Bechtle: Aktie startet nach Übernahme fulminantes Comeback

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Der IT-Dienstleister Bechtle lässt die Korrekturphase hinter sich. Die größte Übernahme der Firmengeschichte sorgt für Phantasie. (Foto: Nicoeinino / shutterstock.com)

Keine vier Wochen ist es her als eine negative Analystenstudie die Bechtle-Papiere zum Stolpern brachte und den jahrelangen Höhenflug vorerst beendete. Die Sorgen der Analystin um die zukünftige Entwicklung der Gewinnmargen sorgte für Verunsicherung unter den Anlegern.

Mittlerweile hat sich die Aktie des IT-Dienstleisters wieder berappelt. Seit Ende Juni kletterten die Papiere um mehr als 10% in die Höhe. Den jüngsten Kursschub verdankten die Papiere einem Zukauf in Frankreich. Sollte der Deal durchgehen, wäre es der größte Zukauf in der kompletten Firmengeschichte.

Bechtle – Platzhirsch im IT-Geschäft

Bevor ich auf die aktuelle Übernahme eingehe, möchte ich Ihnen den IT-Dienstleister aus Neckarsulm erst einmal näher vorstellen: Bechtle ist nämlich das größte unabhängige IT-Systemhaus in Deutschland. Dabei umfasst das operative Geschäft des Unternehmens 2 Segmente:

Im Bereich „IT-Systemhaus“ unterstützt Bechtle seine Kunden bei der Planung, dem Aufbau und Betrieb ihrer IT-Infrastruktur. Im Geschäftsbereich „IT-ECommerce“ vertreibt Bechtle ca. 44.000 Produkte für Computer in zahlreichen europäischen Ländern über die eigenen 2 Online-Marken „Bechtle direkt „ und „ARP Datacon“.

Beeindruckende Erfolgsgeschichte

Mit seinem Geschäftsmodell, der Verbindung von IT-Dienstleistungen und dem Direktvertrieb von IT-Produkten hat sich Bechtle einen bedeutenden Marktanteil erobert. Vor allem auch durch Akquisitionen etablierter Firmen konnte sich Bechtle zudem im Bereich spezialisierter IT-Lösungen, wie z. B. CAD, Navision oder SharePoint, positionieren. Mit mehr als 60 Systemhäusern in Deutschland, der Schweiz und Österreich ist der Konzern stets in räumlicher Nähe zu seinen mehr als 55.000 Kunden.

Fallende Preise für IT-Hardware begrenzen zwar die Marktqualität, drängen jedoch kleinere Wettbewerber aus dem Markt. Als aktiver Marktkonsolidierer beschleunigt Bechtle diesen Prozess.

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Übernahme in Frankreich soll IT-Handel stärken

Jetzt will Bechtle mit dem Kauf des französischen IT-Anbieters Inmac den größten Zukauf der kompletten Firmengeschichte durchziehen. Sie müssen wissen: Inmac Wstore verzeichnete 2017 mit dem Online-Handel von IT-Produkten einen Umsatz von rund 420 Millionen Euro und beschäftigt mehr als 400 Mitarbeiter.

Das Unternehmen gehört seit 2009 zur US-amerikanischen Systemax-Gruppe. Der Deal wäre ein großer Schritt nach vorne. Sollte die Transaktion durchgehen, würde Bechtle zu den Top 5 der französischen IT-Unternehmen zählen. Das Geschäft würde in diesem Bereich um fast die Hälfte zulegen.

Inmac Wstore setzt wie die E-Commerce-Sparte von Bechtle auf die kombinierten Vertriebswege aus Beratung durch qualifizierte Vertriebsmitarbeiter und Online-Shops. Zu den Kunden beider Anbieter zählen Unternehmen und öffentliche Auftraggeber.

5 Milliarden Euro Umsatz in 2020

Langfristig sieht sich Bechtle mit dem Deal auf gutem Weg, seine Ziele zu erreichen. Bis 2020 will der IT-Dienstleister einen Umsatz von 5 Milliarden Euro mit 10.000 Mitarbeitern (Zum 31.03.2018: 8.627 Mitarbeiter) erreichen. Zugleich will sich Bechtle als Nummer 1 im IT-Onlinehandel europaweit positionieren.

Achte Dividendenerhöhung in Folge

In den zurückliegenden Jahren zeichnete sich Bechtle durch eine kontinuierliche Dividendenpolitik aus. Zuletzt wurde eine Erhöhung der Ausschüttung um 20% auf 90 Cent beschlossen. Das ist die achte Dividendenerhöhung in Folge. Auf Basis des letzten Schlusskurses entspricht dies aber einer Dividendenrendite von 1,2%.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.