Bayer will Covestro möglichst schnell an die Börse bringen

Da die US-Börsen heute geschlossen bleiben, konnte sich der deutsche Aktienmarkt relativ ruhig entwickeln. Der deutsche Leitindex legte um 0,7% zu und kletterte auf 10.108 Punkte. Zu den größten DAX-Gewinnern gehörte die Bayer-Aktie. Bei Bayer könnte es schon bald positive Nachrichten geben.

Der Börsengang von Covestro, der Kunststoffsparte von Bayer, nimmt Gestalt an. Bereits sehr zeitnah soll die erst seit Anfang des Monats rechtlich und wirtschaftlich selbständige Einheit des Bayer-Konzerns an die Börse gebracht werden.

Der Börsengang soll mit Hilfe von Aktien aus einer Kapitalerhöhung über die Bühne gehen. Der erste Handelstag dürfte bereits in knapp 4 Wochen sein, wenn die allgemeine Börsenstimmung das zulässt. Zum Emissionsvolumen (also der Größenordnung des Börsengangs) wurden bisher keine Angaben gemacht.

Größter Börsengang seit der Deutschen Post

Investmentbanker beziffern den angestrebten Erlös auf eine Größenordnung von 2,5 Mrd. Euro. Damit wäre der Covestro-Börsengang der größte Börsengang in Deutschland seit dem IPO der Deutschen Post im Jahr 2000.

Die Mittel aus der Kapitalerhöhung soll Covestro vor allem zur Rückzahlung von Schulden an Bayer verwenden, die der Mutter-Konzern Covestro mitgibt. Zur Höhe der Verbindlichkeiten, die Covestro mit auf den Weg bekommt, werden aber keine Angaben gemacht.

Allerdings soll mit der Kapitalerhöhung sichergestellt werden, dass Covestro nach dem Börsengang ein Rating im Investment Grade erhält. Entsprechend sollen sich die Nettofinanzverbindlichkeiten inklusive der Pensionsverpflichtungen nach dem Börsengang auf das 2,5- bis 3-Fache des bereinigten Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) belaufen.

Guter Zeitpunkt für Bayer

Aufgrund der Euro-Schwäche und des billigen Öls dürfte Covestro 2015 ein Ergebnissprung gelingen. Grob wird derzeit mit einem bereinigten EBITDA von 1,5 Mrd. Euro (nach 1,16 Mrd. Euro im Vorjahr) kalkuliert.

Der Zeitpunkt des Börsengangs ist daher für die Covestro-Mutter Bayer besonders günstig. Denn: Aktuell kann Bayer die Ex-Tochtergesellschaft Covestro mit deutlich mehr Schulden belasten als es noch im vergangenen Jahr möglich gewesen wäre.

Gemessen an dem 2014 erreichten bereinigten EBITDA und dem für 2015 prognostizierten Wert kann Bayer Covestro bis zu 1,02 Mrd. Euro mehr an Schulden mit auf den Weg geben (und aus der eigenen Bilanz streichen).

Bayer hält Covestro-Aktien mindestens 6 Monate

Anders als erwartet trennt sich Bayer im ersten Schritt nicht von Covestro-Anteilen, sondern verpflichtet sich, mindestens 6 Monate nach der Erstnotiz keine Anteile zu verkaufen. Längerfristig plant Bayer jedoch den vollständigen Rückzug aus dem Kunststoffgeschäft.

Indirekt erhält Bayer aber auch schon früher Zugriff auf den Emissionserlös, da die Mittel, die Covestro zufließen, vor allem für die Tilgung von Konzerndarlehen verwendet werden sollen.

Fazit: Bayer profitiert von der Covestro-Abspaltung

Aus meiner Sicht profitiert Bayer enorm von der Covestro-Abspaltung und das gleich aus 3 Gründen: Erstens verringert sich die Verschuldung von Bayer, zweitens stößt Bayer mit der Kunststoffsparte das margenschwächste Geschäft ab, was dazu führen wird, dass sich die Gewinnmarge im „neuen“ Bayer-Konzern deutlich verbessern wird und drittens wird Bayer zukünftig noch berechenbarer, da die hohen Schwankungen im zyklischen Kunststoffgeschäft wegfallen.

Für die Covestro-Aktie gilt dagegen das, was ich fast immer im Zusammenhang mit Börsengängen empfehle: Warten Sie erst einmal ab und schauen Sie sich zunächst in Ruhe die Bewertung im Rahmen des Börsengangs an.

7. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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