Bayer und BASF einigen sich auf Milliarden-Deal

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Bayer verkauft Teile des Saatgut-Geschäfts an den heimischen Rivalen BASF. Der Deal ist keine größere Überraschung, wohl aber der Preis. (Foto: ricochet64 / shutterstock.com)

Der Leverkusener Pharma- und Chemie-Konzern Bayer hat sich mit dem Ludwigshafener Chemie-Rivalen BASF auf eine Milliarden-Übernahme verständigt:

Für Teile der Unternehmens-Sparte „Crop-Science“ überweist BASF den Rheinländern 5,9 Mrd. €.

Mit dem Verkauf will Bayer seine Chancen erhöhen, dass die Wettbewerbs-Behörden die 56 Mrd. € schwere Übernahme des umstrittenen US-Saatgut-Herstellers Monsanto durchwinken.

Konsolidierungs-Welle in der Branchen-Spitze ohne BASF

In der Branche wurde mit der Übernahme von Syngenta durch den chinesischen Chemie-Riesen ChemChina eine Branchen-Konsolidierung losgetreten.

Die Anzahl der größten Spieler verringerte sich durch die Zusammenschlüsse von ChemChina/Syngenta, DuPont/Dow Chemical sowie Bayer/Monsanto auf 4.

Die Nr. 4 der Branche, BASF, stieg nicht in das Übernahme-Karussell ein, sondern sah sich auch ohne Deal in der Lage, im Geschäft mit Unkraut-Vernichter zu punkten.

Bayer erzielt guten Paketpreis

Schon im Zuge des Monsanto/Bayer-Deals wurde BASF als wahrscheinlichster Käufer von zum Verkauf angebotenen Konzernteilen gehandelt.

Die jetzige Übernahme ist also an sich keine größere Überraschung. Doch es heißt, dass auch Syngenta an den Bayer-Geschäftsteilen interessiert gewesen sein soll.

Der heimische Rivale hat vermutlich deswegen nicht das von vielen erwartete Schnäppchen machen können.

Mit einem Übernahme-Multiplikator von 15 (EBITDA) ist der Preis sogar fast auf dem Niveau der Großdeals.

BASF-Aktie leichter

Die BASF-Aktionäre reagierten auf die Übernahme-Ankündigung enttäuscht:

In einem unveränderten Markt notierte die Aktie am frühen Nachmittag 0,4% leichter. Dies liegt jedoch nur z. T. am unerwartet hohen – aber nicht zu hohen – Übernahme-Preis.

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Denn BASF kündigte einen Strategie-Schwenk an und ließ wissen, dass es womöglich noch weitere Zukäufe geben wird.

Bislang hieß es, dass man das Saatgut-Geschäft nicht brauche, um erfolgreich zu sein.

Jetzt scheint BASF die Sorge zu haben, dass die „Alles-aus-einer-Hand“-Lösung der Konkurrenten eine größere Bedrohung für das Herbizid-Geschäft ist.

Bayer-Aktie auf höchstem Stand seit Ende Juni

Bayer-Investoren sind mit der Übernahme dagegen einverstanden; die Aktie der Leverkusener setzte sich mit einem Plus von mehr als 1% an die Spitze der Gewinnerliste.

Es war klar, dass Bayer größere Teile verkaufen muss, um das OK der Behörden zu bekommen.

Daher wurde befürchtet, dass der Chemiekonzern als Preisnehmer quasi jeden halbwegs akzeptablen Deal zustimmen würde. Dank Syngenta wurde es dann doch ein ordentlicher Preis.

Bayer kommt mit dem Verkauf also auch seinem übergeordneten Ziel, der Monsanto-Übernahme, näher.

Trotz vieler Unwägbarkeiten und Kritiken befürwortet die große Mehrheit der Bayer-Investoren weiterhin den Zusammenschluss.

Chance auf Deal-Genehmigung gestiegen – Übernahme aber immer noch nicht sicher

Bis der Deal steht, wird allerdings noch ein wenig Zeit vergehen. Der ursprüngliche Zeitplan sah vor, dass die Übernahme bis Ende dieses Jahres über die Bühne geht.

Das ist inzwischen nicht mehr zu schaffen, denn die EU-Kommission hat eine vertiefende Prüfung eingeleitet, und auch das wettbewerbsrechtliche OK in den USA fehlt noch.

Bayer hofft, dass der Deal nun Anfang 2018 abgeschlossen werden kann.

Genehmigen die Behörden den Zusammenschluss, steht dem nichts im Wege. Doch auch nach dem jetzigen Verkauf der größten „Deal-Hemmer“ ist die Übernahme kein Selbstläufer geworden.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.