Bayer Aktie: Integration von Monsanto beginnt – und der Ärger gleich dazu

Mit Monsanto hat sich Bayer erst einmal Probleme ins Haus geholt. Ein US-Urteil sorgte bei der Bayer Aktie für einen kräftigen Kursrutsch. (Foto: ricochet64 / shutterstock.com)

Richtig viel Geld auf den Tisch legen, sich von eigenen Sparten trennen und sich neben zusätzlichen Imageproblemen auch gleich noch potenziell milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten ans Bein binden – man muss schon sehr vom künftigen Erfolg eines solchen Deals überzeugt sein, um sich darauf einzulassen.

In Leverkusen ist man das offenbar, denn nicht ganz ohne Stolz verkündete Bayer kürzlich, dass man nun mit der Integration des umstrittenen Saatgutherstellers Monsanto beginnen könne. Letzte wettbewerbsrechtliche Hürden waren aus dem Weg geräumt worden, nachdem der Chemiekonzern verschiedene Geschäftsbereiche an Konkurrenten veräußert hatte.

Nun also ist es soweit, die Geschäfte des Dax-Konzerns und des von ihm übernommenen US-Unternehmens können zusammengelegt werden. Doch welche Probleme man sich damit womöglich ins Haus geholt hat, wurde vor wenigen Tagen erneut deutlich.

US-Gericht fällt millionenschweres Urteil gegen Monsanto

Ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Kalifornien verurteilte Monsanto zu einer Schadensersatzzahlung in Höhe von 289 Millionen Dollar an einen Krebspatienten, der seine Erkrankung auf das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat zurückführt.

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Dieses wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO bereits im Jahr 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft, sein Einsatz gilt vor allem in Europa als umstritten. Ein Verbot der Substanz für die Verwendung in der Landwirtschaft wurde im November 2017 durch den damaligen Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) verhindert, der – entgegen der vorherigen Abstimmung innerhalb der seinerzeit geschäftsführend tätigen schwarz-roten Bundesregierung – einer Zulassung für weitere fünf Jahre innerhalb des zuständigen EU-Gremiums zugestimmt hatte anstatt sich zu enthalten. Der Vorfall überschattete die damals laufenden Koalitionsverhandlungen in Berlin und sorgte parteiübergreifend für Unmut.

Bayer Aktie markiert Jahrestiefststand

Glyphosat steht schon seit längerem öffentlich in der Kritik und symbolisiert eine Landwirtschaft der Monokultur, die mit Bauernhofromantik wenig gemein hat. Der Name Monsanto steht für Glyphosat und genmanipuliertes Saatgut – und Bayer steht neuerdings für Monsanto. Das bekamen auch die Aktionäre zu spüren, denn in Folge des skizzierten kalifornischen Gerichtsurteils sackte der Kurs der Bayer Aktie kräftig ab und verlor zeitweise mehr als 20 Prozent.

Monsanto hat bereits angekündigt, gegen das Urteil vorgehen zu wollen und Bayer macht aus der Not eine Tugend und betonte zuletzt, froh zu sein, sich nun aktiv in die laufenden Rechtsstreitigkeiten einbringen zu können. Selbstredend teilt man in Leverkusen die Auffassung der kalifornischen Jury nicht und hofft, die Zahlung in höherer Instanz noch abwenden zu können.

Das finale Urteil könnte Symbolcharakter entwickeln: Denn insgesamt sieht sich Monsanto – beziehungsweise Bayer – in den USA mit mehr als 5.000 ähnlichen Klagen konfrontiert. Ein Spaziergang wird das nicht, womöglich auch nicht für die Bayer Aktie, die bei rund 75,50 Euro vergangene Woche ihr vorläufiges Jahrestief markierte.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.