Bayer bietet für Monsanto – Aixtron erhält Übernahme-Offerte aus China

Es ist Merger-Monday. Ein Wochenauftakt bei dem verschiedene Großtransaktionen bekannt gegeben wurden, die in Summe im hohen zweistelligen Milliardenbereich liegen.

Der größte Deal ist mit deutscher Beteiligung: Bayer hat heute offiziell die Übernahme-Offerte für den Saatgut- und Pestizid-Hersteller Monsanto auf den Tisch gelegt.

Während Bayer auf der Bieterseite steht, ist im TecDAX der Chipanlagenbauer Aixtron auf der Seite der Übernahme-Kandidaten zu Hause. Fujian Grand Chip Investment (FGC) hat nach Verhandlungen mit dem Management 6 Euro je Aktie auf den Tisch gelegt.

Bayer legt für Monsanto 62 Mrd. Dollar auf den Tisch

Es sieht gut aus für den Leverkusener Chemie- und Pharma-Konzern Bayer! Die heute vorgelegte unaufgeforderte 62 Mrd. Dollar-Offerte für Monsanto soll Insidern zufolge vom Übernahme-Kandidaten wohlwollend zur Kenntnis genommen worden sein.

Zwar ist der Angebotspreis von 122 Dollar je Aktie noch nicht fix, doch die beiden Seiten scheinen nicht sehr weit auseinander zu liegen.  Kommt es zu einem Deal, dann wäre es der größte Auslands-Zukauf eines deutschen Konzerns.

Deal-Abschluss in weiter Ferne

So weit ist es noch nicht. Der Deal hängt immer noch von vielen Fragezeichen ab. Insbesondere stellt sich die Frage nach der Deal-Genehmigung durch die US-Behörde CFIUS, die US-amerikanische Interessen waren soll. Der Agrochemie-Sektor ist ein sensibler Bereich und ein Deal könnte untersagt werden.

Auch fraglich ist, ob der Preis den Aktionären reicht, wenn er dem Management reicht. 122 Dollar kostete das Papier 2015 auch ohne Übernahme-Offerte. Hinzu kommen weitere Unwägbarkeiten, die einen schnellen Deal-Abschluss nicht zulassen. Der Deal ist jetzt zwar wahrscheinlicher als vor einer Woche – doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Bayer-Investoren reagieren verschnupft

An der Börse sorgte die Übernahme-Ankündigung für einen erneuten Kurssturz der Bayer-Aktie. In einem schwächeren Umfeld steht das Bayer-Papier erneut unter Druck und verliert weitere 5,5%. Allein seit Mitte April hat die Aktie mehr als 20% verloren.

Die Investoren verstehen zwar die industrielle Logik des Deals, doch wird auch eine Reihe damit verbundener Risiken eingekauft – selbst wenn der Deal am Ende klappt. Neben zu befürchtenden Image-Problemen (die den Markenwert sehr belasten können) wird hinterfragt, ob sich die Übernahme planmäßig auszahlen kann (Marktperspektiven, TTIP-Absage, Grabenkämpfe, kulturelle Unterschiede).

Bei solchen Milliardendeals kommt es nicht selten zu nicht kalkulierbaren post-merger Problemen, die Finanzziele plötzlich in ein anderes Licht rücken und unter Umständen Abschreibungen nach sich ziehen.

Hinzu kommt eine massive Kapitalerhöhung, der die kommenden Ergebnisse verwässert und somit bei gleichbleibendem Preis zu einem Bewertungsanstieg führt. Die Investoren müssen also noch überzeugt werden, dass dies wirklich die vom Unternehmen genannte einmalige Chance ist.

Aixtron-Aktie erneut mit zweistelligem Kursplus

Während die Bayer-Aktionäre fliehen, kommt es zu einem Run auf Aixtron-Aktien. Nachdem das Papier bereits am Freitag kräftig zulegen konnte, folgen heute Anschlussgewinne von 15% auf 5,50 Euro.

Grund dafür ist eine Übernahme-Offerte. Der angeschlagene Anlagenbauer ist durch das chinesische Interesse mit einem Schlag spürbar entlastet. Denn die Gewinnzone dürfte noch etwas auf sich warten lassen und Aixtron braucht Geld um die Forschungs- und Entwicklungskosten zu stemmen.

Deswegen begab sich das Unternehmen aktiv auf die Suche nach einem finanzstarken Partner. Mit FGC ist der gefunden und gleichzeitig ermöglicht der Bieter einen tieferen Markteintritt in China, um neues Umsatzpotenzial zu erschließen.

Die richtige Auswahl von Übernahme-Kandidaten: Jahres-Bilanz für Aixtron- und Monsanto-Aktionäre trotz Offerte negativ

Die beiden Übernahme-Angebote für Aixtron und Monsanto kommen nicht überraschend. Beide Unternehmen wurden bereits vor einer Woche in verschiedenen Medien als wahrscheinliche Ziele genannt.

Wer auf die Gerüchte hin investierte, konnte in kurzer Zeit zweistellige Gewinne einfahren. Im Übernahme-Geschäft sollten Sie aber nicht versuchen, bei jedem Gerücht direkt einzusteigen, sondern abwägen, welche Risiken Sie auch eingehen.

Wer vor einem Jahr oder vor drei Jahren Übernahme-Gerüchten zu Aixtron folgte, hat trotz des jetzigen Deals ordentlich Verlust gemacht. Besser sind sie aufgestellt, wenn Sie den fundamentalen Rahmen im Auge behalten und Ihre Investition auch eine Gewinnchance trägt, wenn der Deal wider erwarten nicht stattfindet.

23. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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