BayWa AG – Äpfel aus Neuseeland, Solarstrom aus Frankreich

Neue Geschäftsfelder und glänzende Zahlen. Dennoch notiert die Aktie im Point&Figure-Verkaufsmodus. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Da behaupte noch einer, in Bayern drehe sich die Welt nur um die eigene Kirchturmspitze.

Globale Mitspieler auf dem internationalen Weltmarkt, die im Süden der Republik beheimatet sind, finden wir auf den Kurszetteln der Börsen zahlreich.

BMW, Siemens und die Münchner Allianz Versicherung sind die prominentesten Vertreter, deren Aktien auch im DAX notiert werden.

Ein weniger bekannter Vertreter der bayerischen Wirtschaft ist die BayWA AG aus München.

Das bereits 1923 in der Weimarer Republik als „Bayerische Warenvermittlung landwirtschaftlicher Genossenschaften AG“ gegründete Unternehmen ist heute in den Bereichen Agrar, Energie und Bau tätig.

Der Schwerpunkt liegt auf dem Handel mit den jeweiligen Rohstoffen (Dünger, Getreide, Obst, Heizöl, Gas, Solarstrom und Baustoffen), daneben ist das Unternehmen vor allem im süddeutschen Raum, als Bauträger für Immobilien tätig.

Die Aufzählung macht deutlich, das Tätigkeitsfeld scheint doch eher regional ausgerichtet zu sein.

Doch der Eindruck täuscht, die BayWa AG ist durchaus international aufgestellt und treibt die internationale Expansion voran. Bereits vor zwei Jahren richtete sich der Blick aufs andere Ende der Welt, es wurde die Mehrheit an einem neuseeländischen Obsthändler übernommen.

Seitdem ist man in München in der Lage Tafelobst, vor allem erntefrische Äpfel, rund um das Jahr anzu-bieten und nutzt so die unterschiedlichen Jahreszeiten auf der Weltkugel für sich aus.

Mit Äpfeln 18,4 Mio. Euro verdient

Der Ausflug auf die andere Seite der Erdkugel lohnt sich, alleine das Segment Obst legte in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres um +75% zu und trug mit +18,4 Mio. Euro erheblich zum Halbjahresgewinn von 157 Mio. Euro bei.

Bereinigt man dieses Konzernergebnis noch um einen Sonderertrag von 60 Mio. Euro aus dem Verkauf von Bestandsimmobilien, zeigt sich, auch mit Äpfeln kann man Geld verdienen.

Und die Erschließung neuer Geschäftsfelder geht weiter. Die Vorstandsmannen um ihren Vorsitzenden Klaus Josef Lutz sind kühle Rechner, die erkannt haben, der Handel mit fossilen Brennstoffen wie Heizöl und Agrardiesel ist ein Auslaufmodell, Alternativen sind notwendig.

Und so verwundert es Kenner des Unternehmens nicht, dass heute Morgen die Meldung über die Nachrichtenticker läuft, die BayWa AG errichte über eine Tochtergesellschaft ihren mit 45,4 Megawatt bislang größten Solarpark in Frankreich.

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Einer von vielen, die man in den vergangenen Jahren, neben zahlreichen Biogasanlagen, in Europa und den USA errichtet hat.

Äpfel aus Neuseeland, Solarstrom aus Frankreich und der Welt  und dazu glänzende Bilanzzahlen aus den übrigen Geschäftstätigkeiten des ersten Halbjahres, da sollte die Aktie doch abgehen wie die berühmte „Schmidts Katze“. Tut sie aber nicht!

Der heutige Point&Figure-Chart zeigt, die BayWa-Aktie notiert in einem klaren Point&Figure-Verkaufssignal (roter Kreis), mit einem Kursziel bei 21,50 €.

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Was ist da los bei der BayWa, haben einige Marktteilnehmer Informationen vorleigen, die bislang nicht öffentlich gemacht wurden? Gibt es Insiderverkäufe, die den Kurs so krass nach unten drücken?

Nein, allen Verschwörungstheorien zum Trotz, die Lösung der Frage ist viel simpler.

Zum 23. September diesen Jahres wechselt die BayWA-Aktie vom MDAX in den SDAX, das gehandelte Aktienvolumen entsprach zuletzt nicht mehr den gestellten Anforderungskriterien an die Werte des MDAX-Index.

Abstieg aus dem MDAX drückt den Kurs in den Keller

Mit dem Wechsel verbunden sind Umschichtungen großer Fonds und Investmentgesellschaften, die einerseits die Aktien der Aufsteiger kaufen, aber auch die Absteiger verkaufen müssen, um den aktuellen Index für sich und ihre Anleger wieder abzubilden.

Und so kam die BayWa-Aktie unter die Räder, der Kursverlust vom letzten Hochpunkt bei 41,50 € betrug in der Spitze knappe -16%.

Inzwischen erholt sich der Kurs wieder, notiert aber weiterhin im Abwärtstrend und einem Point&Figure-Verkaufssignal. Ein Einstieg zum aktuellen Kurs bietet sich daher noch nicht an, das Risiko wieder sinkender Kurse ist weiterhin gegeben.

Kurz und Bündig, die BayWa-Aktie ist vorerst kein Kauf. Denn so sind wir Point&Figure-Trader: Einfach in unserer Entscheidungsfindung. Unternehmensnachrichten nehmen wir interessiert zur Kenntnis, lesen (und schreiben) darüber.

Aber zu guter Letzt genügt uns der Blick auf den Chart, unseren Point&Figure-Chart. Denn nur der sagt uns, ob wir eine Aktie kaufen, halten, oder besser verkaufen sollten.


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.