Bayer: Verkauf der Tiermedizinsparte spült 6,8 Milliarden Euro in die Firmenkasse

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Bayer: Verkauf der Tiermedizinsparte spült 6,8 Milliarden Euro in die Kasse. Der Zufluss lässt den Schuldenberg abschmelzen. Trotzdem zeigen sich die Anleger wenig beeindruckt... (Foto: Alfred Sonsalla / Shutterstock.com)

Es ist ein gewaltiger Deal. Für 7,6 Milliarden Dollar verkauft der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer seine Tiermedizinsparte. Obwohl der erzielte Preis beachtlich ist, reagierte die Aktie auf die Nachricht kaum. Die Investoren richten ihr Augenmerk weiterhin auf die Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten, die die Bayer-Aktie seit mehreren Monaten belasten.

Bayer steigt zum Großaktionär von Elanco auf

Mit dem geplanten Verkauf der Tierarzneimittel-Sparte für umgerechnet 7,6 Milliarden Dollar an den US-Konzern Elanco schließt der Leverkusener Bayer-Konzern seinen Portfolioumbau ab. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen aber lediglich 70% des Kaufpreises, also 5,3 Milliarden Dollar in bar fließen.

Die restlichen 2,3 Milliarden Dollar werden in Form von Elanco-Aktien beglichen. Damit hält Bayer zukünftig rund 17% aller Elanco-Stimmrecht und steigt damit einem der größten Einzelaktionäre der Gesellschaft auf. Allerdings kündigte der Konzern gleichzeitig an, dass man sich zu gegebener Zeit von der Beteiligung wieder trennen möchte.

Deal mit sportlicher Bewertung

Der erzielte Kaufpreis lag am oberen Ende der zuletzt von Analysten erwarteten Bandbreite und entspricht dem 18,8-Fachen des bereinigten operativen Ergebnisses vor Abschreibungen (EBITDA). Mit dem Zukauf steigt Elanco nach Zoetis auf zum weltweit zweitgrößten Anbieter von Tiermedizin. Für Elanco ist die Transaktion ein ordentlicher Schluck aus der Pulle. So steigt die Verschuldung durch den Deal deutlich an und wird nach der Übernahme bei etwa dem 5-Fachen des operativen Ergebnisses liegen. An jährlichen Synergien sollen im Gegenzug zwischen 275 und 300 Millionen Dollar erzielt werden.

Für Bayer nur eine Randbeteiligung

Bayer setzt mit dem Verkauf seine Konzentration auf die Kerngeschäftsbereiche weiter fort. Zu Ihrer Information: Die Sparte mit der Tiermedizin ist die mit Abstand kleinste Sparte im Konzern. Mit knapp 3.700 Mitarbeitern sind dort lediglich rund 3% der Bayer-Belegschaft beschäftigt. Unter dem Strich erzielte die Einheit zuletzt einen Jahresumsatz in Höhe von 1,5 Milliarden Euro, was 3,7% der Gesamtumsätze (39,58 Milliarden Euro) entspricht.

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Bayer und Monsanto: Wie wirkt sich der Deal langfristig aus?Die Übernahme von Monsanto war für Bayer langfristig vor allem eine defensive Aktion, doch zunächst muss eine Klagewelle bewältigt werden. › mehr lesen

Die Bayer-Sparte verkauft unter anderem Floh-, Zecken- und Entwurmungsmittel sowie Halsbänder zur Abwehr des Ungeziefers. Dabei wirtschaftet die Sparte in der Gewinnzone und gilt auf Grund des strukturellen Wachstums als langfristig interessant. Mit einer steigenden Weltbevölkerung und höheren Durchschnittseinkommen nimmt auch der Haustierbesitzt zu. Entsprechend erhöhen sich auch die Ausgaben für Tiermedizin, so die Meinung der Experten.

Bayer drückt seine Schuldenlast

Mit den Einnahmen können die Leverkusener ihren Schuldenberg, der durch die Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto für 63 Milliarden Dollar entstanden war, weiter nach unten drücken. Unlängst hatte Bayer bereits mit Anteilen an dem Chemieparkbetreiber Currenta Kasse gemacht.

Inklusive von einigen Liegenschaften hatte Bayer für seinen 60%-Anteil seine Beteiligung für 1,35 Milliarden Euro losgeschlagen. Darüber hinaus hatten die Leverkusener kürzlich zwei Marken aus ihrem verschreibungsfreien Medikamentenportfolio veräußert und dort ebenfalls über 1 Milliarde Dollar eingestrichen.

Alles dreht sich um Monsanto

Auch wenn sich die Aktie zuletzt wieder gut 20% erholt hat, notieren die Papiere immer noch weiter unter ihrem Höchststand. Gut 70 Milliarden Euro an Börsenwert lösten sich seither in Luft auf. Nach Angaben von Bayer beläuft sich die Zahl der Klagen in Zusammenhang mit Glyphosat und Monsanto im Juli auf 18.400. Solange die rechtliche Situation nicht gelöst ist, wird die Unsicherheit wohl erst einmal anhalten.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.