Bayer: Stillstand bei Monsanto-Übernahme

Es war eine Hammermeldung, als Bayer die geplante Übernahme des Saatgut-Spezialisten Monsanto für rekordverdächtige 66 Mrd. Dollar bekanntgab.

Auf Grund der Größe des Deals war von Anfang klar, dass die Übernahme keine „schnelle Nummer“ wird.

Jetzt gibt es aber ungeplante Verzögerungen, denn die EU-Kommission hat im laufenden Verfahren vorerst die Uhr angehalten.

Vertiefte Prüfung sorgt für Verzögerungen

Bereits im August leitete die EU-Kommission auf Grund der Brisanz des Deals eine vertiefte Prüfung ein.

Es ist also kein Wunder, dass sich die Behörden die Auswirkungen der Transaktion genauer ansehen wollen.

Immerhin entsteht durch den Zusammenschluss der weltgrößte Anbieter von Saatgut- und Pflanzenschutzmitteln.

Interessant zu wissen: Nach dem Deal kämen beide Firmen bei gentechnisch verändertem Saatgut auf einen Marktanteil von über 90%.

Wenn Sie konventionelles Saatgut dazurechnen, dürfte die Marktmacht mit rund 30% Weltmarkt-Anteil immer noch beachtlich sein.

Ein ähnliches Bild würde sich mit einem Marktanteil von 25% bei Pflanzenschutzmitteln ergeben.

Wie die Auswirkungen für die Landwirte, also die Kunden, sein werden, ist schwierig abzusehen. Denn diese stehen zukünftig einem mächtigen Oligopol gegenüber:

3 Großkonzerne würden 70% aller Agrochemikalien und über 60% des weltweiten Saatgutmarkts kontrollieren.

Bayer hält an Zeitplan fest

Jetzt hat die EU-Kommission ihre Prüfung vorerst gestoppt, da wichtige Unterlagen von beiden Firmen noch nicht eingereicht wurden.

Ursprünglich lief die Frist für eine Entscheidung bis zum 22. Januar 2018. Unterdessen geht Bayer weiterhin fest davon aus, dass angepeilte Zeitfenster einhalten zu können.

Bayer hat früheren Angaben zufolge bisher von über 1/3 der rund 30 für diesen Fall relevanten Wettbewerbs-Behörden weltweit die Genehmigung für die Akquisition erhalten.

Bayer und Monsanto hatten sich bereits zuvor bereit erklärt, Geschäftsteile mit einem Umsatz von bis zu 1,6 Mrd. Dollar abzugeben.

Monsanto kehrt in schwarze Zahlen zurück

Während die Konzernführung mit der Übernahme ausgelastet ist, konnte Monsanto, das Objekt der Begierde, im zurückliegenden Quartal wieder in die Gewinnzone zurückkehren:

Die Erlöse kletterten um knapp 5% auf 2,7 Mrd. Dollar nach oben.

Nach einem Verlust im Vorjahres-Quartal von 191 Mio. Dollar erwirtschaftete Monsanto jetzt einen Quartals-Gewinn von 20 Mio. Dollar.

Schlechtes Image bleibt bestehen

Unverändert negativ ist allerdings das Firmen-Image des Pflanzenschutz-Konzerns:

Unter Kritik steht nicht nur der Einsatz des Insektenmittels Glyphosat.

Auch die Entwicklung von genmanipulierter Nahrung und der starke Gewinn-Fokus ohne Rücksicht auf die Umwelt sorgen immer wieder für negative Stimmung gegenüber dem Konzern.

Strukturelles Wachstum in der Agrarchemie

Dabei liegen die Hintergründe des Megadeals für Bayer auf der Hand. Die UN rechnen bis 2050 mit einem Anstieg der Weltbevölkerung auf 10 Mrd. Menschen.

Entsprechend dürfte die höhere Nachfrage nach Lebensmitteln auch den Anbietern von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut kräftigen Rückenwind verleihen.

Für 2025 rechnet Bayer mit einem Markt für Pflanzenschutz und Saatgut von 120 Mrd. € – 35 Mrd. mehr als 2015.

Rückschlag im Pharma-Geschäft

Unterdessen musste Bayer bei seinem wichtigsten Medikament, dem Gerinnungs-Hemmer Xarelto, einen Rückschlag hinnehmen:

Eine Studie für eine erweiterte Anwendung des Mittels musste erfolglos abgebrochen werden.

Das Mittel Xarelto ist mit 2,9 Mrd. € Jahres-Umsatz der wichtigste Erlösbringer des Leverkusener Konzerns.

An dem zukünftig geplanten Spitzen-Umsatz des Medikaments von 5 Mrd. € hält das Unternehmen dennoch fest.

9. Oktober 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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