Bayer-Aktie nach Übernahme-OK an der DAX-Spitze

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Endlich am Ziel! Bayer-Investoren feiern Behörden OK aus den USA. (Foto: g0d4ather / Shutterstock.com)

Das Warten hat ein Ende! Gestern Abend teilte das US-Justizministerium mit, dass sie die Monsanto-Übernahme durch den Leverkusener Pharma- und Chemie-Konzern Bayer unter strengen Auflagen freigegeben hat.

Damit ist der im Herbst 2016 angekündigte Deal endlich in trockenen Tüchern. Zwar wird es bis zum endgültigen Übernahme-Abschluss voraussichtlich noch bis September dauern, doch die 56 Mrd. Euro schwere Transaktionen ist jetzt nicht mehr zu stoppen.

Milliardentransaktion erforderte genaue Prüfung durch die Wettbewerbsbehörden

Rückblick: Im Herbst 2016 einigte sich Bayer mit Monsanto nach einer Konsolidierungswelle in der Agrarchemiebranche auf eine Übernahme. Bereits bei Deal-Ankündigung wurde mit einem Behörden-Marathon gerechnet, doch dass es 2 Jahre dauern würde, damit rechneten die beiden Konzerne nicht.

Die Wettbewerbsbehörden ließen sich allerdings mit der Prüfung sehr viel Zeit, um sicher zu stellen, dass der Wettbewerb in der sensiblen Agrarchemie- und Saatgut-Branche gewahrt bleibt. Zwischenzeitlich wurde aufgrund großer Wettbewerbsbedenken sogar ein Übernahme-Aus befürchtet.

Bayer muss mehr Unternehmensteile verkaufen als geplant: Monsanto-Übernahme dennoch sehr vorteilhaft

Am Ende steht der Deal, doch Bayer zahlt einen hohen Preis. Das anvisierte Verkaufsziel von Geschäftsbereichen wurde verfehlt. Erst in der Vorwoche musste aufgrund der vielen Verkäufe das Synergie-Ziel der Milliarden-Übernahme kassiert werden.

Für Bayer ist die Übernahme jedoch Unternehmensangaben zufolge genauso wertvoll wie bei der Deal-Unterzeichnung vor 2 Jahren. Denn es entsteht ein führender Pflanzenschutz- und Saatgut-Konzern, der in einer hoch konzentrierten Branche sehr gut aufgestellt ist.

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Bayer-Aktie zieht an

Die Bayer-Aktionäre reagieren heute erleichtert auf das Übernahme-OK aus den USA und schicken die Aktie der Leverkusener an die DAX-Spitze. Im Vormittagshandel verteuert sich das Papier in einem freundlicheren Gesamtmarkt um 2,7% auf 101,50 Euro.

Geht es nach den Analysten, bleibt der Bayer-Aktie noch ordentlich Luft. In ersten Stellungnahmen wird zum Einstieg geraten, das Kursziel teilweise angehoben. 3 Analysten, die sich heute Vormittag meldeten, haben ein Durchschnittskursziel 125 Euro.

Kapitalerhöhung voraussichtlich viel kleiner als geplant

Mit Spannung wird jetzt erwartet, wie Bayer den Deal finanziell stemmen wird. Ursprünglich wurde eine Kapitalerhöhung von bis zu 17 Mrd. Euro veranschlagt, doch inzwischen ist klar, dass der Finanzierungsbedarf deutlich niedriger ausfallen wird.

Goldman Sachs erwartet sogar nur einen „niedrigen bis mittleren“ einstelligen Milliardenbedarf. Einem UBS-Analyst zufolge sollten Anleger nicht aufgrund der Kapitalmaßnahme taktieren sondern zugreifen.

BASF erhält Bayer-Geschäftsbereiche im Wert von 7,6 Mrd. Euro – KWS geht leer aus

Von der Milliarden-Transaktion profitiert nicht nur Bayer. Als heimlicher Gewinner der Monsanto-Übernahme gilt auch der Chemiebranchen-Rivale BASF, der aufgrund der scharfen Auflagen für insgesamt 7,6 Mrd. Euro mehrere Bayer-Geschäftsbereiche erwirbt.

Gestern kamen noch einmal kurzzeitig Irritationen auf, dass das mit über 1 Mrd. Euro bewertete Gemüsesaatgutgeschäft vielleicht doch noch an die kleinere KWS gehen könnte, doch heute teilten die EU-Behörden mit, dass einer Genehmigung der  Kaufvereinbarung zwischen Bayer und BASF nichts im Wege steht.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.