Bechtle AG: Vom kleinen Spin-Off zum Marktführer

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Das deutsche IT-Systemhaus Bechtle hat in den vergangenen Jahren eine echte Erfolgsgeschichte geschrieben. Wie geht es weiter? (Foto: Nicoeinino / shutterstock.com)

Mit guten Zahlen konnte vor einiger Zeit die Bechtle AG aus dem schwäbischen Neckarsulm auftrumpfen. Bechtle ist einer der führenden Anbieter von Informationstechnologie für Gewerbekunden und öffentliche Institutionen in Deutschland und Europa.

Von April bis Juni 2019 stieg der Umsatz um 30,7% auf 1,26 Mrd. Euro. Der operative Gewinn (EBIT) verbesserte sich um 30,0% auf 57,1 Mio. Euro. Aktuell beschäftigt der Konzern 10.915 Mitarbeiter, 2.125 mehr als im Vorjahr. Dabei schaut Bechtle erst auf eine 36-jährige Firmengeschichte zurück.

Die ersten Jahre als Spin-Off-Gründung

Gegründet wurde die Bechtle GmbH EDV-Technik als Ein-Mann-Betrieb am 21. Juli 1983. Gründungsgesellschafter waren der Heilbronner Professor Klaus von Jan, der Unternehmer und Kinobetreiber Ralf Klenk sowie der Maschinenbaustudent Gerhard Schick.

Seinen ersten Sitz hatte das Unternehmen in einem 70 qm großem Ladengeschäft im Heilbronner City-Süd-Center. Das kleine Spin-Off entwickelte und vermarktete eigene Software und vertrieb Hardware.

1985 wurde Bechtle zum IBM-Vertragshändler, mietete neue 180 qm große Geschäftsräume an und erzielte mit nunmehr sechs Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 2,2 Mio. DM und stieg in den Folgejahren zum regionalen Marktführer auf.

Bundesweite und internationale Expansion

1992 stieg Bechtle mit einem 32-seitigen Katalog auch in den überregionalen Handel ein. Vor allem durch Zukäufe werden in den Folgejahren Bechtle IT-Systemhäuser in Würzburg, Chemnitz, Karlsruhe und Leipzig eröffnet.

1995 startete Bechtle als eines der ersten Unternehmen in Deutschland eine Online-Vertriebsplattform. 1996 stieg die Bechtle AG in die Top 5 der Systemhäuser in Deutschland auf und erweiterte ihre Präsenz in den Folgejahren auch an Standorten in der Schweiz und Großbritannien an.

Börsengang und weitere globale Expansion

Ein weiteres Highlight in der Firmengeschichte war der Börsengang der Bechtle AG im März 2000. Mit dem frischen Geld finanzierte Bechtle weitere Expansionen. Seit Ende 2000 ist Bechtle auch in Frankreich und Belgien sowie am Standort Dresden vertreten.

Vier Jahre später zieht Bechtle in den neuen Firmensitz nach Neckarsulm um. Auch in den Folgejahren werden, vor allem durch Zukäufe, weitere nationale als auch internationale Bechtle-Standorte begründet. 2014 erreicht die Bechtle AG im jährlichen Ranking der größten IT-Systemhäuser Deutschlands (gemessen am Inlandsumsatz) den ersten Platz.

Seit 2014 streckt Bechtle seine Geschäftsaktivitäten vor allem durch Kooperationen auch auf andere Kontinente aus. So wurden in 2014 Allianzen mit Unternehmen aus den USA, Neuseeland und Australien vereinbart.

2015 wurden Partnerschaften mit Unternehmen aus Japan, Hongkong und Südafrika sowie in 2016 mit Firmen in Mexiko, Brasilien und Australien abgeschlossen. 2017 folgte dann ein Kooperationsabkommen mit der Moskauer Softline Group, die Bechtle Zugang zu den Märkten in Russland, der Türkei und der Gemeinschaft unabhängiger Staaten eröffnete.

Jahresziele sollen erreicht werden

Die im MDax sowie TecDax gelistete Bechtle-Aktie hat seit ihrem Allzeithoch Ende Mai bei rund 110 Euro etwas an Boden verloren. Der Bechtle-Vorstand ist aber optimistisch, dass sich zumindest das operative Geschäft weiterhin positiv entwickeln wird:

Ungeachtet der gesamtwirtschaftlichen konjunkturellen Eintrübung sind wir überzeugt, unsere für das Gesamtjahr gesteckten Ziele zu erreichen. Gestützt durch ein sehr starkes 1. Halbjahr gehen wir davon aus, dass unser Umsatz und Ergebnis sehr deutlich über dem Vorjahr liegen werden, so Bechtle-Chef Thomas Olemotz,

Auch wenn die Bechtle mit einem KGV von über 20 kein wirkliches Schnäppchen ist, könnte sich ein Einstieg nach dem Rücksetzer der vergangenen Monate anbieten.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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