Bechtle-Aktie: Analystenkommentar sorgt für Schockstarre

Ein Analystenkommentar zur Bechtle-Aktie sorgt für eine Schockstarre. Eine Privatbank setzt den IT-Spezialist auf die Verkaufsliste. (Foto: Nicoeinino / shutterstock.com)

Da mussten sich die erfolgsverwöhnten Bechtle-Anleger wohl die Augen reiben. Nach der sensationellen Kursrally der vergangenen Jahre sorgte ein Analystenkommentar erstmals seit langem für einen spürbaren Rücksetzer. Immerhin kletterten die Papiere im Fünfjahreszeitraum zuvor von 17 bis auf 78 Euro in die Höhe. Nach der jüngsten Verkaufsempfehlung eines Bankhauses korrigierten die Papiere um beinahe 10% und rauschten vorrübergehend bis auf 70,6 Euro in den Keller.

Bechtle – Ein großer Spieler im IT-Geschäft

Bevor ich auf die aktuelle Geschäfts-Entwicklung eingehe, möchte ich Ihnen den IT-Dienstleister aus Neckarsulm näher vorstellen: Bechtle ist nämlich das größte unabhängige IT-Systemhaus in Deutschland. Dabei umfasst das operative Geschäft des Unternehmens 2 Segmente:

Im Bereich „IT-Systemhaus“ unterstützt Bechtle seine Kunden bei der Planung, dem Aufbau und Betrieb ihrer IT-Infrastruktur. Im Geschäftsbereich „IT-ECommerce“ vertreibt Bechtle ca. 44.000 Produkte für Computer in zahlreichen europäischen Ländern über die eigenen 2 Online-Marken „Bechtle direkt „ und „ARP Datacon“.

Hohe Wettbewerbs-Qualität

Mit seinem Geschäftsmodell, der Verbindung von IT-Dienstleistungen und dem Direktvertrieb von IT-Produkten hat sich Bechtle einen bedeutenden Marktanteil erobert. Vor allem auch durch Akquisitionen etablierter Firmen konnte sich Bechtle zudem im Bereich spezialisierter IT-Lösungen, wie z. B. CAD, Navision oder SharePoint, positionieren. Mit mehr als 60 Systemhäusern in Deutschland, der Schweiz und Österreich ist der Konzern stets in räumlicher Nähe zu seinen mehr als 55.000 Kunden.

Fallende Preise für IT-Hardware begrenzen zwar die Marktqualität, drängen jedoch kleinere Wettbewerber aus dem Markt. Als aktiver Marktkonsolidierer beschleunigt Bechtle diesen Prozess.

Beeindruckende Geschäftsentwicklung

Mit seiner Positionierung und seinen Zukäufen erzielte der IT-Spezialist aus Neckarsulm kräftige Zuwachsraten. Immerhin verbesserte sich der Umsatz von 792 Millionen Euro in 2003 auf 3,57 Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr. Zugleich kletterte der Gewinn von 18 auf 115 Millionen Euro in die Höhe. Damit lag die Gewinnspanne zuletzt bei 3,21% und damit nur leicht unter dem Niveau der beiden Vorjahre (2016: 3,34%; 2015: 3,28%).

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Bechtle mit starkem Jahresstart

Zum Jahresbeginn hielt die hohe Dynamik unverändert an. Im ersten Quartal erhöhte sich der Umsatz um beachtliche 19% auf 955,4 Millionen Euro. Im Segment IT-Systemhaus stiegen die Umsätze um 16,8 % auf 658,2 Millionen Euro. Hier sorgte vor allem die starke Nachfrage nach zukunftsweisenden IT-Lösungen, unter anderem rund um hybride Cloud-Konzepte, moderne Workplace- und Datacenter-Architekturen, Networking oder Security für Rückenwind. Das Segment IT-E-Commerce wuchs mit einem Umsatzplus von 23,9% auf 300 Millionen Euro sogar noch stärker.

Unter dem Strich erhöhte sich das Vorsteuerergebnis aber etwas weniger stark auf 35,4 Millionen Euro (+12,5% zum Vorjahresquartal).

Verkaufsempfehlung sorgt für Unruhe

Trotz der Wachstumsperspektiven sieht die Analystin von Hauck & Aufhäuser nicht alles rosarot. Sie zeigt sich vor allem skeptisch, was die Margenentwicklung angeht. Die Expertin rechnet nicht damit, dass Bechtle auf mittlere Sicht eine Vorsteuergewinnmarge von über 5% erreicht.

Für Sie zum Vergleich: In 2017 erreichte Bechtle eine EBIT-Marge von 4,5%. Vor dem Hintergrund der mittlerweile hohen Bewertung empfiehlt sie daher die Aktie zum Verkauf und taxiert das faire Kursniveau bei 61 Euro und damit nochmals deutlich unter dem aktuellen Kurs von 72 Euro.

Wie unterschiedlich die Einschätzung der Experten ausfallen können, zeigt Ihnen der Blick auf das Bankhaus Berenberg. Hier sieht der Analyst auf Grund des Cloud-Trends weiterhin deutliches Aufwärtspotenzial und berechnet ein Kursziel von 92 Euro.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.