Bayer und Novartis prüfen Pfizer-Tochter

Bayer RED – shutterstock_659942269 Alfred Sonsalla

Medienberichten zufolge will der deutsche Arzneimittel-Hersteller Bayer die Tiermedizin-Sparte von Pfizer erwerben. (Foto: Alfred Sonsalla / Shutterstock.com)

Es könnte einer der Top-Deals 2012 werden.

Medienberichten zufolge will der deutsche Arzneimittel-Hersteller Bayer die Tiermedizin-Sparte von Pfizer erwerben.

Doch Bayer ist nicht allein – auch Novartis und andere Bieter schauen sich die hübsche Pfizer-Tochter genauer an.

Ein Deal wird auf bis zu 20 Mrd. Dollar (rund 15 Mrd. Euro) geschätzt. Das wird reichen, um bei den Top-Deals 2012 dabei zu sein.

Der Übernahme-Sensor würde sich freuen, wenn in der amerikanisch-lastigen Top-Deal-Liste nach langer Zeit mal wieder ein deutscher Käufer dabei wäre. Ganz abgesehen davon, dass der Deal höchst lukrativ ist.

Übernahme bietet große Vorteile

Kommt es zu einem Deal, steigt Bayer mit einem Marktanteil von geschätzten 25% direkt in die Spitzengruppe der Tiermedizin-Anbieter auf. Ein Kauf der Tiermedizin-Sparte würde für Bayer (und für die anderen Interessenten aus der Pharma-Branche) zudem wertvolle strategische Vorteile mit sich bringen.

Das Tiermedizin-Geschäft ist relativ konjunktur-unabhängig und ermöglicht Bayer die Erschließung neuer Wachstumsquellen.

Die neue Konzernsparte würde die Absatzrisiken Bayers glätten und nimmt den Druck bei der Erforschung neuer Arzneien.

Denn wenn ein Medikament den Patentschutz verliert, kommen die Generika-Hersteller auf den Markt und jagen den Pharma-Konzernen Marktanteile ab. Mit der Tiermedizin-Sparte ist der Zeitdruck geringer, da die breitere Angebotspalette etwaige Umsatzeinbrüche in anderen Konzernbereichen abfedert.

Bayer Logo RED_shutterstock_511618771_josefkubes

Nach Millionenstrafe: Bayer-Aktie schickt DAX ins MinusBei einer Übernahme kauft man nicht nur das Unternehmen sondern auch die anhängigen Risiken. Bayer bekommt das heute sehr stark zu spüren. › mehr lesen

Gleichzeitig kann Bayer die Pfizer-Tochter mit der eigenen, bisher unbedeutenden Tiermedizin-Sparte (Umsatz-Anteil 3,3%) zusammenführen und Synergien heben.

Deal-Finanzierung könnte scheitern

Aktuell scheint Bayer zu prüfen, wie ein Deal finanziert werden kann. Pfizer will bis zu 15 Mrd. Euro für die Tiermedizin-Sparte haben und so eine gigantische Summe liegt bei Bayer nicht in der Unternehmenskasse rum.

Bayer hat aktuell eine Verschuldung von rund 7 Mrd. Euro und das ursprüngliche Ziel, die Verschuldung auf 6 Mrd. Euro zurückzuführen. Die Verschuldung ist zwar unbedenklich, doch wenn Pfizer vom hohen Kaufpreis nicht abrückt, wird es schwer für Bayer die Übernahme zu stemmen.

Vermutlich will Bayer auch gar nicht 15 Mrd. Euro für die Sparte ausgeben. Der Wert wird zwischen 11 bis maximal 14 Mrd. Euro gesehen. Pfizer will jedoch aus steuerlichen Gründen mehr.

Sollte kein Bieter bereit sein, auf die Forderung einzugehen, hat der Konzern bereits Alternativen in der Schublade.

Novartis beißt mit 12,1 Mrd. Euro-Offerte auf Granit

Bayer-Konkurrent Novartis hat dem Wall Street-Journal zufolge bereits einen Korb von Pfizer bekommen. Insider berichten, dass eine 12,1 Mrd. Euro schwere Übernahme-Offerte als zu niedrig abgewiesen wurde.

Es wird spekuliert, dass Novartis darüber nicht sehr traurig ist.

Novartis wollte vermutlich lediglich sicherstellen, dass ein Konkurrent einen deftigen Preis für das lukrative Geschäft zahle. Auch diese Taktik gehört zum Übernahme-Geschäft.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.