Bayer: Wie sehen jetzt die charttechnischen Perspektiven aus?

Die Fusion mit Monsanto war von Beginn an umstritten. Nun sehen sich viele Aktionäre in ihrer Befürchtung bestätigt. (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Handelsstreit zwischen den USA und China. Handelsstreit zwischen den USA und der Türkei. Absturz der türkischen Lira:

Die schlechten Nachrichten für den DAX wollen schier nicht enden. Und nun auch noch das! Seit Ende der vergangenen Woche schwächelt eine der Konstanten und zugleich ein Schwergewicht des deutschen Leitindex (Gewichtung: 7,3%): Die Bayer-Aktie.

Wir schauen auf die Hintergründe des Kursabsturzes. Und natürlich – wie sich das für einen Newsletter mit diesem Namen gehört – blicke ich für Sie auf die Charttechnik der Bayer-Aktie.

Mit durchaus überraschenden Erkenntnissen!

Es begann bereits am Freitag

Für Bayer wurde der vergangene Freitag zu einem bösen Omen: Die Verurteilung der Tochter Monsanto zu einer Schadensersatzzahlung in Höhe von 289 Mio. USD ließ die Notierung um bis zu -2,7% sinken.

Am Montag brach der Bayer-Kurs dann um zeitweilig fast -14% ein. Nach 2 Tagen mit vergleichsweise großer Handelsspanne geht es am Donnerstag um weitere -6% in den Keller.

Die Hintergründe für den Kurseinbruch

An Strafzahlungen in Milliardenhöhe haben wir uns ja bei deutschen Unternehmen – beispielsweise Deutsche Bank, Volkswagen – in der Vergangenheit schon beinahe „gewöhnt“.

Daher erscheint es auf den ersten Blick umso unverständlicher, dass eine Strafzahlung in der genannten Größenordnung solch eine Auswirkung haben soll. Die Erklärung dafür wird aus dem Klagegrund ersichtlich:

Monsanto soll, nach Ansicht des Gerichts von San Francisco, die Krebsrisiken seines seit rund 40 Jahren eingesetzten Unkrautvernichters „Roundup“ verschleiert haben. Der in diesem Produkt verwendete Wirkstoff Glyphosat ist seit langem auch in Europa höchst umstritten.

Der in diesem Fall einem einzelnen Krebspatienten zugestandene Schadensersatz könnte der Beginn einer Welle weiterer Strafzahlungen sein. Monsanto und Bayer kündigten zwar Berufung gegen das Urteil an und bestreiten weiterhin die konstatierte Krebserregung von Glyphosat.

Monsanto-Übernahme war von Beginn an äußerst umstritten

Doch den Aktionären des Chemie- und Life-Science-Konzerns schmecken die daraus resultierenden Perspektiven so gar nicht. Nicht wenige sehen sich durch die jüngste Entwicklung zudem in ihrer Einschätzung bestätigt:

Die 63 Mrd. Euro schwere Übernahme des Herstellers von Saatgut und Herbiziden war vom Zeitpunkt seiner Ankündigung an äußerst umstritten: Das zeigt Ihnen der Blick auf den nachfolgenden Chart:

Monsanto mit schwachen Zahlen: Mehr Geld soll es trotzdem seinMonsanto will offenbar von Bayer bis zu 7 Mrd. Dollar mehr. Der geplante Deal wirft immer mehr Fragen auf und bleibt höchst ungewiss.  › mehr lesen

Bayer: Monsanto-Übernahme war von Beginn an äußerst umstritten

Die Bekanntgabe der Fusionsgespräche mit dem US-Unternehmen Monsanto habe ich im Chart mit der blauen Vertikale markiert. Das löste im Mai 2016 eine erste Verkaufslawine aus.

Die ausgesprochen zähen Verhandlungen und der langwierige Entscheidungsprozess der zuständigen Kartellbehörden ließen die mit dem Übernahme-Deal verbundenen negativen Schwingungen zeitweilig in Vergessenheit geraten.

Mit Vollzug der Fusion am 7. Juni dieses Jahres setzte sich die Talfahrt der Bayer-Aktie indes fort (rote Vertikale).

Großinvestoren „fliehen“ aus der Bayer-Aktie

Für den Charttechnik-orientierten Investor kommt der Kurseinbruch der letzten Tage nicht wirklich überraschend: Er zeichnete sich spätestens seit Anfang Juni deutlich im On-Balance-Volumen (OBV) ab.

Falls Sie diesen Indikator nicht kennen: Er verknüpft die börsentäglichen Kursänderungen mit dem dazugehörigen Umsätzen und lässt so Rückschlüsse auf das Verhalten der Großinvestoren zu.

Sie sehen es selbst: Mit zunehmender Wahrscheinlichkeit des Zustandekommens der Fusion verabschiedeten sich immer mehr Großinvestoren aus der Bayer-Aktie.

Der endgültige Vollzug initiierte dann eine neue Verkaufswelle des „Big Money“ – dabei wurde auch eine langfristige Unterstützung im OBV nach unten durchbrochen.

Fazit

Falls Sie nach den jüngsten Kursverlusten mit einem „Schnäppchenkauf“ der Bayer-Aktie liebäugeln, dann seien Sie gewarnt: Es gibt 2 weitere charttechnische Entwicklungen, welche die mittelfristigen Perspektiven der Aktie stark verdüstern!

Zum einen wurde auch im Kursverlauf zu Wochenbeginn eine wichtige langfristige Unterstützung durchbrochen (gestrichelte Horizontale). Noch schwerwiegender ist indes die am Montag ausgebildete Abwärts-Kurslücke (blau unterlegt):

Ein solches, abwärts gerichtetes „Loch“ im Kursverlauf entsteht aufgrund eines plötzlichen, massiven Angebotsüberhanges: Käufer finden sich erst auf einem signifikant niedrigeren Niveau.

Viele Aktionäre können (oder mögen) sich zu Beginn eines solchen Kurssturzes nicht vorstellen, dass die Talfahrt noch sehr viel weiter gehen kann. Doch je tiefer die Kurse sinken, umso größer wird der durch die wachsenden Verluste zunehmende psychologische (Verkaufs-)Druck.

Aktien bewegen sich halt in Trends…


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.