Bayer: Pharmariese bringt Milliardendeal unter Dach und Fach

Bayer bringt Milliardendeal unter Dach und Fach. Bilanz bläht sich auf, Gewinn geht vorrübergehend in die Knie (Foto: ricochet64 / shutterstock.com)

Lange hat sich der größte Zukauf in der Firmengeschichte des Pharmakonzerns Bayer hingezogen, doch nun ist die Übernahme durch. Bayer kauft Monsanto und steigt damit zum weltweit führenden Agrochemie- und Saatguthersteller auf. Damit ist der Leverkusener Großkonzern nach nunmehr eineinhalb Jahren am Ziel. Alle zuständigen Kartellbehörden haben grünes Licht gegeben.

Deal nur unter Auflagen genehmigt.

Wie bedeutend alleine der Deal auf Grund der schieren Größe ist, zeigt Ihnen folgendes Beispiel. Da Bayer und Monsanto fast überall auf der Welt Geschäfte machen, mussten zahlreiche Wettbewerbsbehörden den Zukauf prüfen. Insgesamt beschäftigten sich die Behörden in rund 30 verschiedenen Ländern mit der Transaktion und haben die Übernahme abgesegnet, allerdings nur unter strengen Auflagen.

So müssten Anlagen aus den Geschäften mit gentechnisch veränderten Baumwoll-Samen, mit allen Gemüse-Samen und mit Teilen der Herbizide zurückgezogen werden. Damit soll verhindert werden, dass Bayers Marktanteil im Bereich der Gemüse-Samen zu groß wird und der fusionierte Konzern zum einzigen Anbieter genveränderter Samen für Baumwollpflanzen in Mexiko wird. Bayer muss die genannten Bereiche an BASF verkaufen. Der Rivale aus Ludwigshafen zahlt dafür insgesamt rund 7,6 Milliarden Euro an Bayer.

Bilanzsumme bläht sich auf

Der Kauf von Monsanto ist die größte Übernahme eines deutschen Konzerns im Ausland – und Bayer muss sich dafür hoch verschulden. Der Startschuss für eine Kapitalerhöhung ist gefallen. Hierüber sollen 6 Milliarden frisches Kapital hereingespült werden. Darüber hinaus sollen Anleihen im Gegenwert von 20 Milliarden Euro begeben werden. Insgesamt kostet der Zukauf Bayer 56 Milliarden Euro.

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Laut einer ersten proforma-Rechnung des Konzerns weitet sich die Bilanzsumme durch den Deal auf etwa 131 Milliarden Euro aus. Alleine der Goodwill (immaterielle Firmenwert) steigt um gigantische 22 Milliarden Euro auf 36,6 Milliarden Euro an. Nach dem Zusammenschluss liegt die Nettofinanzverschuldung von Bayer bei Sage und Schreibe 35,6 Milliarden Euro.

Gewinn sackt vorrübergehend kräftig in die Knie

Interessant ist auch der Blick auf die geplante Gewinnentwicklung des fusionierten Konzerns. Bei einem gemeinsamen Umsatz von 45 Milliarden Euro soll ein Gewinn von 1,8 Milliarden Euro erzielt werden. Für Sie zum Vergleich: Ohne Monsanto erzielte Bayer im zurückliegenden Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 3,2 Milliarden Euro. Für den Rückgang führt die Konzernführung neben den Finanzierungskosten auch Transaktionskosten sowie eine Neubewertung der Vorräte und Abschreibungen ins Feld.

Firmenname wird gestrichen

Nach dem Megadeal wird übrigens der Firmenname Monsanto der Vergangenheit angehören. Der Konzern galt als Synonym für umweltbelastende industrielle Landwirtschaft, dem Pflanzenvernichtungsmittel Glyphosat, und Gentechnik. Die Produkte, die Monsanto herstellt, sollen aber ihre Bezeichnung behalten.

Fazit: Der größte Deal der Firmengeschichte ist jetzt durch. Bayer gibt für Monsanto sein eigenes Saatgeschäft auf, das Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat sowie seine Digital-Farming-Aktivitäten. Während sich erst noch zeigen muss, ob der Megadeal auf lange Sicht wirklich Mehrwert schafft, gibt es unterdessen einen klaren Gewinner – BASF. Der Chemiekonzern ist der große Nutznießer der Transaktion. Auf Grund der strengen Auflagen wird der zu einem starken Spieler im Agrochemiemarkt. Neben dem Saatgutgeschäft sollen noch attraktive Forschungsvorhaben und Lizenzen für die IT-Plattform zur digitalen Steuerung der Landwirtschaft an BASF übertragen werden.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.