Bayer gewinnt Bieterrennen um Merck-Sparte

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Nach Conceptus, Algeta und Dihon kauft Bayer jetzt für 10,4 Mrd. Euro die Merck-Sparte mit rezeptfreien Medikamenten. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Das Übernahme-Karussell in der Pharma-Branche dreht sich mit atemberaubender Geschwindigkeit. Der Pharma-Sektor gehört in den vergangenen Monaten neben dem Energie-Sektor zu den Branchen mit der höchsten Übernahme-Aktivität.

Auch der deutsche DAX-Konzern Bayer beteiligt sich aktiv an der Jagd nach passenden Übernahme-Kandidaten.

Nachdem die Leverkusener bereits im November vergangenen Jahres Algeta für 2,1 Mrd. Euro übernommen haben und Anfang dieses Jahres Dihon für geschätzte 500 Mio. Euro kauften, hat Bayer jetzt beim amerikanischen Pharma-Konzern Merck zugegriffen.

Für 10,4 Mrd. Euro übernehmen die Leverkusener das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten.

Bayer auf dem Weg zur Marktführerschaft im Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten

Bayer hat sich zum Ziel gesetzt, größter Anbieter von rezeptfreien Medikamenten zu werden. Die Übernahme bringt die Leverkusener dem Ziel deutlich näher. Unternehmens-Chef Dekkers bezeichnete den Kauf als „Meilenstein“.

Denn durch den Kauf der Merck-Sparte wird der DAX-Konzern mit einem Schlag die neue Nummer 1 in Süd- und Nordamerika. Weltweit ist Bayer jetzt die neue Nummer 2.

Dekkers erklärte, dass die Merck-Angebotspalette die eigene Palette sehr gut ergänze. Besonders der Zugang zum Allergie-Mittel Claritin ist ein guter Fang. Das Medikament erwirtschaftete zuletzt mehr Umsatz als Aspirin.

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Analysten: Hoher Übernahme-Preis gerechtfertigt

Der Kaufpreis wird von Analysten als hoch, jedoch angesichts des langfristigen Potenzials nicht als unverhältnismäßig bezeichnet. Für den zweitgrößten Deal der Firmengeschichte zahlt der DAX-Konzern einen Umsatzmultiplikator von 6,5. Der Multiplikator liegt am oberen Ende vergleichbarer Deals.

Bayer gibt die Synergien trotz der geringen Portfolio-Überschneidung mit 200 Mio. Dollar jährlich ab 2017 an. Einsparpotenzial soll vor allem im Marketing, der Herstellung und in der Verwaltung gehoben werden.

Aktie reagiert mit leichten Verlusten

Bayer wird für den Milliarden-Deal keine Kapitalerhöhung benötigen. In einer ersten Reaktion kommt es dennoch zu keiner Euphorie unter den Investoren. In einem schwachen Umfeld verliert die Aktie gestern mit dem Markt und notiert heute unverändert.

Seit Beginn der Einkaufstour vor etwa einem Jahr konnte die Aktie jedoch leicht besser performen als der Vergleichsindex DAX. Die Mehrzahl der Analysten ist optimistisch, dass Bayer nach dem Plus von rund 23% auf Jahressicht weiter zulegen wird. Die Kursziele bewegen sich mehrheitlich in einem Korridor von 112 bis 120 Euro (aktueller Kurs 99 Euro).

Der Vorteil von rezeptfreien Medikamenten macht Deal attraktiv

Der Übernahme-Sensor begrüßt den Deal und die Strategie der Leverkusener. Zwar sind die rezeptfreien Medikamente margenschwächer als rezeptpflichtige Medikamente, dafür gibt es aber auch kein Patent-Ende, dass die Umsätze einbrechen lässt.

Wenn die Medikamente sich am Markt etabliert haben, bedarf es kaum weiterer Forschungskosten. Kostensenkungsmaßnahmen im Gesundheitswesen spielen ebenfalls  keine Rolle. Die Markentreue der Kunden ist auch bei wachsender Konkurrenz hoch, dementsprechend stabil und gut prognostizierbar sind die kommenden Umsätze.

Der Preis ist sicher nicht günstig, bringt Bayer aber einen schönen Vorteil gegenüber den Konkurrenten. Das Unternehmen setzte sich im Rennen um die Merck-Sparte unter anderem gegen Novartis, Sanofi, Boehringer Ingelheim und vor allem Reckitt Bensicker durch, die 2012 das Rennen um Nutrition für sich entschied.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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