bayer 11.200 Klagen vor.

Aus meiner Sicht sind die rechtlichen Risiken hier zu hoch als das man bei Bayer jetzt einsteigen sollte (trotz des deutlichen Abschlags zu den alten Höchstständen). Falls Sie einsteigen wollen, sollten Sie die ersten Urteile abwarten, um abschätzen zu können, wie hoch die Belastung am Ende sein könnte.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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