Bayers Übernahme-Kandidaten: Warner Chilcott unter Beobachtung

Seit einigen Tagen mehren sich die Stimmen, dass der DAX-Konzern Bayer kurz vor einer Übernahme steht.

Es ist nicht lange her, dass die Leverkusener ankündigten, nach Übernahme-Kandidaten Ausschau zu halten und jetzt scheint der Zeitpunkt gekommen zu sein.

In Übernahme-Kreisen wird nun gerätselt, welches Unternehmen das Ziel sein könnte.

Holt Bayer wirklich zum ganz großen Schlag aus und übernimmt für einen zweistelligen Milliardenbetrag die Tiermedizin-Sparte von Pfizer?

Wird Onyx Pharmaceuticals, ein aufstrebendes Biotech-Unternehmen aus San Francisco, übernommen? Oder wird Bayer für das irische Unternehmen Warner Chilcott bieten?

Der Übernahme-Sensor hat die drei kursierenden Gerüchte durchleuchtet.

Pfizer-Tiermedizin-Sparte: Zu groß und zu teuer

Seit der Ankündigung des amerikanischen Pharma-Riesen Pfizers, dass die Tiermedizin-Sparte verkauft werden soll, tauchte immer wieder der Name Bayer auf. Bayer wurde neben Novartis zum wahrscheinlichsten Bieter gekürt.

Dies ist verständlich, denn das relativ konjunktur-unabhängige Geschäft gilt als sehr lukrativ. Bayer würde eine neue Wachstumsquelle erschließen und könnte die Pfizer-Tochter mit der eigenen Tiermedizin-Sparte zusammenlegen. Gleichzeitig würde eine Übernahme zum Unternehmenskurs passen.

Das Problem: Pfizer ist sich der Attraktivität der Tiermedizin-Sparte bewusst und ist nicht auf einen Verkauf angewiesen. Deswegen hat das Unternehmen sehr hohe Preisvorstellungen, die einen Deal mit Bayer unwahrscheinlich erscheinen lassen.

Eine Offerte müsste über 12,1 Mrd. Euro liegen und würde sich am oberen Rand des geschätzten Wertes der Pfizer-Sparte bewegen. Sollte Bayer diese Summe stemmen wollen, wäre die Kasse komplett leer und das Unternehmen nimmt sich den Spielraum für andere günstige Gelegenheiten.

Fazit: Der verlangte Preis ist zu hoch, um die Unternehmenskasse dermaßen zu strapazieren. Bayer wird vermutlich nicht bieten.

Onyx Pharma: Und täglich grüßt das Murmeltier

Onyx Pharmaceuticals dagegen wäre eine leichte Nummer für Bayer. Mit einer Marktkapitalisierung etwas oberhalb von 3 Mrd. Dollar könnte Bayer einen lukrativen Übernahme-Kandidaten der Biotech-Branche kaufen und behält die Schlagkraft für weitere Gelegenheiten.

Onyx ist bereits Bayer-Partner und dürfte einem Verkauf offen gegenüberstehen. Im vergangenen Herbst holte das Unternehmen Berater ins Boot, um eine „strategische Transaktion“ herbeizuführen.

Das Problem: Das Gerücht ist zu vage – verlässliche Quellen existieren nicht. Die Logik des Deals passt zwar, doch scheint hier eine Übernahme-Story konstruiert worden zu sein. Bayer ist lediglich ein potenzieller Bieter von vielen.

Fazit: Onyx Pharma steht immer wieder im Zentrum von Übernahme-Spekulationen. Das Gerücht ist daher mit viel Vorsicht zu genießen.

Warner Cilkott: Alles nur Zufall?

Konkreter sind da schon die Übernahme-Gerüchte um Warner Chilcott. Das in der Gesundheitsbranche tätige Unternehmen hat heute bekannt gegeben, dass Übernahme-Gespräche laufen. Mehrere Bieter seien an das Unternehmen herangetreten.

Die Mitteilung kommt nur wenige Tage nachdem der Nachrichten-Agentur Reuters gesteckt wurde, dass Bayer kurz vor der Bekanntgabe eines Deals steht, der auch im Gesundheitsbereich liegen soll. Auch die Größe des Unternehmens (rund 5 Mrd. Dollar) würde zu Bayers Kragenweite passen.

Unter den Chilcott-Aktionären sind viele Finanzinvestoren, die einem Deal offen gegenüberstehen dürften. Das Unternehmen hatte zuletzt einige Probleme, die zu einem fast 40%igen Rückgang der Börsenbewertung geführt haben.

Für die Finanzinvestoren wäre die Übernahme durch Bayer eine willkommene Gelegenheit, um auszusteigen – und für Bayer ist der Zeitpunkt günstig, um einen Deal einzufädeln.

Fazit: Gut möglich, dass an den Gerüchten etwas dran ist und es sich nicht nur um eine Verkettung von Zufällen handelt. Der Übernahme-Sensor bleibt am Ball.

30. April 2012

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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