Bayer will mit Zukauf Pharmapipeline ausbauen

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Bayer: Übernahme von Kandy Therapeutics soll Wachstum in der Pharmasparte ankurbeln. Medikament gegen Wechseljahrbeschwerden könnte neuer Blockbuster werden (Foto: ricochet64 / shutterstock.com)

Der DAX-Konzern Bayer will sein Wachstum ankurbeln und kauft den Spezialisten für Frauengesundheit Kandy Therapeutics. Mit dem Deal sichert sich Bayer den Zugriff auf ein Medikament zur Linderung von Wechseljahrbeschwerden. Experten trauen dem Präparat  milliardenschweres Umsatzpotenzial zu. Der Aktienkurs von Bayer reagierte auf die Nachrichten bislang kaum.

Bayer sieht erhebliches Potenzial

Die Übernahme von Kandy Therapeutics erfolgt in mehreren Schritten. Einer Vorauszahlung von 425 Millionen Dollar folgen weitere Meilensteinzahlungen von bis zu 450 Millionen Dollar bis zur Zulassung des Medikaments. Zudem dürften weitere Zahlungen in dreistelliger Millionenhöhe fällig werden, sofern bestimmte Umsatzgrenzen mit dem Medikament nach der Zulassung geknackt werden. Der Abschluss der Übernahme wird bis September erwartet.

Zulassung noch in weiter Ferne

Experten bescheinigten dem Medikament von Kandy Therapeutics in der Tat hohes Potenzial. Kurz zum Hintergrund: Die Biotechfirma entwickelt ein Medikament zur Linderung menopausaler Symptome wie Hitzewallungen und Nachtschweiß. Mit der Übernahme ergänzt Bayer sein Portfolio um eine neuartige, nicht hormonelle Behandlungsoption für Frauen in den Wechseljahren.

Allerdings ist die Markteinführung des Zukunftspräparats noch in weiter Ferne. Gerade erst hat der Wirkstoff die klinische Phase II b erfolgreich absolviert. Im kommende Jahr soll das Medikament in die entscheiden klinische Phase III gebracht werden. Geht es nach Pharmavorstand Stefan Oelrich, dann könnte das Mittel bis zum Jahr 2024 / 2025 auf den Markt kommen.

Wichtiger Schritt zur Stärkung der Medikamentenpipeline

Für den Leverkusener Konzern ist die Übernahme des 2017 aus Nerre Therapeutics ausgegründeten Konzerns ein wichtiger Schritt, um die eigene Produktpipeline zu stärken. Bayer ist seit der Übernahme von Schering (Anm: brachte die erste Anti-Baby-Pille in Deutschland auf den Markt) Marktführer auf dem Gebiet der Frauengesundheit.

Zu den wichtigsten Präparaten gehören die Hormonspirale Mirena (Umsatz 1,2 Milliarden Euro in 2019) sowie die Antibabypillen der Yaz-Familie (681 Millionen Euro Jahresumsatz). Zudem versucht der Konzern seine Marktposition über Kooperationen zu stärken. Mit dem deutschen Biotechnologieunternehmen Evotec entwickelt der Konzern Wirkstoffe zur Behandlung von Hormonstörungen bei Frauen, die zur Unfruchtbarkeit führen können.

Kampf gegen auslaufende Patente

Mit dem Zukauf hofft Bayer auch, den Verlust bei anderen Medikamenten ausgleichen zu können. Sie müssen wissen: Einige von Bayers erfolgreichsten Wirkstoffen laufen in den nächsten Jahren aus dem Patenschutz raus. Beispielsweise verliert Xarelto (Umsatzbeitrag in der Pharmasparte von 22,7% in 2019) in 2023 den Schutz in der EU und im Folgejahr in den USA.

Weiter auf der Suche nach attraktiven Übernahmezielen

Pharmaboss Oelrichs ließ bereits durchblicken, dass Kandy Therapeutics nicht der letzte Zukauf gewesen sein könnte. Bayer ist weiter auf der Suche nach aussichtsreichen Übernahmezielen, um das Wachstum weiter anzukurbeln. Allerdings moniert Oelrich das hohe Preisniveau, das derzeit für Firmen mit Wirkstoffen in späten klinischen Phasen zu zahlen ist. Wer es günstiger haben will, muss ein deutlich höheres Entwicklungsrisiko in Kauf nehmen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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